Unser Tech-Jahr 2017: Was wir toll fanden – und was eher nicht

Vier TURN-ON-Redakteure sprechen über ihre Tops und Flops des Tech-Jahres 2017.
Vier TURN-ON-Redakteure sprechen über ihre Tops und Flops des Tech-Jahres 2017. (©TURN ON/DJI 2017)

Apple führt mit dem iPhone X sein erstes Smartphone ohne Home-Button ein, Google Home erobert den deutschen Markt und Windows wird zum VR-Programm. Im folgenden Artikel blicken vier TURN-ON-Redakteure auf ihre ganz persönlichen Highlights des Tech-Jahres 2017 zurück – und nennen auch die Dinge, die sie eher enttäuschend fanden.

Sprechende Software und die mobile Selbstaufgabe von Microsoft

Patrick Schulze

Top: Der Google Assistant wird zum nützlichen Sprachassistenten

Google-Assistant-iPhone
Der Google Assistant entwickelt sich zu einem nützlichen Software-Tool.

Die vielleicht beste Software des Jahres war der Google Assistant. Der feierte seine Premiere zwar genau genommen schon 2016 auf dem ersten Pixel Phone, doch erst in diesem Jahr konnte er eine größere Verbreitung erreichen. Viele Leser mögen an dieser Stelle mit den Augen rollen, weil sie Sprachassistenten überflüssig finden und mithörende Lautsprecher wie der Google Home (Mini) für sie perfekte Spionage-Geräte sind. Ich kann es ihnen nicht verdenken und teile diese Bedenken zum Teil sogar.

Warum der Google Assistant dennoch mein Highlight des Jahres ist? Weil er dann funktioniert, wenn ich ihn brauche und das beeindruckend zuverlässig. Auch ich benötige in meinem Zuhause nicht permanent einen digitalen Assistenten und auch keinen Lautsprecher, der ständig mithört. Es gab und gibt aber immer wieder Situationen, in denen ich gerne auf den Sprachassistenten zurückgreife – vornehmlich, wenn ich unterwegs bin und schnell eine Wegbeschreibung oder eine Info benötige, jedoch gerade keine Zeit dafür habe, mich durch meine Apps zu tippen. Auch als mobiler Übersetzer hat mir der Assistant in diesem Jahr gute Dienste geleistet.

Man muss wahrlich kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass Sprachassistenten in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Für mich ist das in Ordnung, wenn sie dann auch tatsächlich zu nützlichen Werkzeugen für unseren Alltag gemacht werden.

Flop: Microsoft zieht symbolisch den Stecker bei Windows 10 Mobile

Lumia 950 XL neu
Microsoft sieht selbst offenbar keine Zukunft mehr für Windows 10 Mobile.

Die Smartphone-Welt ist 2017 definitiv etwas ärmer geworden. Mehr als jemals zuvor wurde in diesem Jahr deutlich, dass Windows Phone gegen die Übermacht von iOS und Android langfristig nicht mal den Hauch einer Chance hat. Microsoft selbst hatte diesen Eindruck seit Beginn des Jahres verstärkt und keinerlei Kraftanstrengungen mehr unternommen, um sein eigenes mobiles Betriebssystem zu pushen.

Ende September schrillten bei vielen Fans von Windows 10 Mobile bereits die Alarmglocken, als Microsoft-Gründer Bill Gates in einem Interview öffentlich bekannte, dass er mittlerweile ein Android-Smartphone nutzt. Die Gewissheit kam nur wenige Wochen später in Form eines Tweets von Windows-Chefprogrammierer Joe Belfiore, in dem er mitteilte, dass Microsoft keine weiteren Feature-Updates für Windows 10 Mobile mehr veröffentlichen werde – und auch keine neue Hardware mehr.

Das war es also: Die lebenserhaltenden Maßnahmen wurden abgeschaltet und der kranke Patient Windows Phone kann nun langsam seinem Schicksal entgegenblicken. Auch wenn dieser Schritt durchaus absehbar war, ist es dennoch schade. Wenn es nämlich nicht mal ein Big-Player wie Microsoft schafft, den Smartphone-Markt aufzumischen, dann ist das wohl ein Zeichen dafür, dass sich an der Vormachtstellung von Google und Apple so schnell nichts mehr ändern wird.

