Notch, Dual-Edge & Co.: 8 Handy-Features mit ärgerlichen Nachteilen

Die Notch des iPhone X ist eher nervig als nützlich.
Die Notch des iPhone X ist eher nervig als nützlich. (©TURN ON 2018)
Andreas Müller Hat im vergangenen Jahr so viele Smartphones getestet, dass er einen Orden verdient hätte.

Trendige Smartphone-Features wie die Notch beim iPhone X oder der In-Display-Fingerabdruckscanner haben auch ihre Schattenseiten. Zum Teil handelt es sich nur um die Geburtswehen neuer Technologien, zum Teil ist der Nutzen der neuen Features zweifelhaft. Hier sind acht Handy-Features mit ärgerlichen Nachteilen.

1. Die Notch: Apples Design-Sünde

In der "Notch", eine Aussparung im Display, kommen beim iPhone X die Hörmuschel, die Selfie-Kamera und die Face-ID-Sensoren unter. Viele Android-Hersteller haben sie inzwischen für ihre Smartphones kopiert, so setzt etwa auch das LG G7 ThinQ auf eine Notch. An den beiden Seiten der Kerbe verläuft jeweils das Display und zeigt Inhalte. Die Notch ist dabei jedoch eine Kompromisslösung, bis die Hersteller herausfinden, wie sie ein wahrhaft randloses Smartphone bauen können – denn sie sieht nicht nur fragwürdig aus, sondern hat auch praktische Nachteile.

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Die Notch ist bei der Medienbetrachtung im Weg.

Websites werden auf dem iPhone X mit weißen Balken dargestellt oder die Notch verdeckt Inhalte. Dasselbe gilt für Videos und Bilder, nur mit schwarzen Balken. Um Medieninhalte vernünftig zu betrachten, musst Du also einen größeren Teil des "randlosen" Bildschirms durch Balken ersetzen. Das ist ärgerlich – und keine nachhaltige Lösung. Allerdings haben die ersten Hersteller wie Vivo bereits den Hörer und den Helligkeitssensor in das Display verfrachten können. Vielleicht ist also bald keine Notch mehr nötig.

2. 18:9-Format: Wirklich besser als 16:9?

Seit der Kameramann Vitorio Storaro ("Apokalypse Now") bei der Präsentation des LG G6 die Vorzüge seines schmalen Kompromissformats von 18:9 für Filme bewarb, ist es zum Standard von Smartphone-Display geworden. Ein längliches Smartphone lässt sich zwar leichter mit einer Hand bedienen und zeigt dabei mehr Displayfläche, als die 16:9-Smartphones, aber es gibt auch eine ganze Reihe an Nachteilen.

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Das LG G6 startete den Trend rund um längliche 18:9-Displays.

So ist das Tippen mit zwei Händen auf einem 16:9-Smartphone einfacher und bei einem weniger hohen Smartphone kommst Du auch leichter an die Benachrichtigungen oben heran. Die meisten Videos und Bilder sind weiterhin bevorzugt oder ausschließlich in 16:9 verfügbar, wobei dieses Format auch für Texte besser geeignet ist.

Davon abgesehen ist es überhaupt nicht klar, ob 18:9 wirklich "die" Zukunft des Films ist. Im Gegenteil: Die Wahl des Bildformats bleibt eine kreative Entscheidung des leitenden Kameramanns. Und trotz allem: Letztlich ist die Wahl des Formats immer eine Abwägung von Vor- und Nachteilen und für manche Nutzer mögen die Vorteile des 18:9-Displays überwiegen.

3. In-Display-Fingerabdruckscanner: Bislang zu unsicher

Die ersten Smartphones mit einem Fingerabdruckscanner im Display (oder darunter – die Hardware sitzt zwar unter dem Display, wirkt aber durch das Display hindurch) sind in China bereits erhältlich. Die frühen Modelle wie das Vivo Nex haben aber einen riesigen Nachteil: Sie setzen auf einen optischen Scanner. Dabei handelt es sich um einen Kamerasensor, der ein 2D-Foto des Fingers knipst.

Fingerabdruckscanner unter dem Display nutzen bislang einen unsicheren optischen Sensor.

Optische Scanner wurden zuvor nicht in Smartphones verbaut, weil sie viel zu unsicher sind. Sie können einfach von einem Foto des Fingers überlistet werden. Hier ist der Fortschritt also einen Schritt zurück gegangen. Aber halt: Zukünftige Smartphones mit einem Fingerabdruckscanner im Display wie das Galaxy S10 nutzen zu diesem Zweck voraussichtlich eine andere Technologie: einen Ultraschall-Fingerabdruckscanner. Diese Sensoren lassen sich nicht leicht austricksen, also könnten In-Display-Fingerabdruckscanner doch die Zukunft werden.

4. Dual-Edge-Display: Wieder falsch getippt

Dual-Edge-Displays sind an beiden Seiten gekrümmt. Samsung führte sie mit dem Galaxy S6 Edge ein und stattet neuere Flaggschiffe heute nur noch mit den doppelt gewölbten Bildschirmen aus. Smartphones mit einem solchen Display sehen in Werbespots und im Laden sehr beeindruckend aus.

Samsung-Galaxy-S9-Außenaufnahme
Beim Festhalten berührt der Galaxy-S9-Nutzer manchmal unfreiwillig das gekrümmte Display.

