Review zum Film "Steve Jobs": Der Mensch hinter dem iPhone

"Steve Jobs" setzt sich kritisch mit dem Apple-Visionär auseinander. "Steve Jobs" setzt sich kritisch mit dem Apple-Visionär auseinander. (© 2015 Universal Studios)

Der Film "Steve Jobs" startet erst am 12. November in den deutschen Kinos, TURN ON durfte ihn bereits jetzt sehen. Im Kern dreht sich die Verfilmung um drei große Produktpräsentationen: Macintosh, NeXT und iMac. Die Macher zeichnen ein Bild des 2011 verstorbenen Apple-Chefs, das für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Unsere Kritik klärt auf, ob sich der Gang ins Kino lohnt – oder nicht.

Das Drehbuch des Films "Steve Jobs" basiert auf der autorisierten Biografie von Walter Isaacson, die Regie übernahm Danny Boyle. Die Geschehnisse beruhen zwar auf realen Personen, die Geschichte ist jedoch fiktiv. Die Liste der Darsteller kann sich indes sehen lassen. So wird Steve Jobs von Michael Fassbender verkörpert, die Rolle der Apple-Managerin Joanna Hoffman wird von Oscar-Gewinnerin Kate Winslet gespielt.

Deutscher Kinostart von "Steve Jobs" am 12. November

Mit Seth Rogen oder auch Jeff Daniels sind die Nebenrollen ebenfalls grandios besetzt. Der Film "Steve Jobs" hatte ein Budget von etwa 30 Millionen US-Dollar und feiert hierzulande seinen Kinostart am 12. November. Ob man den Film gesehen haben muss, klärt unser Review.

Auch wenn der Titel eine biografische Verfilmung des Lebens des bekannten Apple-Gründers vermuten lässt, dreht sich der Film letztendlich um drei große Produktpräsentationen, für die Jobs maßgeblich verantwortlich war. Die Macintosh-Vorstellung im Jahr 1984, das NeXT-Event 1988 und die iMac-Präsentation 1998. Dabei geht es nicht im Kern um die eigentliche Produktvorstellung, sondern vielmehr um die Geschehnisse hinter der Bühne.

Steve Jobs: Ein Visionär mit menschlichen Schwächen?
Steve Jobs: Ein Visionär mit menschlichen Schwächen? (© 2015 Universal Studios)

Mit zwischenmenschlichen Beziehungen tut sich Jobs schwer

Steve Jobs wird durch und durch als Visionär gezeigt, der im Umgang mit anderen Menschen aber als schwierig gilt. Jobs hat das große Ganze im Blick, beschäftigt sich aber auch mit den kleinsten Details. So perfekt seine Produkte auch sein mögen, so konträr wirkt sein Privatleben. Das Verhältnis zu seiner Tochter Lisa ist schwierig, sein Interesse an dem jungen Mädchen scheint gering.

Im Zuge der Macintosh-Präsentation kommt es zu einem emotionalen Ereignis zwischen Vater und Tochter, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt – und im späteren Verlauf noch einmal eine entscheidende Rolle spielen wird. Fassbender spielt Jobs brillant und überzeugend. Charakterliche Schwächen auf der einen Seite, ein grandioser Visionär auf der anderen Seite – oftmals im gleichen Atemzug.

Für Jobs zählt das große Ganze, aber auch kleinste Details.
Für Jobs zählt das große Ganze, aber auch kleinste Details. (© 2015 Universal Studios)

Nur eine Apple-Managerin scheint Einfluss auf Jobs zu haben

Kate Winslet verkörpert die Apple-Managerin Joanna Hoffman, die mitunter vielmehr wie eine Assistentin wirkt, die Jobs nie von der Seite weicht. Und auch aus privaten Angelegenheiten hält sich Hoffman nicht heraus. Im Gegenteil: Sie redet Jobs, der keinen richtigen Draht zu seiner leiblichen Tochter zu finden scheint, sogar ins Gewissen. In einer weiteren Rolle wird Jobs langjähriger Freund und Apple-Mitgründer Steve Wozniak von Seth Rogen gespielt.

Zusammen ziehen Wozniak und Jobs an einem Strang, auch wenn beide unterschiedliche Vorstellungen haben – in technischer Sicht und nicht zuletzt auch menschlich. Sehenswert ist auch der Auftritt des einstigen Apple-CEOs John Sculley, der im Film von Jeff Daniels gespielt wird. Jobs holte den ehemaligen Pepsi-Chef zu Apple und wollte große Dinge mit ihm erreichen. Etwa in der Mitte des Films kommt es zu einem minutenlangen Showdown zwischen Jobs und Sculley, der einer Abrechnung gleichkommt. Gut inszeniert, höchst spannend und definitiv ein Highlight des Biopics.

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Jobs langjähriger Weggefährte Wozniak bildete mit Jobs ein unschlagbares Team. (© 2015 Universal Studios)

Zwei Stunden lang – doch Langeweile kommt nicht auf

Das Drama setzt sich kritisch mit der Person Steve Jobs auseinander. Gezeichnet wird eine Person, die alles einem großen Ziel unterordnet. Menschliche Beziehungen scheinen Jobs nicht zu interessieren. Was andere über ihn denken, scheint ihm schlichtweg egal zu sein. Sein visionärer Geist, seine Genialität werden hingegen hinlänglich im Film gewürdigt. