GoPro Hero 5 & Hero 5 Session im Test: Viele coole Features

Action-Test auf Mallorca: Wir konnten uns die GoPro Hero 5 Session und Hero 5 anschauen. Action-Test auf Mallorca: Wir konnten uns die GoPro Hero 5 Session und Hero 5 anschauen. (© 2016 TURN ON)

Nach jahrelangem Warten kommen nun mit der GoPro Hero 5 und der GoPro Hero 5 Session endlich die Nachfolger der beliebten Action-Cam aus Kalifornien. TURN ON konnte auf der Ferieninsel Mallorca bereits die Widerstandsfähigkeit der neuen Kameras einem Test unterziehen.

Dem Action-Cam-Hersteller GoPro ging es zuletzt schlecht, ein verpatzter Börsengang und Produktkopien aus Fernost machten dem Unternehmen zu schaffen. Nach langer Stille kommt nun mit der GoPro Hero 5 endlich der Nachfolger der Hero 4 auf den Markt, vor allem mit stark verbesserter Usability soll die vielseitige Cam die Marke GoPro so zu einstiger Stärke zurückführen. Auch das kleinere Modell erhält mit der GoPro Hero 5 Session ein Upgrade. Zur Produktvorstellung wurde TURN ON auf Mallorca zum Action-Test eingeladen – wir sollten uns selbst von den Stärken der neuen Produkte überzeugen.

Auf der spanischen Urlaubsinsel wurden wir mit beiden neuen Kamera-Modellen sowie jeder Menge Mounting-Zubehör ausgestattet und durften bei verschiedenen Aktivitäten testen, wie sich Bild und User Interface der neuen GoPro-Produkte machen. So konnten wir auf einer Kartbahn etwa die verbesserte Bildstabilisierung auf die Probe stellen oder beim Sprung vom Katamaran eigene Unterwasseraufnahmen machen.

GoPro Hero 5 mit 4K-Aufnahme und 12 Megapixel-Fotos

Die neue Kamera hat von den reinen Specs her nicht den Riesensprung gemacht, über den im Vorfeld spekuliert wurde: In Gerüchten zur GoPro Hero 5 war unter anderem von 8K-Aufnahmen die Rede, stattdessen liefert sie nun bis zu 4K mit 30 FPS oder 12 Megapixel Foto-Qualität. Hinzu kommt ein gegenüber dem Vorgänger nochmals verbesserter, digitaler Bildstabilisator und integriertes GPS, WLAN und Bluetooth. In Sachen Bildqualität sind viele individuelle Einstellungen möglich, unter anderem kann man die Aufnahme bei 1080p auf bis zu 120 FPS hochschrauben, was in der Postproduction tolle Zeitlupenbilder ermöglicht.

Die GoPro Hero 5 bietet zudem die Möglichkeit Fotos im RAW-Format zu speichern, was enorme Flexibilität bei der Bearbeitung bietet. Das Image Processing der Kamera ist hervorragend, so dass gerade bei wenig Licht noch immer tolle Aufnahmen herauskommen. Im Foto-Modus kann per Wide Dynamic Range (laut GoPro eine Art HDR für wackelige Situationen) jede Menge aus mittelmäßigen Lichtverhältnissen herausgeholt werden. Insgesamt gelingen mit den neuen GoPro-Kameras auch Einsteigern sehr einfach tolle Aufnahmen. Auch in Sachen Audio  rüstet die GoPro Hero 5 auf: Die Kamera wählt automatisch den besten Sound der drei eingebauten Mikrofone aus, alternativ ist nun sogar Stereo-Sound verfügbar. Wer beispielsweise mit mehreren Kameras filmt, kann das Audio-Material auch separat im RAW-Format speichern.

Bye bye Fisheye: Weitwinkel kann nun komplett abgeschaltet werden

Bei den GoPro-Kameras kann nun über die Option "Field of View" (FOV) der Action-Cam-typische Fischaugeneffekt mit der neuen Funktion "Linear" ganz abgestellt werden. Dadurch werden Hero 5 und Session 5 deutlich flexibler einsetzbar, da man das Material nun auch leichter mit anderen Bildquellen kombinieren und neben wilden Aktivitäten wie Downhill-Biking jetzt auch ruhige Panoramen sehr schön abfilmen kann. Allerdings ist der lineare Blickwinkel auf Video-Aufnahmen in 1080p beschränkt – wer in 4K filmen möchte, muss sich mit dem gebogenen Horizont der Wide- und "Super View"-Modi begnügen.

