Hua-wer? Das Huawei Ascend Mate 7 aus China im Test

Spätestens seit dem iPhone 6 Plus gelten Phablets als etablierte Produktkategorie. Und in genau dieser spielt das Huawei Ascend Mate 7 mit. Das 6-Zoll-Smartphone kommt aus China und besticht durch seinen günstigen Preis. Ob es aber auch technisch mit den Modellen bekannterer Marken mithalten kann, haben wir im Test unter die Lupe genommen.

Huawei Ascend Mate 7: Woher kommt der Name?

Der Phablet-Markt wächst, Smartphones mit extrem großen Displays erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Denn natürlich hat ein Riesen-Screen mehr Potenzial, mit Full HD- oder sogar QHD-Inhalten zu beeindrucken. Wer unterwegs viele Videos schaut, greift daher häufig zur Zwischenform aus Smartphone und Tablet. Begehrt sind etwa Modelle wie das Samsung Galaxy Note 4, das Google Nexus 6 oder auch Apples iPhone 6 Plus.

Das chinesische Unternehmen Huawei gilt zwar als größter Kommunikationsausrüster der Welt, hierzulande ist die Marke dennoch nur wenigen als Hersteller von Smartphones ein Begriff. Das war lange Zeit auch nicht weiter dramatisch, verkaufte die Firma doch vorwiegend Low-Budget-Smartphones im Plastikgewand. Beim Huawei Ascend Mate 7 ist davon keine Rede mehr. Das Phablet kommt mit High-End-Technik im schicken Vollmetallgehäuse daher. Nur warum das Modell Mate 7 heißt, bleibt ein Rätsel. Schließlich misst der Bildschirm keine 7 Zoll und um die siebte Generation handelt es sich auch nicht. Zuletzt gab es das Ascend Mate 2.

Design und Handling: Riesen-Screen im schlanken Gehäuse

Auch mit seiner 6-Zoll-Display-Diagonale ist das Huawei Ascend Mate 7 ein echter Smartphone-Gigant. Die Bedienung mit einer Hand dürfte den meisten daher ebenso schwer fallen wie beim geringfügig kleineren Nexus 6. Der Power-Knopf und die Lautstärketasten sind aber gut zu erreichen, sie liegen direkt übereinander auf der rechten Gehäuseseite. Ansonsten besitzt das Gerät nur On-Screen-Tasten. Einen anderen Weg als Apple und Samsung geht Huawei beim Fingerabdrucksensor. Dieser ist nicht in den Home-Button auf der Vorderseite integriert, sondern unter der Kamera auf der Gehäuserückseite angebracht. Die Stelle ist mit dem Zeigefinger zwar gut zu erreichen. Allerdings muss das Ascend Mate 7 dafür immer in die Hand genommen werden, während sich die Fingerabdruckscanner bei iPhone- oder Galaxy-Modellen auch bedienen lassen, wenn sie auf dem Tisch liegen.

Huawei Ascend Mate 7
Das Huawei Ascend Mate 7 ist mit nur 7,9 Millimetern schön dünn. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7
Trotz Riesen-Display passt es besser in die Jackentasche als das Nexus 6. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7
Das Gehäuse sieht gut aus, insbesondere in der Moonlight-Silver-Variante. (© 2015 TURN ON)

Was aber weder iPhone noch Galaxy Note 4 und Co. bieten, ist eine so bildschirmdominierte Vorderseite. Laut Huawei nimmt der Screen 83 Prozent der Oberfläche ein, die Ränder sind auffallend schmal. Dadurch bietet das Ascend Mate 7 trotz Riesen-Display noch annehmbare Abmessungen und passt besser in die eine oder andere Jackentasche als das Nexus 6. Zudem ist das Phablet mit nur 7,9 Millimetern schön dünn. Das Gehäuse aus Aluminium sieht gut aus, insbesondere in der getesteten Moonlight-Silver-Variante erinnert die Rückseite an das HTC One M8. Alternativ bietet Huawei sein Phablet in Obsidian Black an. In beiden Fällen wirkt das Smartphone hochwertig, leider ist das Metall aber etwas kratzanfällig.

