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Was ist das Darknet? 6 Fragen und Antworten zu Deep Web & Co.

Das Darknet ist nur etwas für Cyberkriminelle? Weit gefehlt!
Das Darknet ist nur etwas für Cyberkriminelle? Weit gefehlt! (©thinkstock/Igor Stevanovic 2017)

Für viele ist das Darknet ein Mysterium, von dem man besser die Finger lässt. In den Nachrichten taucht es häufig im Zusammenhang mit düsteren Machenschaften auf und ist oft mit Bildern von Kapuzen tragenden Gestalten begleitet, die im Dunkeln kryptische Zeichen in die Tastatur hämmern.

Aber ist das Darknet wirklich nur ein Netzwerk für ruchlose Hacker und Cyberkriminelle? Oder hat es abseits von diesen Gruppen eine Berechtigung? Wie komme ich ins Darknet und ist es das Gleiche wie das Deep Web? Hier sind Antworten auf die sechs brennendsten Fragen.

1. Was ist der Unterschied zwischen Darknet und Deep Web?

Die beiden Begriffe Darknet und Deep Web werden in der medialen Berichterstattung oft durcheinandergeworfen. Beim Deep Web handelt es sich um Inhalte, die im normalen Internet (auch Clearnet genannt) verfügbar sind, aber nicht von Suchmaschinen wie Google oder Bing erfasst werden. Diese Seiten können also nicht so einfach gefunden werden. Nur wer den direkten Link kennt, kann sie aufrufen. Meistens braucht es für Deep-Web-Seiten noch einen extra Login, um die Inhalte einzusehen.

Typische Beispiele für Inhalte des Deep Webs sind digitale Bibliotheksbestände, die man nur mit einer speziellen Nutzerkennung lesen kann. Medizinische Fachinformationen, Flugdaten und Produktdatenbanken sind ebenfalls oft nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und können von den Bots der Suchmaschinen nicht gelistet werden. Die Frage "Wie komme ich ins Deep Web?" lässt sich also einfach beantworten: "Mit einem direkten Zugang!"

Das Darknet hingegen ist ein Netzwerk, das unabhängig vom allgemein zugänglichen Internet funktioniert. Es ist konstruiert worden, um den Nutzern ein Höchstmaß an Anonymität zu bieten. Mit einem normalen Browser ist ein Zugang nicht möglich.

2. Ist das Darknet nur für Kriminelle interessant?

Das Darknet wurde von Menschen entwickelt, für die Privatsphäre nach wie vor ein grundlegendes Anliegen ist. Dazu gehören nicht nur solche, die sich eine freiere Drogenpolitik wünschen, sondern vor allem Kryptografie- und Datenschutz-Experten sowie alle, die sich Sorgen um ein Übermaß an Überwachung machen. Es ist leicht, in Deutschland zu behaupten, ein anonymisierter Raum im Internet sei gefährlich, aber andere Länder halten es mit der Meinungsfreiheit nicht so liberal. Aktivisten, Oppositionelle, Freiheits- und Bürgerrechtler in totalitären Staaten sind angewiesen auf Methoden und Netzwerke, mit denen sich Daten verschlüsselt übertragen und verbreiten lassen.

Wer also im Darknet in Bereichen wie Politik, Sozialwissenschaften oder Informatik recherchiert, kann hier interessante Kontakte knüpfen und viele Materialien finden. Auch für investigative Journalisten kann das Darknet Fundgrube und Rückzugsort zugleich sein. Wer hingegen Auftragskiller, Falschgeld, Kreditkartendaten oder sonstige zwielichtige Dummheiten sucht, wird eine Menge Möglichkeiten finden, seine Bitcoins an Betrüger am anderen Ende der Welt zu schicken.

