Sterne fotografieren: 7 Tipps für die richtigen Einstellungen

Vom Sternenhimmel geht ein ganz besonderer Zauber aus. Lerne hier, wie Du ihn auf ein Foto bannst.
Vom Sternenhimmel geht ein ganz besonderer Zauber aus. Lerne hier, wie Du ihn auf ein Foto bannst. (©Pexels 2018)
Franziska Peix Kann die Frage "Welcher Fitness-Tracker ist der beste?" nicht mehr hören.

Die Sterne vom Himmel holen – das kann man leider nur sprichwörtlich. Sterne fotografieren hingegen kann fast jeder mit einer guten Kamera. Wir verraten Dir, welches Equipment für Fotos vom Sternenhimmel nötig ist und wie Du die richtigen Kamera-Einstellungen triffst.

1. Das richtige Foto-Equipment

Wenn Du ein richtig schönes Foto vom Sternenhimmel schießen möchtest, dann brauchst Du eine Kamera, bei der Du wichtige Fotoparameter manuell einstellen kannst. Dazu zählen etwa Blendenöffnung, Verschlusszeit, ISO und der Fokus. Daher bieten sich für die Sternenfotografie vor allem Spiegelreflexkameras oder Systemkameras an, bei denen Du auch das Objektiv austauschen kannst. Je größer der Bildsensor der Kamera, desto einfacher fällt es, gute Ergebnisse zu erzielen. Vollformatkameras haben gegenüber Kameras mit APS-C-Sensor oder Micro-Four-Thirds-Standard den Vorteil, dass bei hohen ISO-Werten weniger Rauschen sichtbar wird.

Kamera Stativ
Je dunkler die Umgebung, desto nötiger ist ein Stativ beim Fotografieren.

Was die Objektivwahl angeht, solltest Du Dich für eine möglichst lichtstarke Variante entscheiden. Eine kleine Brennweite ist von Vorteil, da Du damit erstens mehr aufs Bild bekommst und zweitens eine längere Belichtungszeit wählen kannst. Für längere Verschlusszeiten unerlässlich ist natürlich auch ein Stativ, ohne dass Du Dich nicht an der Nachtfotografie versuchen solltest. Ein Fernauslöser ist wünschenswert, um Verwacklungen zu vermeiden, aber nicht unbedingt notwendig.

2. Die richtige Planung

Sternenatlas-iTunes-Escape Velocity Limited
Astronomie-Apps wie Sternenatlas zeigt Dir dank GPS, wo gerade welches Sternenbild zu finden ist.

Kamera, Objektiv, Stativ, Speicherkarte, gegebenenfalls ein Fernauslöser und ein Ersatzakku – diese Dinge sind relativ naheliegend. Wenn Du Sterne fotografieren möchtest und dafür nachts unterwegs bist, solltest Du aber auch noch ein paar andere Dinge dabei haben. Eine Taschenlampe etwa, um das Hantieren mit dem Equipment zu erleichtern. Warme Kleidung oder eine Decke schützen vor Kälte in der Nacht und eine Sternenkarte hilft, bestimmte Sternbilder zu erkennen. Solche gibt es natürlich auch in digitaler Form als App fürs Smartphone. Dein Smartphone solltest Du ohnehin dabei haben, wenn Du nachts an entlegenen Orten unterwegs bist.

3. Der richtige Ort

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In hellen Umgebungen wird es schwieriger, viele Sterne in der Dunkelheit einzufangen.

Damit wären wir auch schon beim nächsten Kriterium – der Standortwahl. Die schönsten Sternenfotos knipst Du bei absoluter Dunkelheit, je mehr Umgebungslicht vorhanden ist, desto trüber wird das Ergebnis. Für die Sternenfotografie fährst Du daher idealerweise in den ländlichen Raum, wo Lichtverschmutzung kein so großes Thema ist wie in der Stadt. In den Bergen ist die Luft zudem besonders klar, das kommt auch dem Foto zugute.

4. Die richtige Zeit

Sterne fotografieren Pexels 6
Ausreichend Wolkenlücken und kein störender Mond – das sind Voraussetzungen für gute Sternenfotos.