Hardware-Licht und Software-Schatten bei Apple

Gregor Rumpf

Top: Das iPhone X bringt endlich Innovationen

iPhone X
Das iPhone X warf 2017 einige Apple-Traditionen über Bord.

2017 hat sich Apple endlich mal wieder etwas getraut und mit dem iPhone X das altbackene Design des iPhone 6/iPhone 6s/iPhone 7/iPhone 8 aus dem Fenster geworfen. Schon klar, randlose Displays und Smartphones ohne Home-Button haben die Kalifornier natürlich (mal wieder) nicht als erste erfunden. Wie in der Vergangenheit ist es Apple aber auch beim iPhone X wieder gelungen, die Vorlagen der Konkurrenz zu perfektionieren und zum Must-Have für den Massenmarkt zu machen. Zudem besitzt das iPhone X mit Face ID ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das in der Zukunft wohl zum neuen Standard für das Entsperren von Smartphones werden dürfte.

Flop: Apples Update-Politik

iPhone-Akkugate
iOS 11 sorgte bei vielen iPhone-Nutzern für leere Akkus.

Bitte nicht falsch verstehen: Dass Apple auch alte iPhones sehr lange mit iOS-Updates versorgt, finde ich natürlich weiterhin toll. iOS 11 hatte im Jahr 2017 allerdings doch unerwartet viele Kinderkrankheiten – erinnern wir uns nur an die ewigen Akku-Probleme nach dem Update und den peinlichen Datums-Bug Anfang Dezember, der viele iPhones abstürzen ließ. Noch schlimmer wurde es dann allerdings Ende Dezember, als Apple eingestehen musste, dass iPhones mit alten Akkus per Software-Update gezielt langsamer gemacht wurden, um die Gesamtperformance zu retten. Hier hätte Apple deutlich transparenter vorgehen müssen. Nein, 2017 war in der Rückschau wirklich nicht das Jahr, in dem die Kalifornier mit ihrer Software überzeugen konnten. Immerhin entschuldigte sich Apple für die "Missverständnisse" bei der iPhone-Drosselung kurz vor Ende des Jahres und senkte den Preis für den Austausch alter iPhone-Akkus.

Zwischen Drohnen-Lust und Drohnen-Frust

Franziska Schütze

Top: Drohnen werden bezahlbar und kleiner

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Die DJI Spark hat uns ganz neue Urlaubsfotoperspektiven ermöglicht.

In den vergangenen Jahren bin ich schon recht viel in der Weltgeschichte herumgereist, mit dabei waren dann in der Regel das Smartphone und eine Kamera – oft auch noch eine GoPro. Als DJI im Frühjahr 2017 dann die Spark vorgestellt hatte, war recht schnell klar: Im Koffer muss das nächste Mal Platz für eine Drohne geschaffen werden!

Zum Glück ist das gar nicht mal so viel Platz. Denn wenn mir 2017 etwas gezeigt hat, dann dass Drohnen endlich im Consumer-Markt angekommen sind. Die DJI Spark ist nämlich gerade einmal 300 Gramm schwer und ihre Tasche, in die Drohne plus Fernbedienung und Ersatzakkus passen, ist nicht größer als die Tasche für eine gute Kamera. Man braucht keinen Drohnenführerschein, um sie zu fliegen, nur eine Plakette, auf der Name und Adresse vermerkt sind. In neueren Haftpflichtversicherungen sind kleine Drohnen sogar meist schon mit integriert.

Obwohl Drohnen wie die DJI Spark mittlerweile so klein und leicht geworden sind, kann man trotzdem beeindruckendes Bildmaterial damit aufnehmen. Zwar gibt es 4K-Videos bislang weiterhin nur von größeren Modellen. Aber auch die Spark lässt Dich atemberaubende Full-HD-Videos sowie tolle Bilder aus völlig neuen Perspektiven aufnehmen – und aus dem Urlaub mit nach Hause bringen.

Flop: Drohnen werden totreguliert

DJI Spark 20
Fliegen nur mit Plakette und Haftpflichtversicherung – je nach Gewicht auch nur mit Führerschein erlaubt.

2017 hat mir aber auch gezeigt, dass es nicht nur Drohnenfreunde auf der Welt gibt. Und dass man sich ganz schön viel mit Verordnungen und Regularien auseinandersetzen muss, wenn man eine Drohne fliegen will. Soll der elektronische Freund dann noch mit in den Urlaub, wird es mitunter noch komplizierter.