3. Ist der Darknet-Zugang legal?

Rechtlich stellt es kein Problem dar, einen Anonymisierungsdienst zu verwenden und sich im Darknet umzuschauen. Auch auf Seiten, bei denen für uns illegale Substanzen angeboten werden, kann sich jeder umschauen. Erst mit tatsächlichem Handel macht man sich in Deutschland strafbar. Ob man auf Listen von Geheimdiensten oder Strafverfolgungsbehörden verschiedener Staaten landet, kann allerdings nicht ausgeschlossen werden. Solche Märkte stehen oft unter verdeckter Überwachung. Der Download von Kinderpornografie findet bereits beim Besuch entsprechender Websites statt und ist eine klar strafbare Handlung. Die Ausrede, aus Versehen oder aus Neugier auf solchen Seiten gelandet zu sein, wird niemand ernsthaft glauben.

 Der Zugang zum Darknet funktioniert nicht mit einem normalen Browser. fullscreen
Der Zugang zum Darknet funktioniert nicht mit einem normalen Browser. (©thinkstock/LagartoFilm 2017)

4. Wie kommt man ins Darknet?

Seiten im Darknet sind nicht über einen gewöhnlichen Browser, wie Firefox oder Chrome, zu erreichen. Um Zugang zum Darknet zu erhalten, muss man eine spezielle Browsersoftware herunterladen. Die bekannteste Lösung lautet Tor. Einmal heruntergeladen und gestartet, funktioniert dieser Browser wie Firefox. Mit ihm kann man die kryptischen Links mit ".onion" im Namen öffnen. Die eigene IP-Adresse leitet Tor über mehrere Serverknoten weiter, bevor man an den Zielserver gelangt. Das macht es fast unmöglich, die Identität eines Darknet-Surfers herauszufinden. Gleichzeitig geht dieser Vorgang auf Kosten der Geschwindigkeit, weshalb man für das Darknet eine Portion Geduld mitbringen muss.

5. Bin ich im Darknet wirklich anonym?

Totale Anonymität ist selbst im Darknet nicht hundertprozentig zu erreichen. Edward Snowden und Co. haben vor Jahren aufgedeckt, dass Staaten mit allen Mitteln Datenmassen über Internet- und Darknet-Nutzer sammeln. Die Herkunft eines Darknet-Nutzers herauszufinden, wird durch Tor zwar stark erschwert, ist aber nicht unmöglich. Besonders wenn man reale Personendaten verschickt, die an anderer Stelle wieder entschlüsselt werden sollen.

Viele Darknet-Nutzer vertrauen Microsoft & Co. nicht, weswegen sie auf Privatsphäre hin entwickelte Betriebssysteme, wie das auf Linux basierte TAILS ausweichen. Ein VPN kann für zusätzliche Verschleierung ebenfalls vorgeschaltet werden.

6. Welche Seiten kann ich im Darknet besuchen?

Es gibt eine Menge Inhalte im Darknet, die nichts mit kriminellen Machenschaften zu tun haben. Hier sind einige davon.

Darknet-Facebook Die dunkle Seite von Facebook? Nein, in manchen Ländern wird Facebook gesperrt, deshalb hat sich das soziale Netz eine .onion-Adresse zugelegt, die von jedem Punkt der Welt abrufbar ist. Eine Kampfansage gegen staatliche Zensur.

BlackBook ist eine der größten Communities im Darknet. Die Aufmachung ist ähnlich wie Facebook, allerdings gibt es hier keinerlei Einschränkungen, was die Inhalte angeht. Vorsicht beim Durchscrollen ist also geboten!

Torch Darknet Suchmaschine Lange Zeit hieß die Go-To Suchmaschine für das Darknet Grams. Ihr Betreiber hat diese aber kürzlich von vom Netz genommen. Eine Alternative heißt Torch und bringt ausschließlich Onion-Ergebnisse auf den Bildschirm.

Pro Publica ist eine oftmals mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Non-Profit Organisation für investigativen Journalismus. Sie ist auch eine der ersten Nachrichtenseiten mit Darknet-Präsenz.

Deep Web Radio Musik im Darknet? Dieses Webradio versorgt Darknet-Nutzer rund um die Uhr mit den verschiedensten Musikrichtungen.

IntelExchange Ein moderiertes Forum, in dem es unter anderem um Wissenschaft, Technologie und Politik geht. Und um die allerneuesten Verschwörungstheorien.

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