Nexus 6: Googles neues Riesenbaby im Test

Das Nexus 6 ist Googles Großangriff auf den wachsenden Phablet-Markt. Das Stichwort "Größe" ist dabei Programm: Mit einer Bildschirmdiagonalen von 6 Zoll ist es das gigantischste Nexus-Smartphone aller Zeiten. Wir haben getestet, ob Googles neues Riesenbaby noch mehr bietet als reine Screen-Gigantomanie.

Design und Handling: Goodbye, Einhandbedienung

Wer das Google Nexus 6 auspackt, hat zunächst ein echtes Monster in der Hand. Der Screen das Phablets ist entsprechend der Nummerierung knapp sechs Zoll groß und erstreckt sich fast über die komplette Front des Geräts. Das Nexus 6 kann dabei seine Wurzeln nicht verhehlen: Da das Smartphone von Motorola für Google gebaut wurde, erinnert es sicherlich nicht von ungefähr an das Moto X (2014). Wem also der dezent klobige und wuchtige Look des Motorola-Handys mit gewölbter Rückschale und riesiger Rückkamera gefällt, dem dürfte auch das Nexus 6 zusagen. Das Phablet liegt dank gummierter Rückseite durchaus angenehm in der Hand. An die edle Metall-Haptik eines iPhone 6 Plus oder HTC One M8 kommt das Smartphone allerdings bei Weitem nicht heran.

Eine wichtige Sache darf man beim Kauf des Google Nexus 6 nicht vergessen: Da das Phablet so groß ist, kann es wahrscheinlich nur noch von großgewachsenen Basketballspielern mit einer Hand bedient werden. Auch in der Hosentasche dürfte das Gerät nur noch schwer Platz finden. Ärgerlich: Bei unserem ersten Testgerät wölbte sich die angeklebte Rückschale deutlich von den Rändern des Phablets ab und konnte auch nicht wieder festgedrückt werden. Anscheinend handelte es sich hierbei um einen häufiger aufgetretenen Produktionsfehler. Motorola tauschte betroffene Geräte allerdings anstandslos um.

Display: Knackiger QHD-Screen

Das QHD-Display des Nexus 6 löst mit 2560 x 1440 Pixeln auf.
Das QHD-Display des Nexus 6 löst mit 2560 x 1440 Pixeln auf. (© 2015 TURN ON)

Das Display des Google Nexus 6 steckt mit seiner Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln Konkurrenten wie das iPhone 6 Plus locker in die Tasche. Dank AMOLED-Technik liefert der QHD-Screen des Phablets ein sehr kontrastreiches Bild. Anders als beim Galaxy Note 4 fällt im Test auch kein so deutlicher Grünstich bei seitlicher Betrachtung auf. Dafür bietet das Display des Samsung-Phablets zumindest gefühlt ein knackigeres und farbkräftigeres Bild. Das mag daran liegen, dass der Bildschirm des Nexus 6 nicht besonders hell ist. Im Alltag dürfte das dem Nutzer allerdings kaum Probleme bereiten.

Hardware und Ausstattung: Volle Technik-Breitseite und Android 5.0 Lollipop

Neu bei Android 5.0 Lollipop ist beispielsweise der überarbeitete Task-Manager.
Neu bei Android 5.0 Lollipop ist beispielsweise der überarbeitete Task-Manager. (© 2015 TURN ON)

In Sachen Hardware, Ausstattung und Software kann das Google Nexus 6 ganz groß auftrumpfen. Im Inneren des Phablets werkelt ein Quad-Core-Prozessor vom Typ Snapdragon 805 mit 2,7 GHz. Der Arbeitsspeicher von 3 GB RAM sorgt dafür, dass die Bedienung in den Menüs und das Surfen im Internet angenehm flüssig abläuft. Auch sonst ist das Nexus 6 mit neuester Technik vollgestopft: So unterstützt das Phablet LTE-A, NFC und Bluetooth 4.1. Auf einen Fingerabdrucksensor wie beim iPhone 6 oder Samsung Galaxy Note 4 muss man aber verzichten.

Etwas ärgerlich ist der Umstand, dass Google auch beim Nexus 6 keinen Micro-SD-Slot zur Speichererweiterung anbietet. Somit sollte bereits beim Kauf gut überlegt sein, ob man sich für die 32-GB-Variante oder die Version mit 64 GB entscheidet. Schade ist zudem, dass der Snapdragon-Prozessor im Nexus 6 nicht 64-Bit-fähig ist – und das, obwohl das Betriebssystem Android 5.0 Lollipop 64 Bit unterstützt.

