Jawbone Up2 im Test: Aufraffen für Anfänger

Der Sommer naht, der Strand ruft – und unzählige Fitness-Tracker warten darauf, umgeschnallt zu werden. Fitbit, Garmin, Jawbone und Co. buhlen um die Gunst der Sport-Freunde sowie derer, die es werden wollen. So auch das Up2, Nachfolger des beliebten Up24-Armbands. Ob sich die Investition in das smarte Wearable lohnt, klärt unser Test.

Up, Up24, Up3, Up2, Up4 – verloren im Jawbone-Modellchaos

Es ist wirklich nicht so einfach, auf dem Markt für Fitness-Tracker den Überblick zu behalten. Und selbst wenn man sich bereits für eine Marke entschieden hat, kann die Auswahl eines Modells noch Schwierigkeiten bereiten. Das zeigt etwa der Fall Jawbone. Das noch vergleichsweise junge Unternehmen hat bereits eine Vielzahl von Fitnessarmbändern auf den Markt gebracht – oder es zumindest versucht. Denn auf das Jawbone Up3, das lange vor dem Up2 vorgestellt wurde, warten Vorbesteller nun schon länger als sechs Monate.

Beim Up2 soll es deutlich schneller gehen. Obwohl erst Mitte April 2015 offiziell vorgestellt, halten wir das Testgerät aus den USA bereits Anfang Mai in den Händen. Das Jawbone Up2 ist im Line-up unterhalb des Up3 angesiedelt, denn es bringt weniger Sensoren mit. Es folgt auf das beliebte Up24, fällt aber noch einmal spürbar kleiner und leichter aus. Sogar der Preis ist gesunken: Lag die UVP des Up24 in Deutschland noch bei 149,99 Euro, startet das Up2 in den USA mit einem Preis von 99 Dollar. Die UVP für Deutschland ist derzeit noch nicht bekannt.

Unboxing: Das kann das Jawbone Up2

Die Verpackung verrät bereits, was das Jawbone Up2 können soll. Im Rahmen des Activity-Trackings werden Schritte gezählt, die zurückgelegte Distanz ermittelt, Workouts und deren Intensität erfasst sowie die verbrannten Kalorien errechnet. Der Schlaf soll mitgeloggt und die Qualität ausgewertet werden. Und wer möchte, kann mit Hilfe der Up-App auch Mahlzeiten sowie Wasserzufuhr hinterlegen und aufgenommene Kalorien zählen. Analyse und Handlungsanreize kommen dann vom Smart Coach auf dem Smartphone. Dieses muss mindestens Android 4.3 aufweisen und über Bluetooth Smart Ready verfügen, um mit dem Up2 kommunizieren zu können. Mit iPhones ab der Generation 4s, iPads ab der dritten und iPod touch-Modellen ab der fünften Generation spricht das Armband aber auch.

Im Lieferumfang ist neben dem Armband lediglich ein kurzes USB-Ladekabel enthalten. Eine Kurzanleitung gibt es nicht, stattdessen nur einen Hinweis auf die Up-App. Darüber wird das Armband – sofern es aufgeladen ist – eingerichtet und in Betrieb genommen. Die App gibt es kostenlos für Android und für iOS. Wichtig: die lilafarbene App herunterladen, die blaue ist nämlich nicht mit dem Up2 kompatibel.

Design und Handling: Kleiner, leichter, flexibler

Im Gegensatz zum Vorgängermodell ist das Jawbone Up2 weniger ein Fashion-Accessoire und dafür deutlicher als Fitness-Tracker zu erkennen. Das Design stammt von Yves Behar und ist an das Up3 angelehnt – insbesondere die Elektronikeinheit mit ihrem Kreuzmuster erinnert an das Topmodell von Jawbone. Der Up24-Nachfolger besitzt jetzt ein flexibleres Armband und eine kleine Schnalle zum sicheren Anlegen. Das mag der eine oder andere vielleicht als etwas fummelig empfinden. Allerdings sitzt das Up2 so bequem am Handgelenk, dass es quasi nicht mehr abgenommen werden muss. Laut Hersteller ist es spritzwassergeschützt und duschen mit dem Armband demzufolge möglich. Zum Schwimmen sollte es jedoch abgenommen werden.

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Das Jawbone Up2 sieht dem Up3 ähnlicher als seinem Vorgänger. (© 2015 TURN ON)
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Der Tracker soll hauptsächlich die Aktivität und den Schlaf erfassen. (© 2015 TURN ON)
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Im Vergleich zum Vorgänger ist das Up2 kleiner, leichter und flexibler. (© 2015 TURN ON)
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Das Aluminiumgehäuse ziert ein Kreuzmuster. (© 2015 TURN ON)
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Mit im Lieferumfang: ein recht kurzes USB-Ladekabel. (© 2015 TURN ON)
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Laut Hersteller ist das Armband spritzwassergeschützt, aber nicht wasserdicht. (© 2015 TURN ON)

Worauf Jawbone ebenfalls stolz ist: Das Up2 fällt 45 Prozent kleiner aus als das Up24 und ist noch einmal spürbar leichter geworden. Das kommt dem Tragekomfort wirklich zugute. Bereits kurz nach dem Anlegen ist der Fitness-Tracker am Arm vergessen. Auch beim Schlafen stört das Wearable nicht.