Display: Wie gemacht für Fotos und Videos

Am Bildschirm des Huawei Ascend Mate 7 gibt es wenig zu meckern. Der Screen löst mit 1920 x 1080 Pixeln in Full HD auf und stellt Inhalte gestochen scharf dar. Zwar bieten Nexus 6 und iPhone 6 Plus eine höhere Pixeldichte. Aber auch die 367 ppi des Huawei-Phablets reichen aus, um keine einzelnen Punkte mehr ausmachen zu können. Helligkeit und Farbwiedergabe überzeugen ebenfalls, nur der Kontrast könnte etwas stärker sein. Dafür beweist das Display eine hohe Blickwinkelstabilität und lässt sich auch von der Seite noch gut ablesen.

Hardware und Ausstattung: Huawei geht eigene Wege

Wer meint, das Ascend Mate 7 könne sich aufgrund seines günstigen Preises nicht mit iPhone, Galaxy Note und Co. messen, wird schon beim Blick aufs Datenblatt eines Besseren belehrt. Im Inneren des Phablets arbeitet zwar kein bekannter Markenprozessor. Die Eigenentwicklung von Huawei, der HiSilicon Kirin 925, bietet aber ebenfalls acht Kerne, von denen vier mit 1,8 und vier mit 1,3 GHz getaktet sind. Unterstützt werden sie von 2 GB RAM. Damit performt das Phablet gut, alle getesten Anwendungen starteten flott und liefen flüssig. Der interne Speicher fasst 16 GB und kann per Micro-SD-Karte kostengünstig um bis zu 128 GB erweitert werden. Cat. 6 LTE, NFC, Bluetooth 4.0 und der Fingerabdrucksensor runden das Ausstattungspaket ab. Vermissen lässt das Ascend Mate 7 allerdings die bei anderen Smartphones verbreiteten Fitnesssensoren und -funktionen.

Die Rückseite des China-Phablets beherbergt eine 13-Megapixel-Kamera mit rückwärtig belichtetem Bildsensor und einen LED-Blitz, der auch als Videolicht oder Taschenlampe verwendet werden kann. Die Frontkamera löst mit 5 Megapixeln auf und taugt für Selfies. Bei schwachem Licht lässt die Qualität aber schnell nach und das Bildrauschen nimmt zu. Die Hauptkamera schießt vernünftige Fotos und bringt nützliche Funktionen wie einen HDR-Modus mit. Dieser lässt die Farben allerdings etwas verblassen. Dafür ist auch der Bildvordergrund bei hellem Hintergrund gut zu erkennen.

Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
Die Hauptkamera des Ascend Mate 7 löst mit 13 Megapixeln auf. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
Sie schießt scharfe Bilder... (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
... mit kräftigen Farben. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
Auch mit der Tiefenschärfe lässt sich spielen. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
Bei nachlassendem Licht kann der HDR-Modus helfen, allerdings... (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
... lässt er die Farben deutlich verblassen. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Hauptkamera
Insgesamt ist die Bildqualität ordentlich. (© 2015 TURN ON)

Eigene Wege geht Huawei aber nicht nur beim Prozessor. Auch die Benutzeroberfläche unterscheidet sich deutlich von dem, was die meisten Android-Nutzer kennen. Die Version 4.4.2 KitKat von Googles OS kombiniert der chinesische Hersteller mit dem eigenen UI namens Emotion 3.0. Ein Unterschied zu bekannten Android-Oberflächen ist beispielsweise, dass es keinen App Drawer mehr gibt, der alle installierten Anwendungen aufführt. Stattdessen werden alle Apps auf den Homescreens abgelegt. Dafür bietet Emotion 3.0 zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten.