Die "Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten" sieht unter anderem die bereits erwähnte Kennzeichnungspflicht (Plakette an der Drohne), einen Kenntnisnachweis ("Drohnenführerschein") für Fluggeräte ab zwei Kilogramm und zahlreiche Betriebsverbote in bestimmten Situationen vor – zum Beispiel das Fliegen außerhalb der Sichtweite (was selbst die kleine DJI Spark kann), das Fliegen über bestimmten Verkehrswegen oder Wohngrundstücken.

Darf ich hier fliegen oder nicht? Die Frage stellt sich natürlich nicht nur zu Hause, sondern auch im Urlaub. In den USA sind Drohnen beispielsweise zurzeit in allen Nationalparks verboten, weil es noch keine Einigung auf bestimmte Regeln gibt. Das ist alles recht kompliziert und mitunter auch schade. In diesem Fall hoffe ich einfach auf die Zukunft. Möge sie einfachere und klare Regeln für das Fliegen von Drohnen mit sich bringen ...

Umsetzung trennt Spreu von Weizen: Windows Mixed Reality vs. iPhone X

Andreas Müller

Top: Windows Mixed Reality überzeugt im VR-Test

Acer-Mixed-Reality-07
Das Tracking gelingt bei Windows Mixed Reality dank Sensoren auf der Brille.

Ich weiß, eigentlich hat Kollege Patrick den Test von Windows Mixed Reality geschrieben. Er war jedoch eine Weile lang mit Süßigkeiten abgelenkt und da ergriff ich sogleich die Chance, mir die VR-Brille von Acer aufzusetzen. Ich stimme ihm zu: Die VR-Lösung von Microsoft ist jetzt schon eine grundsätzlich runde Sache. Vor allem das Tracking des Nutzers im dreidimensionalen Raum hat Microsoft bequem und dabei verlässlich umgesetzt.

So kommt das Tracking ohne Kameras oder Laser-Sensoren im Raum wie bei Oculus Rift und HTC Vive aus und ohne die ständige Nachjustierung von mobilen VR-Brillen wie Gear VR sowie Daydream View. Dennoch funktioniert das System recht präzise. Zum Surfen oder E-Mails checken in virtuellen Welten ist die Auflösung der Brillen noch zu gering, aber grundsätzlich hat Microsoft mit Windows Mixed Reality ein rundes Produkt für Early Adopter veröffentlicht. Für mich ist es die bislang beste VR-Lösung.

Flop: Das iPhone X hat zu viele Mängel

iPhone X Animojis
Die Animojis sind kaum die nützlichste Anwendung einer innovativen Technologie.

Apple hat sich dadurch einen Namen gemacht, bestehende Technologien zu perfektionieren und sie in ein rundes Produkt für den Massenmarkt zu gießen. Die technischen Innovationen stammten manchmal von anderen, doch erst Apples geniale Umsetzung verhalf ganzen Produktkategorien zum Durchbruch. Man denke nur an das iPad und an das erste iPhone, die Tablets und Smartphones einem großen Publikum zugänglich machten.

Das iPhone X fällt aus dem Rahmen. Im Gegensatz zu Gregor halte ich die Umsetzung des neuen Apple-Flaggschiffs für unausgereift, denn: Die Kerbe im Display ist so unästhetisch wie unpraktisch, die Wischgesten-Steuerung wirkt wie eine Last-Minute-Idee eines überarbeiteten Praktikanten, die Animojis sind im Alltag wenig brauchbar, die Akkulaufzeit enttäuscht und das Gerät ist "das zerbrechlichste iPhone aller Zeiten", wie Stiftung Warentest zurecht kritisiert.

Schließlich kann ich darauf verzichten, dass App-Entwickler dank Face ID Zugriff auf mein Gesicht bekommen und halte den kapazitiven Fingerabdruckscanner für die überlegene Sicherheitstechnologie – den Apple beim iPhone X abgeschafft hat. Beim exorbitanten Preis mache ich sowieso nicht mit, bereits die neuen Android-Flaggschiffe an der 1000-Euro-Grenze halte ich für überteuert. Smartphone-Nutzer, die ein verlässliches Gerät für den Alltag brauchen, sind somit beim iPhone X an der falschen Adresse.

Auch Alex, Jens und Meru haben sich in einem Video Gedanken über das Jahr 2017 gemacht:

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