Hardware und Ausstattung: Basis-Tracker ohne Display

Herzstück des Jawbone Up2 ist seine Elektronikeinheit im schützenden Aluminiumgehäuse. Hier sitzt der Beschleunigungsmesser, der die Grundlage für die Erfassung der Fitnessdaten bildet. Um diese an die Up-App zu kommunizieren, ist der Tracker mit Bluetooth Smart ausgestattet. Damit soll eine möglichst energiesparende Datenübertragung möglich sein, sodass der Smartphone-Akku nicht zusätzlich stark belastet wird.

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Das Up2 besitzt kein Display, stattdessen nur drei LEDs mit Symbolen. (© 2015 TURN ON)
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Herzstück ist die Elektronikeinheit mit Bewegungsmesser. (© 2015 TURN ON)
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An ihrer Rückseite sitzen die Ladekontakte. (© 2015 TURN ON)

Nicht mit an Bord ist hingegen ein klassisches Display. Statt einer Anzeige, die etwa über die zurückgelegten Schritte informiert, sitzen nur drei LEDs mit kleinen Symbolen unter dem Alu-Gehäuse. Sie blinken bei Benachrichtigungen des Smart Coaches oder beim Wechsel vom aktiven in den Schlafmodus sowie umgekehrt kurz auf. Zusätzlich vibriert das Armband dabei.

Funktionen: Grundlegendes Tracken und smartes Wecken

Das Loslegen mit dem Jawbone Up2 ist ganz einfach – anders als etwa beim Razer Nabu X, das gleich zwei Apps zum Einrichten und Verwalten benötigt. Fitness-Tracker laden, App installieren, Smartphone mit dem Wearable verbinden, und los geht's. Der Tracker zählt die Schritte des Trägers kontinuierlich und synchronisiert die Daten automatisch mit dem Handy, wenn es sich gerade in Bluetooth-Reichweite befindet. Das funktioniert zuverlässig und geht auch schneller als beispielsweise bei der Withings Activité Pop, bei der man auf die Daten und deren Auswertung mitunter einige Minuten warten muss.

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Zur Inbetriebnahme ist die Up-App nötig. (© 2015 TURN ON)
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Sie ist einfach zu bedienen und gibt in den ersten Tagen viele Tipps. (© 2015 TURN ON)
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Im Menü findest Du Übersichten und Einstellungsmöglichkeiten. (© 2015 TURN ON)
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Hier lassen sich etwa tägliche Ziele festlegen... (© 2015 TURN ON)
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... und Trends erkennen. (© 2015 TURN ON)

Wer die Up-App aufruft, erhält auf den ersten Blick eine Übersicht über den Fortschritt der Tagesziele, die in den Einstellungen individuell festgelegt werden können. Standardmäßig empfiehlt die Anwendung 10.000 Schritte und acht Stunden Schlaf pro Tag. Ein Balken in der App zeigt dann an, wie viel der Up2-Besitzer in der letzten Nacht geschlafen hat, ein weiterer gibt Auskunft über die Schritte. Wer darüber hinaus sein Essen manuell protokolliert, findet hier einen weiteren Balken mit einem sogenannten Food Score. Ein Tipp auf einen der Balken öffnet eine detailliertere Ansicht mit einer Aufschlüsselung der Messdaten. Darüber hinaus gibt die App Tipps, Aufgaben und Motivationsanreize. Wer möchte, kann sich mit Freunden über die App verbinden oder erreichte Ziele in sozialen Netzwerken teilen. Ein weiterer Vorteil der Jawbone-Systems: Es ist für viele Drittanbieter-Apps offen und kann zum Beispiel MyFitnessPal, RunKeeper oder IFTTT integrieren.

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Auf der Startseite gibt die App einen Überblick über den Stand der Tagesziele. (© 2015 TURN ON)
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Per Tipp auf einen Balken gelangst Du zur detaillierteren Auswertung. (© 2015 TURN ON)
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So erhältst Du einen Eindruck von der Qualität Deines Schlafs. (© 2015 TURN ON)
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Wer will, kann auch seine Mahlzeiten manuell hinzufügen... (© 2015 TURN ON)
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... oder Freunde einladen. (© 2015 TURN ON)
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Auch die Integration von Drittanbieter-Apps ist möglich. (© 2015 TURN ON)

