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studiVZ, ICQ & Co.: Diese 5 Technik-Relikte gibt es immer noch

Napster gibt es zwar noch, allerdings sind die Nutzerzahlen überschaubar.
Napster gibt es zwar noch, allerdings sind die Nutzerzahlen überschaubar. (©Wikimedia Commons 2017)

"Das Internet vergisst nie." Wir stellen 5 Tools und Internetportale vor, die noch vor wenigen Jahren als absolute Top-Adressen galten. Zwar existieren studiVZ und Co. auch heute noch, die beeindruckenden Nutzerzahlen von einst erreichen sie aber längst nicht mehr.

1. studiVZ / meinVZ (Online-Community)

 studiVZ: Die Online-Plattform war in Deutschland am Anfang beliebter als Facebook. fullscreen
studiVZ: Die Online-Plattform war in Deutschland am Anfang beliebter als Facebook. (©Unsplash 2017)

StudiVZ und meinVZ zählten einmal zu den meistgenutzten Communitys im deutschen Sprachraum. Das studiVZ, programmiert von Ehssan Dariani und Dennis Bemmann, ging im November 2005 online, 2008 kam noch das für eine größere Zielgruppe gedachte meinVZ hinzu. Zwischenzeitlich gab es noch das SchülerVZ sowie eigene Portale für Spanien, Italien, Frankreich und Polen. In Deutschland erfreuten sich studiVZ und meinVZ anfänglich großer Beliebtheit, 2010 meldeten die Betreiber 16 Millionen Nutzer. Im letzten Jahr zählten studiVZ und meinVZ zusammen gerade mal eine Million Nutzer. Auch die aktuellen Besucherzahlen sind kaum noch erwähnenswert: Von den einstmals 6,4 Millionen Besuchern am Tag sind laut Statistikbetreiber Simliarweb gerade einmal 180.000 Visits im Monat geblieben, die im Dezember letzten Jahres gemessen wurden. Aber immerhin: Obwohl Facebook den VZ-Seiten längst bei den Nutzerzahlen den Rang abgelaufen hat, gibt es im Gegensatz zu anderen damaligen Communitys wie werkenntwen.de zumindest noch die Webseite von studiVZ. Wer also in alten Nachrichten und Fotos stöbern möchte, ist bei studiVZ und meinVZ noch immer gut aufgehoben.

2. ICQ (Internet-Messenger)

"Uh-oh!" Dieser piepsige Ton signalisierte Dir eine eingehende Nachricht bei ICQ. Als das Tool im November 1996 veröffentlicht wurde, war von heutigen Messengern wie WhatsApp noch längst nicht die Rede. Skype kam erst sieben Jahre nach ICQ (kurz für "I seek you", also "Ich suche dich") und das erste iPhone sogar erst elf Jahre später auf den Markt. Bis dahin dominierte ICQ die Welt der Chat-Tools. Anfang des Jahrtausends hatte der Messenger weltweit über 100 Millionen Nutzer und war damit eines der meistgenutzten Tools im Bereich Instant-Messenging. Die Nutzerzahlen gingen jedoch bedingt durch die Erfindung des Smartphones und Apps wie WhatsApp und Co. stark zurück: Nach zuletzt verfügbaren Statistiken liegt die Nutzerzahl nur noch bei etwa 11 Millionen. Uh-Oh!

3. e-m@il für Dich (Filmwebsite)

Die Komödie aus dem Jahr 1998 mit Tom Hanks und Meg Ryan in den Hauptrollen erfreute sich bei Zuschauern großer Beliebtheit. Die offizielle Webseite des Films hingegen ist, zumindest nach heutigen Maßstäben, nicht ganz so hinreißend wie die romantische Handlung des Films. Im Gegensatz zu interaktiven Webpräsenzen von heute ist die Seite von 1998 sehr karg gestaltet. Dennoch bietet sie viele Features, die zum damaligen Zeitpunkt für Webseiten nicht gang und gäbe waren. Besonders spannend sind die Kategorien, in denen damalige Nutzer eigene Inhalte einreichen konnten. So findet man auf der Seite selbst-erstellte ASCII-Kunstwerke, die heutzutage nur wenigen ein Begriff sind. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich Bilder, die nur aus Schrift- und Sonderzeichen bestehen. Heutzutage wirken solche Kunstwerke, die Winnie Puuh oder ein Porträt von Tom Hanks aus Fragezeichen zeigen, wohl eher seltsam – damals allerdings konnte man damit für Staunen sorgen.

