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Vero: 6 wichtige Fragen & Antworten rund um die Hype-App

Viele Instagrammer haben in den letzten Tagen für Vero geworben.
Viele Instagrammer haben in den letzten Tagen für Vero geworben. (©YouTube/Clevver News 2018)

Noch ein soziales Netzwerk? Ja, noch ein soziales Netzwerk! Dabei ist Vero nicht wirklich neu, nur der Hype um die App ist es. Was hinter dem aktuellen Run auf die App steckt, wie sie funktioniert und was Du sonst noch wissen solltest, bevor Du Dich von Facebook, Instagram und Co. verabschiedest, verraten wir Dir hier.

Sofern Du die letzten Tage nicht von der Außenwelt abgeschnitten warst, hast Du wahrscheinlich schon etwas von der vermeintlichen neuen Social-Media-Revolution gehört. Die App Vero stürmte die Charts beider großer App-Stores und will anders sein als Instagram, Facebook und Co. – nämlich "true social" oder besser "truely social", wie es korrekterweise heißen müsste. Ob Du Dich sofort registrieren solltest, um nichts zu verpassen, oder ob es sich vielleicht doch nur um eine Eintagsfliege handelt, können wir Dir nicht sagen. Aber wir beantworten Dir die sechs wichtigsten Fragen, die Dir bei der Entscheidung für oder gegen Vero helfen könnten.

1. Was ist Vero überhaupt?

Vero ist eine Smartphone-App, die Menschen miteinander verbinden will – genauso wie andere soziale Netzwerke auch. Nach der Anmeldung kannst Du Freunden und Bekannten folgen und selber Inhalte teilen. Dazu zählen neben Bildern und Videos auch Links, Musik, Filme, Orte und Bücher. Dabei entscheidest Du, wer diese Inhalte angezeigt bekommen soll: enge Freunde, Freunde, Bekannte oder alle Vero-Nutzer. Was Du geteilt hast, wird in Sammlungen sortiert. Darüber hinaus bietet die App auch eine Chat-Funktion für private Nachrichten an Deine Kontakte.

2. Wie unterscheidet sich die App von Facebook & Co.?

 Vero will Dich auch mit Freunden verbinden – aber werbefrei und ohne Algorithmus. fullscreen
Vero will Dich auch mit Freunden verbinden – aber werbefrei und ohne Algorithmus. (©TURN ON 2018)

Das alles klingt erst einmal nach einem beliebigen weiteren sozialen Netzwerk. Doch Vero will einiges anders machen als Instagram, Facebook und Co. Dazu zählt vor allem, dass das Netzwerk werbefrei ist und keine Algorithmen über die Reihenfolge von Postings im persönlichen Feed entscheiden lässt. Du bekommst also alles, was Personen posten, denen Du folgst, in chronologischer Reihenfolge angezeigt – nichts wird versteckt. Genau so hatte Facebook auch einmal angefangen.

Da die Plattform werbefrei bleiben will, wirbt Vero damit, dass es keine aggressiven Datenerfassungstechniken nutzt. Schließlich gibt es keine personalisierte Werbung. Für Unternehmen und Publisher gibt es bei Vero also keine Möglichkeit, die Reichweite ihrer Posts durch Bezahlung zu steigern.

3. Wie finanziert sich die App?

Dennoch gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte in Vero anzubieten. Nutzer können diese dann direkt innerhalb der App kaufen. Und das lassen sich die Macher von Vero bezahlen. Doch auf lange Sicht sollen nicht nur Unternehmen für die Produktplatzierung zahlen – auch Nutzer werden angeblich bald zur Kasse gebeten. Bislang ist das aber noch nicht der Fall. Die App warb zwar nur damit, für die erste Million Mitglieder kostenlos zu sein, doch auch nach Erreichen der Million wurden noch keine Gebühren erhoben. Die Entwickler begründen das auf ihrer Webseite mit den technischen Problemen, die derzeit noch bestehen und die App-Nutzung trüben. Doch bald wolle man bekannt geben, wie hoch die Abo-Gebühr für weitere Mitglieder künftig ausfalle.