Das Problem: Wenn Du das Smartphone nur in die Hand nehmen möchtest, kommst Du leicht mit den Fingern an den gekrümmten Rand, was einen Eingabebefehl auslöst. So tut das Smartphone Dinge, die Du gar nicht möchtest. Samsung und andere Hersteller haben sich bemüht, diesen Nachteil zu abzumildern, aber Smartphones mit planem Display haben diesen Nachteil nicht, was aus praktischer Sicht besser ist.

5. Glasrückseite: Rutscht davon

Irgendwann war Metall nicht mehr edel genug – eine Glasrückseite musste her. Der Vorteil: Kabelloses Laden ist mit einer Metallrückseite nicht möglich, sondern nur mit Plastik oder Glas. Bis vor Kurzem waren die Smartphones mit Glasrückseite dafür sehr bruchgefährdet, aber Hersteller wie Apple und Samsung haben dieses Problem mit ihren neuen Flaggschiffen gut in den Griff bekommen. Allerdings ziehen Glasrückseiten weiterhin Fingerabdrücke magisch an.

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Eine Glasrückseite wie die des Sony Xperia XZ2 ist sehr rutschig.

Ein größerer Nachteil bleibt außerdem bestehen: Glas ist sehr rutschig. Anführer der rutschigsten Smartphones mit Glasrückseite ist wohl das Sony Xperia XZ2. Schon bei der kleinsten Unebenheit flutscht das Handy in sein Unglück. Vielleicht bekommen die Hersteller auch dieses Problem noch in den Griff, aber bis dahin ist es ziemlich nervig und potenziell teuer, wenn das Gerät aus größerer Höhe herabstürzt.

6. Herausfahrende Kamera: Mechanische Teile nutzen sich ab

In China sind die ersten Smartphones mit einer mechanischen Selfie-Kamera auf den Markt gekommen, namentlich das Vivo Nex und das Oppo Find X. Die Kamera wird bei diesen Handys automatisch von einem Motor aus dem Gehäuse herausgefahren, wenn sie gebraucht wird. Sinn der Übung: Sie muss nicht in einer hässlichen Notch unterkommen, sondern bleibt bei Nichtgebrauch versteckt.

Wie oft lässt sich die Selfie-Kamera aus dem Vivo Nex herausfahren, bevor sie kaputtgeht?

Das Problem: Die mechanische Kamera ist eben das – ein mechanisches Bauteil, das sich mit der Zeit abnutzt. Wie verhängnisvoll dieses Problem wirklich ist und wie hoch die Reparaturkosten ausfallen, ist aber noch unklar. Den Herstellern zufolge überstehen die Selfie-Kameras mehr als ein Smartphone-Leben. Und zugegeben: Elektronische Bauteile wie Akkus nutzen sich auch ab.

7. OLED- und AMOLED-Displays: Können noch immer einbrennen

OLED-Displays (und Samsungs Version davon, die AMOLED-Displays) leiden inzwischen nicht mehr unter einer kurzen Lebensdauer. Ungefähr zehn Jahre leuchten OLED-Displays mit moderner Technik bei voller Leuchtkraft, dann altert das organische Material. Die meisten Menschen kaufen sich aber schon lange vor Ablauf dieser Zeit ein neues Smartphone.

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Der OLED-Screen des Pixel 2 XL neigte ursprünglich zum Einbrennen.

Allerdings: Wird längere Zeit dasselbe unbewegte Bild auf den OLED-Displays dargestellt, können sie noch immer einbrennen. Dann bleibt ein geisterhafter Schatten des Bildes erhalten, auch wenn sich die dargestellten Inhalte ändern. Besonders das OLED-Display des Pixel 2 XL erhielt wegen des Einbrennens eine schlechte Presse. Die Hersteller wirken dem Problem aber heute mit Software-Kniffen entgegen, welche das gezeigte Bild stets für den Nutzer unsichtbar variieren. Vielleicht werden zukünftige Technologien wie selbstleuchtende QLEDs dieses Problem aber gar nicht erst haben.

8. Gesichtsentsperrung: Endlich sicher, aber...

Und dann wäre da noch die Gesichtsentsperrung. Dabei blickt der Nutzer sein Smartphone an und schon entsperrt es sich. Ursprünglich wurde einfach die Selfie-Kamera zu diesem Zweck genutzt, die sich aber leicht mit einem Foto überlisten lässt – aus denselben Gründen sind optische In-Display-Fingerabdrucksensor unsicher. Sicherer ist Samsungs Ansatz, einen Iris-Scanner einzusetzen. Dieser hat aber den Nachteil, dass er nur bei guten Lichtverhältnissen verlässlich funktioniert.

Oppo hat Face-ID-ähnliche Sensoren im Android-Smartphone Oppo Find X untergebracht.

Erst Apple konnte das Problem lösen und bietet mit Face ID eine sichere Lösung für die Gesichtsentsperrung an, die verlässlich funktioniert. Allerdings ist diese Technologie noch recht teuer und erst in wenigen Smartphones wie dem iPhone X und dem Oppo Find X verbaut. Ein zweites Problem besteht darin, dass die Face-ID-Sensoren auf der Vorderseite des Smartphones unterkommen müssen, sodass das Handy nicht völlig randlos sein kann. Ob die Sensoren in Zukunft hinter dem Display verbaut werden können?

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