Das UI bringt verschiedene Designs mit und bietet dem Nutzer viel Gestaltungsspielraum. Optisch erinnert die Oberfläche in Teilen sogar mehr an iOS als an Android – etwa bei der Timeline oder den eher runden Icons. Kritiker werfen Huawei das Mitliefern von reichlich Bloatware vor. Allerdings befinden sich auch nützliche Tools darunter, zum Beispiel den Telefonmanager, der hilft, Performance und Akkulaufzeit zu optimieren.

Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Alle Apps kommen beim Ascend Mate 7 auf den Homescreens unter. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Das Emotion-UI bietet verschiedene Designs. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Diese verändern auch die an iOS erinnernden Icons. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Per Wisch vom oberen Rand nach unten öffnet sich ein Menü mit Verknüpfungen... (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
... und einer Timeline mit Benachrichtigungen. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Das Mate 7 bringt zahlreiche Bloatware, ... (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
... aber auch nützliche Programme mit. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7 Screenshot
Der Telefonmanager beispielsweise optimiert das Handy per Fingertipp. (© 2015 TURN ON)

Akkuleistung: Absolut vorbildliches Durchhaltevermögen

Wer diese Scans mit dem Telefonmanager regelmäßig durchführt, sollte auch keine Probleme mit der Akkulaufzeit des Ascend Mate 7 bekommen. Das Phablet besitzt einen großen 4100-mAh-Akku und hängt die Konkurrenz in Sachen Durchhaltevermögen problemlos ab. Zwar dauert es auch mehr als drei Stunden, bis der Akku voll geladen ist. Dafür hält er dann auch rund zehn Stunden Dauertelefonie durch. Im Test war das Huawei-Modell bei gelegentlicher Nutzung auch nach mehreren Tagen noch mehr als halb voll – und das trotz des Riesen-Screens.

Preis-Leistung: Kann viel, kostet wenig

Ein gutes Kaufargument für das Huawei Ascend Mate 7 ist sein Preis. Die UVP zum Marktstart im Herbst 2014 lag bei 499 Euro, mittlerweile ist es noch deutlich günstiger zu haben. Zum Vergleich: Das im September gestartete iPhone 6 Plus kostet in der kleinsten Speichervariante 799 Euro, das Nexus 6 schlägt mit immerhin 649 Euro zu Buche. Der Preis des Huawei-Modells lässt die Konkurrenz also ganz schön alt aussehen. Und dabei müssen Käufer des China-Phablets nicht einmal bedeutende Abstriche machen.

Huawei Ascend Mate 7
Die Benutzeroberfläche des Ascend Mate 7 erinnert an iOS. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7
Videos stellt das Phablet knackig scharf dar. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7
Das UI bringt verschiedene Designs mit und bietet dem Nutzer viel Gestaltungsspielraum. (© 2015 TURN ON)
Huawei Ascend Mate 7
Power-Knopf und Lautstärketasten liegen an der Seite und sind gut zu erreichen. (© 2015 TURN ON)

Fazit: Warum nicht mal Neues wagen?

Huawei hat sich ganz schön gemausert. Das Label, unter dem einst Low-Budget-Technik zu finden war, ist mittlerweile in der mobilen Oberklasse angekommen. Das Ascend Mate 7 performt gut, hält lange durch – und ist auch noch günstig. Wer also keinen Wert auf Marken oder ein reines Android-System legt, findet im Huawei-Phablet eine gute Alternative zum iPhone 6 Plus oder Google Nexus 6. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Benutzeroberfläche. Aber wer offen für Neues ist, kann auch damit glücklich werden. Kleiner Wermutstropfen: Es ist immer noch nicht bekannt, ob und wann das Lollipop-Update für das Ascend Mate 7 kommt. Und nicht zuletzt sollten sich Interessenten die Frage stellen, ob sie mit einem solch riesigen Smartphone auch umgehen können – und wollen.