Einen Slot für Micro-SD-Karten sucht man beim Nexus 6 leider vergeblich.
Einen Slot für Micro-SD-Karten sucht man beim Nexus 6 leider vergeblich. (© 2015 TURN ON)

Die Rückkamera des Nexus 6 knipst Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln. Bei Dunkelheit kommt der kreisförmige LED-Blitz zum Einsatz. Bei guten Lichtverhältnissen schießt das Phablet im Test tolle Bilder. Bei schwachem Licht macht das Nexus 6 aber nur Fotos mit durchschnittlicher Qualität. Auch die Kamera-App könnte etwas intuitiver sein.

Nichtsdestotrotz ist Android Lollipop eines der Aushängeschilder des Google Nexus 6. Zum Launch im November 2014 war das Phablet sogar eines der ersten Geräte mit dem Lutscher-Betriebssystem. Android 5.0 Lollipop kommt im schicken Material Design daher und bringt zahlreiche neue Funktionen mit. So gibt es nun Schnellzugriffe für Kamera und Telefon, eingehende Nachrichten erscheinen schon im Sperrbildschirm und der Task-Manager ist nun deutlich übersichtlicher. Als Besitzer eines Nexus 6 darf man zudem sicher sein, auch in Zukunft die neuesten Android-Updates mit als Erster zu erhalten.

Akkuleistung: Gute Laufzeit für ein Phablet

Im Alltag hält das Phablet sieben bis neun Stunden durch.
Im Alltag hält das Phablet sieben bis neun Stunden durch. (© 2015 TURN ON)

Das Google Nexus 6 besitzt eine 3220-mAh-Batterie und soll laut Hersteller bis zu 24 Stunden Gesprächszeit ermöglichen. Im Test hielt das Phablet bei uns zwar nur sieben bis neun Stunden durch, angesichts der Displaygröße und der hohen Auflösung gehen diese Akku-Werte allerdings in Ordnung. Praktisch ist zudem die Schnellladefunktion des Smartphones. Nur 15 Minuten an der Steckdose reichen aus, damit das Nexus 6 weitere sechs Stunden durchhält. Alternativ lässt sich das Phablet mit einem Ladepad sogar induktiv ohne Kabel aufladen. Das dauert dann aber deutlich länger.

Preis-Leistung: Google nähert sich den Apple-Preisen

Der Preis des Google Nexus 6 dürfte sicherlich einer der größten Knackpunkte sein. Im Gegensatz zu früheren Nexus-Smartphones ist das neue Phablet nämlich alles andere als ein Schnäppchen. Im Google Play Store verlangt der Hersteller für das 32-GB-Gerät 649 Euro, für 64 GB werden sogar 699 Euro fällig. Mit diesen Preisen ist Google fast schon bei denen des großen Konkurrenten Apple angelangt. Die Zeiten, in denen der Suchmaschinenkonzern Highend-Smartphones zu Mittelklassepreisen verkaufte, scheinen damit endgültig vorbei zu sein. Umso ärgerlicher ist da die Tatsache, dass sich Google offenbar auch die fehlende Speichererweiterung via Micro-SD-Karte von Apple abgeschaut hat.

Fazit: Größer, teurer, Nexus 6

Das Google Nexus 6 ist ohne Frage ein gutes Phablet mit schneller Hardware, einem kontrastreichen Display, vielen Zusatzfunktionen und dem tollen Android 5.0 Lollipop. Auch in Sachen Akkulaufzeit positioniert sich das Smartphone im oberen Mittelfeld der besten Handys. Das kann allerdings über die beiden großen Kritikpunkte Handling und Preis nicht hinwegtrösten. Für die Einhandbedienung ist das Nexus 6 einfach zu groß, selbst mit zwei Händen fühlt sich das Gerät noch klobig an. Zudem muss das Google-Phablet auf dem Markt gegen günstigere 6-Zoll-Geräte wie das Huawei Ascend Mate 7 antreten. Wer nicht auf Android 5.0 Lollipop verzichten will, kann auch zum deutlich billigeren und handlicheren Google Nexus 5 greifen.