4. Wer steckt dahinter?

Allzu schnell dürfte Vero jedenfalls nicht in Geldnot geraten. Einer der Gründer und Chef der App ist nämlich Ayman Hariri, ein libanesischer Milliardenerbe. Sein Vater Rafiq al-Hariri war zu Lebzeiten zweimal Ministerpräsident im Libanon und Gründer der Baufirma Saudi Oger. Bei dieser Baufirma, die 2017 die Geschäftstätigkeit einstellte, war auch Ayman Hariri als stellvertretender Geschäftsführer tätig. Das Unternehmen machte 2016 negative Schlagzeilen, weil es seinen Arbeitern monatelang keinen Lohn zahlte.

5. Warum kommt der Hype gerade jetzt?

Doch nicht nur der Hintergrund des Chefs lässt die App etwas dubios erscheinen. Etwas verwunderlich ist auch, warum der Hype um Vero erst jetzt losgetreten wurde, obwohl es die Anwendung schon seit 2015 gibt. Natürlich kann es sein, dass die ständigen Anpassungen des Algorithmus bei Facebook und Instagram stetig mehr Unternehmen und Influencer verärgern, die sich daraufhin nach einer Alternative umsehen. Mit seinem Versprechen, alle Posts einfach chronologisch anzuzeigen, eignet sich Vero natürlich besonders gut für Influencer, weil sie so wirklich alle ihre Follower erreichen können.

Allerdings ließ der plötzliche Aufruf vieler Influencer, Vero einmal auszuprobieren, den Verdacht einer mehr oder weniger legalen Aktion der App-Macher aufkommen. Hat Vero Influencer bezahlt, um Werbung für die App zu machen? Die Influencer, denen das vorgeworfen wurde, streiten das natürlich ab. Ob sie also aus eigener Motivation heraus zu Vero kamen oder ob da Geld geflossen ist, dürfte nur schwer herauszubekommen sein.

Allerdings könnte noch ein weiterer Faktor dafür gesorgt haben, dass Vero so plötzlich gehypt wurde – Stichwort: FOMO ("fear of missing out"). Da die App damit warb, nur für eine Million Mitglieder kostenlos zu sein, wollten viele möglichst schnell dabei sein – womöglich aus Angst, das nächste große Ding zu verpassen.

6. Was sollte ich vor der Anmeldung bedenken?

 Insgesamt wirkt Vero noch technisch unausgereift, aufgrund des Hypes gibt es zudem Server-Probleme. fullscreen
Insgesamt wirkt Vero noch technisch unausgereift, aufgrund des Hypes gibt es zudem Server-Probleme. (©TURN ON 2018)

Noch ist es also möglich, sich kostenlos bei Vero zu registrieren. Bevor Du Dir die App aber aus Apples App Store oder bei Google Play herunterlädst, solltest Du noch einige Dinge wissen. So läuft die App momentan noch nicht wirklich rund, die Suche nach Personen und Inhalten oder das Wechseln der Reiter innerhalb der App dauert mitunter sehr lange.

Zudem berichten viele Nutzer von Problemen bei der Anmeldung. Auch wir bekamen bei der Registrierung zunächst eine Fehlermeldung angezeigt. Dafür ist es übrigens nötig, eine Telefonnummer anzugeben, angeblich zur Verifizierung. Viele Nutzer finden das jedoch überflüssig. Du erhältst dann eine SMS oder einen Anruf aus Kalifornien und musst einen Code eingeben, um Dich registrieren zu können. Technisch wirkt die App jedenfalls nicht wirklich ausgereift.

Des Weiteren gibt es zu bedenken, dass jegliche geteilte Inhalte unbefristet und weltweit für Vero nutzbar bleiben. Dem stimmst Du zu, wenn Du die Nutzungsbedingungen der App akzeptierst. Auch die Abmeldung scheint nicht ohne Weiteres möglich zu sein, sondern nur unter der Angabe von Gründen. Ob es sich lohnt, diese Nachteile in Kauf zu nehmen und ob Vero nicht eine weitere Eintagsfliege ist, die von den großen Netzwerken zerquetscht wird, ist derzeit schwer zu sagen. Die Idee ist gut, ob sie auch nachhaltig wirkt, muss sich zeigen.

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