LG G Watch R im Test: Klobiger Schlaumeier fürs Handgelenk

Smartwatches an sich sind keine neue Erfindung. Mit der LG G Watch R betreten die Koreaner dennoch Neuland. Wir haben uns den runden Bruder der LG G Watch in einem Test einmal genauer angeschaut und mussten feststellen: Mehr als ein interessantes Spielzeug für Technikbegeisterte sind Smartwatches aktuell noch nicht.

LG G Watch und G Watch R: Zwei ungleiche Brüder

Eigentlich will die LG G Watch R nicht als Nachfolger der LG G Watch verstanden werden. Denn mit dem Marktstart der runden Smartwatch im November 2014 verschwindet die eckige Version nicht vom Markt. Allerdings hat der Hersteller LG dazugelernt und bringt das neue Modell mit kleinen, aber feinen Verbesserungen in den Handel. Während die G Watch noch eine technische Demonstration einer Android Wear-Smartwatch war, kommt bei der neuen G Watch R ein weiteres wichtiges Kriterium hinzu: das Design.

LG G Watch R
Die runde LG G Watch R bietet eine Auswahl aus 24 verschiedenen Zifferblättern. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Beim Foto-Hintergrund wechselt das angezeigte Bild bei jeder Berührung. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Viele klassische Motive erinnern an eine Herrenarmbanduhr. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Als Kontrast stehen aber auch poppigere Motive zur Auswahl. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Statt mit Zeigern wird die Zeit hier mit digitalen Ziffern dargestellt. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Dieses Zifferblatt zeigt Zeiger und Zahlen an. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Ungewöhnlich wirkt auch das "Planetary"-Motiv. (© 2014 TURN ON)

Design und Handling: Smartwatch im Stil einer klassischen Herrenuhr

Auf den ersten Blick erscheint die LG G Watch R gar nicht so smart. Weil sie rund ist, sieht die Smartwatch aus wie eine klassische Armbanduhr – allerdings vorwiegend für Männer, denn das Modell fällt ganz schön klobig aus. Menschen mit schmalen Handgelenken sollten die Uhr vor dem Kauf unbedingt anprobieren. Schwer ist sie zum Glück nicht, mechanische Armbanduhren aus Stahl bringen teilweise deutlich mehr Gewicht auf die Waage. Die LG G Watch R kommt mit einem schwarz lackierten Gehäuse aus Aluminium, einer nicht drehbaren Lünette im Stil einer Sportuhr und einem schwarzen Lederarmband. Das wirkt zunächst recht steif, wird mit zunehmender Tragedauer aber angenehmer. Da LG hier auf die Standardbreite von 22 Millimetern setzt, kann das Armband gegen jedes beliebige mit gleicher Breite getauscht werden.

LG G Watch R
Das runde Gehäuse ist nicht nur groß, sondern auch vergleichsweise dick. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Dennoch ist die LG G Watch R nicht schwer und nach kurzer Eingewöhnung angenehm zu tragen. (© 2014 TURN ON)

Per Druck auf die Krone, den einzigen physischen Bedienknopf der Uhr, schaltet sich die G Watch R an. Ein kurzer Knopfdruck schickt die Smartwatch zudem in den Stand-By oder weckt sie wieder auf. Das erledigt sie aber auch von selbst, wenn man das Handgelenk schüttelt. Die weitere Bedienung der intelligenten Uhr erfolgt über das 1,3 Zoll messende Touch-Display oder per Sprachsteuerung "OK Google". Das funktionierte in unserem Test gut, solange wir einfache Befehle aussprachen. Längere Anweisungen versteht die Uhr nicht immer. Kurze Sprechpausen werden schnell als Ende des Befehls aufgefasst.

Eine runde Sache: Das 1,3-Zoll-Display mit OLED-Technologie

Der größte Unterschied zwischen LG G Watch und G Watch R ist die Displayform. Die neuere Smartwatch verfügt als erste ihrer Art über ein vollständig rundes OLED-Display. Bei der ähnlich geformten Motorola Moto 360 ist die Anzeige am unteren Rand zugunsten des Umgebungslichtsensors leicht abgeschnitten. Der Bildschirm der LG G Watch R misst 1,3 Zoll in der Diagonalen und löst mit 320 x 320 Pixeln auf. Während die Frage, ob eckig oder rund, eher Geschmackssache ist, stellt die neue Anzeigetechnik eine sinnvolle Verbesserung gegenüber der G Watch dar. Denn beim LCD der G Watch war eine dauerhafte Hintergrundbeleuchtung nötig, um die Uhrzeit ablesen zu können. Beim OLED-Display der G Watch R können einzelne Pixel und damit beispielsweise nur die Uhrzeiger beleuchtet werden. Der Hintergrund bleibt schwarz, was den Akku schont.

LG G Watch R
Der Hintergrund ist nicht beleuchtet und daher tiefschwarz. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Nach kurzer Zeit schaltet die Uhr in einen Energiesparmodus. (© 2014 TURN ON)

Etwas stört dann aber doch am runden Display: Die angezeigten Nachrichten, Wetterprognosen und Co. sind auf ein eckiges Design ausgelegt. So kommt es immer wieder vor, dass Buchstaben oder Wörter abgeschnitten werden. Um die Informationen vollständig lesen zu können, muss weitergescrollt werden.