In einer anderen Rubrik auf der Webseite berichteten Nutzer davon, wie sie ihren Partner im Netz kennengelernt haben. Online-Dating war damals noch ein Novum und eher etwas für "Computer-Nerds". Bei den veröffentlichten Geschichten zeigt sich, dass nicht nur die Nutzung des Internets, sondern offenbar auch das Dating-Verhalten anders als heutzutage war. Internetnutzer traten damals über Chatrooms oder über Diskussionsforen mit anderen in Kontakt. Nach Wochen des gemeinsamen Chattens tauschte man dann Telefonnummern aus, und nach weiteren Wochen kam es dann eventuell zum Treffen. In Zeiten von Dating-Apps wie Tinder bringen heutige Nutzer wohl nur noch selten so viel Geduld mit.

4. Napster (Musiktauschbörse)

 Napster: So sieht das Logo des Services aus. fullscreen
Napster: So sieht das Logo des Services aus. (©Wikimedia Commons 2017)

Sean Parker und John Fanning gründeten 1999 den Filesharing-Dienst Napster. Ziel des Services war, Musikdateien über eine direkte Verbindung auszutauschen. Zu Hochzeiten des kostenlosen Angebots nutzen über 80 Millionen weltweit Napster. Das Tauschvolumen war nicht minder beeindruckend: Im Januar 2001 waren es laut Wikipedia zwei Milliarden Dateien. Die Musikindustrie reichte allerdings bald mehrere Klagen aufgrund von Rechteverletzungen ein, die letztendlich zur Schließung des Dienstes führten. 2008 wurde der Markenname Napster vom Elektronik-Shop BestBuy gekauft, als Musikstreaming-Dienst wieder ins Leben gerufen und bekam sogar Zuwachs an Nutzern: Heise meldete 2015, dass Napster mittlerweile 2,5 Millionen zahlende Kunden hat. Eine echte Konkurrenz für die 40 Millionen Premium-Abo-Kunden von Spotify ist das allerdings nicht.

5. Myspace (Musik-Community)

Die Myspace-Community ging ursprünglich aus einem Anbieter von Webspace hervor. 2003 gründete Tom Anderson dann das Myspace, wie wir es heute noch kennen. Der Dienst fokussierte sich auf Bands, die über ihren Myspace-Account in Kontakt mit Fans treten konnten. Die Plattform ermöglichte es Musikern, neue Songs oder Videos über ihren Account zu veröffentlichen und die Fans auf dem Laufendem zu halten. Die enge Verbindung zwischen Musikern und Fans sorgte zuerst für einen riesigen Ansturm auf Myspace: Am Anfang meldeten sich bis zu 230.000 Nutzern am Tag neu an, 2006 vermeldete Myspace sogar mehr Besucher als Google oder Yahoo. Zur Hochzeit des Dienstes hatte Myspace stolze 79 Millionen Mitglieder.

Doch mit dem Aufschwung von Facebook begann der Niedergang von Myspace. Medienunternehmer Rupert Murdoch kaufte 2009 Myspace noch für 580 Million US-Dollar. Danach ging es abwärts: Nutzer klagten über immer mehr Werbung auf der Plattform, die Myspace aber benötigte, um weiter an dem Dienst zu arbeiten. Kritiker warfen der Seite zudem vor, sich auf Musikbands zu konzentrieren, wohingegen Facebook den Nutzern Kontakt zu ihren Freunden bot. 2011 kaufte Specific Media Myspace für 35 Millionen US-Dollar, also knapp 545 Millionen weniger als zuvor. Von den ursprünglich 1.600 Mitarbeitern sind nur noch 150 angestellt. Zwar hat Myspace immer noch über 50 Millionen Nutzer, spielt aber längst nicht mehr eine so bedeutende Rolle wie damals. Immerhin: Zuletzt vermeldete Myspace wieder steigende Nutzerzahlen, vielleicht hat dieses Internet-Relikt also noch eine zweite Chance.

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