Aber nicht nur der Ort, auch die Zeit spielt eine entscheidende Rolle beim Fotografieren des Sternenhimmels. Du kannst noch so gute Kameraeinstellungen wählen – wenn der Mond zu hell strahlt, sind fast keine Sterne zu sehen. Für Sternenfotos brichst Du daher am besten bei Neumond auf oder an Tagen, an denen der Mond erst spät aufgeht. Wann das der Fall ist, verraten Dir die schon oben erwähnten Astronomie-Apps. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Faktor ist das Wetter. Ist der Himmel wolkenverhangen, bringt es Dir auch nichts, Dich bei Neumond auf den Weg zu machen.

5. Die richtigen Belichtungseinstellungen

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Bei hohen ISO-Werten steigt die Gefahr, dass dunkle Farben rauschen.

Passen die Rahmenbedingungen, kann es aber losgehen mit dem Fotografieren. Entscheidend für gute Nachtfotos sind die Belichtungseinstellungen, mit denen Du Dich idealerweise schon vorher und im Tageslicht vertraut machst. Die Belichtung eines Fotos ist von mehreren Parametern abhängig, die wichtigsten Einstellungen, die Du dafür an der Kamera vornehmen musst, sind Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO-Wert.

Den idealen ISO-Wert, also die Lichtempfindlichkeit des Sensors, findest Du am besten durch Ausprobieren heraus. Zwar liefert ein höherer ISO-Wert ein helleres Bild. Dabei nimmt das Bildrauschen aber auch stetig zu. Bei einer guten Kamera kannst Du beispielsweise mit ISO 1600 starten und Dich vorsichtig hochtasten, sofern Du einzelne Sterne als Punkte erkennen willst. Bei Sternenspuren reichen kleinere ISO-Werte, da Du in diesem Fall lange belichten musst.

Sterne fotografieren Pixabay 1
Bei einer sehr langen Belichtungszeit entstehen aufgrund der Erdrotation Sternenspuren.

Da kommt auch schon der nächste Faktor ins Spiel: die Belichtungszeit. Je länger Du sie wählst, desto länger fällt Licht auf den Sensor. Um möglichst viel Licht im Dunkeln einzufangen, sollte sie also möglichst lang sein. Wählst Du sie allerdings zu lang, dann sind die Sterne irgendwann nicht mehr als Punkte, sondern als Streifen auf dem Foto zu erkennen. Das kann natürlich ein gewünschter Effekt sein. Um ihn aber zu verhindern, kannst Du Dich an folgender Faustformel (für Vollformatkameras) orientieren:

500 : Brennweite = maximale Belichtungszeit

Die dritte Einstellung, die Du für die Belichtung treffen musst, ist die Wahl der Blendenzahl. Da hier gilt: je kleiner der Wert, desto größer die Blendenöffnung, entscheide Dich in diesem Fall für einen kleinen Wert. Wenn Du Sterne fotografieren möchtest, solltest Du nämlich so viel Licht wie möglich durch die Blendenöffnung auf den Bildsensor fallen lassen.

6. Der richtige Fokus

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Ein weit entferntes, aber klar zu erkennendes Objekt hilft beim manuellen Fokussieren.

Der Autofokus dürfte in der Dunkelheit seine Probleme haben. Daher verzichtest Du besser ganz auf ihn und fokussierst manuell. Etwas in der Ferne wirklich scharf zu stellen, erfordert vielleicht etwas Übung und ein gutes Auge. Helfen kann dabei der Live-View-Modus und eine Vergrößerungsfunktion. Am einfachsten gelingt es, auf unendlich zu fokussieren, wenn dieser Punkt am Fokusring durch eine liegende 8 markiert ist. Tipp: Der tatsächliche Unendlichpunkt liegt minimal davor.

7. Das richtige Maß an Nachbearbeitung

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Ob einzelne Sterne oder Sternenspuren – viele Effekte lassen sich durch gezielte Nachbearbeitung hervorheben.

Mit Blick auf eine potenzielle Nachbearbeitung fotografierst Du idealerweise gleich im RAW-Format. Das hat zwar den Nachteil, dass die Speicherkarte schneller voll ist. Dafür hast Du im Anschluss die unkomprimierten Rohdaten vorliegen, denen Du durch Bearbeitung die finalen Touches verpassen kannst. Nicht selten weist ein nachts geschossenes Foto nämlich noch Farbstiche oder Verzerrungen auf. Hast Du die Rohdaten vorliegen, kannst Du nachträglich noch umfassende Anpassungen vornehmen, zum Beispiel am Weißabgleich, den Kontrasten oder der Helligkeit. Insbesondere wenn Du die Milchstraße auf Fotos bannen willst, kannst Du mit dem Hervorheben bestimmter Farben tolle Effekte erzielen.

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