Ohne Spezialgehäuse von Bord: Hero 5 ist wasserdicht

GoPro Hero 5 Wasser.jpg
Die GoPro Hero 5 ist ohne Gehäuse bis 10 Meter Tiefe wasserdicht. (© 2016 TURN ON)

Wie schon die Session ist jetzt auch die GoPro Hero 5 ohne extra Gehäuse bis zu einer Tiefe von 10 Metern wasserdicht. Das führt zu ungewohnter Freiheit: Beim Sprung ins Meer musste ich mich wirklich kurz überwinden, die Kamera so wie sie war mitzunehmen. Tatsächlich sehen auch die Unterwasseraufnahmen mit der GoPro Hero 5 richtig gut aus. Zwar ist optional auch ein Blaufilter-Aufsatz für Tauchaufnahmen erhältlich, der die Farbdarstellung noch verbessern soll, aber auch ohne können sich die Bilder durchaus sehen lassen.

Neues UI verbessert Bedienung erheblich

Die meisten Verbesserungen zum Vorgänger bietet das User Interface der GoPro Hero 5: Das Gerät übernimmt zum einen die vereinfachte 1-Knopf-Steuerung der GoPro Session, zum anderen wurde mit Sprachsteuerung ein sehr nützliches neues Feature hinzugefügt. Gerade wer die Kamera in ihrer natürlichen Action-Sports-Umgebung einsetzt, kann die Hände nun an Lenker, Steuerrad oder Steinvorsprung lassen und trotzdem die Aufnahme starten, stoppen oder Fotos machen. Die GoPro setzt sogar per Sprachbefehl Marker, damit Highlights später bei der Videobearbeitung besser wiederzufinden sind, hierzu genügt beispielsweise der Ausruf "Oh Shit".

Praktisch: Unabhängig vom Menü kann die Steuerung auf Wunsch in einer anderen Sprache vorgenommen werden – im Test stellte sich nämlich schnell heraus, dass "GoPro, shoot Burst!" schneller von den Lippen ging als "GoPro, Serienaufnahme starten!". Die Spracherkennung funktioniert recht gut, auch beim Test während einer Roller-Tour auf den Straßen von Mallorca wurden die Befehle fast immer erkannt. Muss man sich noch weiter vom Gerät entfernen, kann man mit "Remo" eine wasserdichte Fernbedienung zukaufen, welche die Kamera sowohl per Stimme als auch per Knopfdruck steuert. Hierfür sind allerdings stolze 89 Euro fällig.

GoPro Hero 5 Foto 1.jpg
Mit der GoPro Hero 5 fotografiert. (© 2016 TURN ON)
GoPro Hero 5 Foto 2.jpg
Schöne Bilder gelingen auch im Vorbeigehen. (© 2016 TURN ON)
GoPro Hero 5 Foto 3.jpg
Auch bei Gegenlicht sehen die Fotos gut aus. (© 2016 TURN ON)
GoPro Hero 5 Foto 4.jpg
Selbst bei schwierigem Licht wird die Atmosphäre gut eingefangen. (© 2016 TURN ON)
GoPro Hero 5 Foto 6 Karma.jpg
Fotografiert mit der GoPro Hero 5: Karma. (© 2016 TURN ON)

Besser als bei der Hero 4 Silver: Das Touch-Display

Wer sich bereits mit dem Touchscreen der Hero 4 herumgeschlagen hat weiß, dass das Zwei-Zoll-Display zwar sehr praktisch zur Ansicht der Aufnahmen ist, die Touch-Steuerung aber seine Tücken hat. Bei der GoPro Hero 5 wurde hier zum Glück stark nachgebessert, auch das UI bietet intuitivere Kontrolle über die Funktionen. Wer jedoch auf die Genauigkeit eines Smartphone-Displays hofft, sollte seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Gerade bei nassem Display muss man manchmal schon mehrfach wischen und tappen, um ans Ziel zu gelangen. Im Dunkeln fiel darüber hinaus ein leichtes LED-Bleeding an den Bildschirmkanten auf.