Hardware und Ausstattung: Was kann ich mit der LG G Watch R anfangen?

Im Inneren der runden Smartwatch sitzt ein mit 1,2 GHz getakteter Snapdragon-400-Prozessor, der von 512 MB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Im Test hinterlässt die Uhr einen flotten Eindruck, wirklich anspruchsvolle Anwendungen hat sie aber auch nicht zu bewältigen. Eigene Apps liefert Hersteller LG gar nicht erst mit. Im Werkszustand beschränkt sich der Funktionsumfang der LG G Watch R daher auf das Android Wear-Betriebssystem mit seinen integrierten Google-Diensten. Weitere Apps können allerdings im Play Store heruntergeladen werden, darunter einige Spiele oder Fitnessanwendungen.

LG G Watch R Rückseite
Auf der Uhrenrückseite sitzen die Ladekontakte und ein optischer Sensor zum Pulsmessen. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R Schrittzähler
Schritte zählt die LG G Watch R auch ohne Smartphone-Anbindung. (© 2014 TURN ON)
LG G Watch R
Mit in die Smartwatch integriert: eine Stoppuhr- und eine Timer-Funktion. (© 2014 TURN ON)

Um die integrierten Google-Dienste nutzen zu können und sich zum Beispiel eingehende E-Mails und Chatnachrichten auf der Smartwatch anzeigen zu lassen, muss die G Watch R mit einem Smartphone verbunden werden. Das Pairing funktioniert über Bluetooth 4.0 und setzt auf Telefonseite mindestens Android 4.3 voraus. Im Test klappte das erst beim dritten oder vierten Anlauf. Als die Verbindung stand, gab es aber keine weiteren Probleme. Die Uhr vibriert bei eingehenden WhatsApp- und Facebook-Nachrichten und erinnert an Termine im Google-Kalender.

Steht die Verbindung zum Smartphone einmal nicht, etwa wenn die Bluetooth-Reichweite überschritten wird, kann die LG G Watch R immer noch als Schrittzähler oder Kompass genutzt werden. Dafür sorgen integrierte Sensoren, zu denen auch ein Barometer und ein optischer Pulsmesser gehören. Letzterer funktioniert nur, wenn das Armband der Uhr ordentlich festsitzt.

Akkulaufzeit: Früher war alles besser

Träger einer klassischen Armbanduhr werden über das Durchhaltevermögen der LG G Watch R nur müde lächeln können. Bewertet man die Akkulaufzeit aber im Vergleich zu anderen Smartwatches, zählt das LG-Modell zu den Dauerläufern. Der 410-mAh-Akku war nach 24 Stunden überdurchschnittlicher Nutzung noch zu 30 Prozent voll. Die vom Hersteller versprochenen 1,5 Tage Akkulaufzeit scheinen also durchaus realistisch. Im Stand-By-Betrieb soll die Uhr sogar bis zu 65 Stunden durchhalten.

LG G Watch R Einstellungen
Wer den Akku schonen will, kann den "Always on"-Modus deaktivieren. (© 2014 TURN ON)

Während gewöhnliche Armbanduhren vielleicht einmal jährlich eine neue Batterie benötigen, muss die schlaue Uhr also beinahe täglich auf die mitgelieferte Ladestation. Diese ist einerseits ganz praktisch, da die Uhr dank Magnet nur leicht auf die Kontakte aufgelegt werden muss. Andererseits fällt die Möglichkeit weg, die Smartwatch direkt per Kabel zu laden. Das ist auf Reisen eher unzweckmäßig.

Fazit: Nicht mehr als eine nette Spielerei für Technikbegeisterte

Mit der G Watch R hat Hersteller LG gezeigt, dass er dazugelernt hat. Im Vergleich zur G Watch wirkt das runde Modell sehr viel durchdachter. Dank dem schickeren Design könnte die Uhr somit auch technikfernere Zielgruppen ansprechen. Dagegen spricht allerdings der bislang noch sehr beschränkte Nutzwert von Smartwatches. Kaum ein klassischer Uhrenträger wird wohl zur modernen Alternative wechseln, die alle zwei Tage an die Steckdose muss, wenn sie nicht einen deutlichen Mehrwert verspricht. Für Technik-Fans ist die Smartwatch eine nette Spielerei und eines der ausgereiftesten Produkte auf dem Markt. Allerdings muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich für immerhin 269 Euro zu den Early Adopters in diesem Bereich zählen möchte.

Mit ihrem Preis positioniert sich die LG G Watch R über der Samsung Gear 2 (199 Euro) und der Motorola Moto 360 (249 Euro). Dafür bringt sie aber auch die stärkste Hardware der drei Modelle mit. Der Knackpunkt bei allen genannten Smartwatches ist noch das Android Wear-Betriebssystem. Bis die Oberfläche mehr zu bieten hat, bleiben Smartwatches eine mitunter praktische Erweiterung des Smartphones – aber hauptsächlich eine technische Spielerei.