Der Schrittzähler des Jawbone Up2 arbeitet zuverlässig und lässt sich nicht allzu leicht manipulieren (etwa durch Schütteln des Handgelenks). Da das Einstiegsmodell aber nicht in der Lage ist, den Puls des Trägers zu messen, bleibt der Nutzen für Sportler gering. Immerhin erkennt der Fitness-Tracker Änderungen in der Geschwindigkeit und fragt den Nutzer im Anschluss, ob er sportlich aktiv war. Dann lassen sich Workouts manuell nachtragen. Dafür schlägt die App einige Sportarten vor, zum Beispiel Radfahren, Yoga oder Schwimmen. Ist die Aktivität nicht dabei, können immerhin Dauer und Intensität nachgetragen werden. Diese Daten dienen dann als Basis für die Berechnung der verbrannten Kalorien. Hier gilt wie bei allen einfachen Fitness-Trackern: Dieser Wert ist nur als grober Richtwert anzusehen, für genaue Angaben fehlen der App wichtige Infos.

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Nach dem erfolgreichen Workout in bester Laune? (© 2015 TURN ON)
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Oder total erschöpft? Auch das kannst Du in der App hinterlegen. (© 2015 TURN ON)
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War ein Hinweis des Smart Coaches wenig hilfreich, teile es Jawbone mit. (© 2015 TURN ON)
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Erkennt das Up2 eine veränderte Geschwindigkeit, fragt es hinterher nach Sportart und Intensität. (© 2015 TURN ON)
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Praktisch: die "Smart Alarm"-Funktion. (© 2015 TURN ON)

Außer sportlichen Aktivitäten soll das Jawbone Up2 auch den Schlaf des Trägers tracken. Dazu muss das Armband allerdings manuell in den Schlafmodus geschickt werden – entweder via App oder durch eine nicht immer zuverlässig erkannte Tipp-Kombi auf dem Armband (zweimal kurz, dann einmal lang). Anhand der Bewegungen im Schlaf erkennt das Wearable Phasen leichten und tiefen Schlafs sowie Zeiträume, in denen der Nutzer wach war. Einen wirklichen Mehrwert im Vergleich zu anderen Fitness-Trackern bietet die "Smart Alarm"-Funktion. Diese versucht, den Träger des Up2 so zu wecken, dass ihm das Aufstehen leichter fällt. Dazu einfach die späteste Weckzeit und den Spielraum für die App einstellen. Dann weckt das Armband etwa 10, 20 oder 30 Minuten vor der eingestellten Zeit per sanfter Vibration am Handgelenk.

Akkulaufzeit: Entspanntes Laden nach sieben Tagen

Beim Thema Akkulaufzeit ist es ein Vorteil, dass das Jawbone-Modell kein Display besitzt. Sieben Tage hält das Up2 mit einer Batterieladung problemlos durch, nach fünf Testtagen sagte die App noch eine ungefähre Laufzeit von vier Tagen voraus. Das ist natürlich kein Vergleich zu Trackern mit Knopfzelle, die mehrere Monate am Stück laufen. Dafür ist das Aufladen des Up2 per USB-Kabel quasi kostenlos – und dauert nur etwa anderthalb Stunden. Etwas unpraktisch kann das extrem kurze USB-Ladekabel sein. Da Magnete das Andocken des Trackers nur in eine Richtung erlauben, muss ein Laptop etwa an der Tischkante stehen, wenn er das Armband mit Strom versorgen soll.

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Nach etwa einer Woche muss das Up2 geladen werden. (© 2015 TURN ON)
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Magnete stellen die Verbindung zwischen Armband- und Kabel her. (© 2015 TURN ON)
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Das macht das Aufladen per Laptop allerdings etwas umständlich. (© 2015 TURN ON)

Fazit: Idealer Fitness-Tracker für Einsteiger

Ist das Jawbone Up2 also ein würdiger Nachfolger des Up24? Definitiv. Der Fitness-Tracker ist kleiner, leichter und komfortabler, aber dennoch günstiger geworden. Mit seiner UVP von 99 Dollar dürfte er wohl ähnlich gut ankommen wie der Jawbone-Topseller, den er Mitte 2015 ablöst. Und davon, dass der Vorgänger so gut ankam, können auch Up2-Käufer profitieren. Das Fitnessarmband an sich bietet zwar nur Basisfunktionen – diese wirken aber immerhin durchdacht und ausgereift. Die Up-App zählt auf jeden Fall mit zu den besten Begleitanwendungen auf dem Markt und ist darüber hinaus für Drittanbieter-Apps offen. Jawbone bietet eine große Community und eine wirklich einfache Handhabung. In dieser Hinsicht können Konkurrenzmodelle von Razer, Epson oder Withings noch nicht mithalten.

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Das Jawbone Up2 ist ideal für Sportanfänger. (© 2015 TURN ON)

Für Sportler, die sich detailliertere Informationen über ihren Fitnesszustand erhoffen, ist das Up2 allerdings nicht geeignet. Sie sollten auf das Jawbone Up3 warten oder zu einer Alternative mit kontinuierlicher Pulsmessung greifen.