Digitaler Bildstabilisator wurde weiter verbessert

Bei einigen Runden auf der E-Kart-Bahn konnten wir vor allem die digitale Bildstabilisierung der GoPro Hero 5 und der GoPro Hero 5 Session auf die Probe stellen. Diese wurde vom anwesenden Team als deutlich verbessert angepriesen und hilft, verwackelte Aufnahmen zu vermeiden. Im normalen Gebrauch ist tatsächlich ein großer Unterschied zu sehen, bei fester Montage auf meinem E-Kart wurde die Funktion allerdings hart an ihre Grenzen geführt. Dem ersten Eindruck nach sind gute Smartphones hier aktuell noch etwas besser ausgestattet. Wer es wirklich wackelfrei mag, kann die GoPro-Kameras mit dem ab Ende Oktober optional erhältlichen Karma Grip kombinieren. Dieser Gimbal ist sogar mit den GoPro-typischen Mounts kompatibel und bietet wirklich erstklassige Videostabilisierung – für solide 329 Euro. Wer sich für die ebenfalls vorgestellte faltbare Karma Drohne entscheidet (869 Euro), bekommt den Grip immerhin mit dazu, da der Gimbal gleichzeitig als Halterung für die GoPro-Kamera dient.

GoPro Karma Grip.jpg
Der GoPro Karma Grip kann unabhängig von der Karma-Drohne erworben werden. (© 2016 TURN ON)

Neue Gratis-Software und Cloud-Service

Neben der Hardware hat GoPro sein Programm auch an der Software-Front erneuert: Die Capture-App gibt iOS- und Android-Geräten Vollzugriff auf Funktionen und Live-Vorschau, Aufnahmen lassen sich direkt downloaden und teilen. Mit der neuen Quik-App lassen sich in wenigen Minuten emotionale Videos zusammenschneiden. Die App bietet zwar nur eingeschränkte Möglichkeiten, schneidet aber nach Wunsch unkompliziert Videos und Fotos im Rhythmus auswählbarer Musik zusammen und bezieht dabei auch gesetzte Highlight-Punkte mit ein. Auch ungeübte User können so im Handumdrehen ein schönes Video ihrer Erlebnisse erstellen und teilen. Quik ist wie das umfangreichere GoPro Studio auch als Desktop-App erhältlich, sodass man sich bei Bedarf von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung im GoPro-Ökosystem bewegen kann. Erweitert bietet das Unternehmen demnächst auch einen kostenpflichtigen Cloud-Service namens GoPro Plus an, die Kameras laden das Material automatisch hoch (nein, nicht in 4K) und Abonnenten erhalten bei der Bearbeitung Zugriff auf eine erweiterte Soundtrack-Bibliothek.

GoPro-Portfolio besteht jetzt aus drei Kameras

GoPro Session 5.jpg
Die GoPro Session 5 ist deutlich stärker als ihr Vorgängermodell. (© 2016 TURN ON)

Im Produktprogramm von GoPro steht die Hero 5 Black nun an oberster Stelle und wird 429 Euro kosten. Als günstigere Alternative ist die ebenfalls neue GoPro Hero 5 Session für 329 Euro erhältlich, welche jedoch grundsätzlich die gleichen Specs wie ihre große Schwester bietet. Lediglich das fehlende Display und ein fest verbauter Akku schränken die Features etwas ein, Fotos nimmt die GoPro Hero 5 Session zudem mit lediglich 10 Megapixeln auf. Wer es kompakt mag, kann also ohne große Einschränkungen zum kleineren Modell greifen. Für die Voransicht der Aufnahmen ist aber zumindest ein Smartphone nötig. Ebenfalls bleibt die bereits bekannte GoPro Session für 229 Euro dem Portfolio erhalten und wird als einziges Vorgängermodell auch weiterhin hergestellt.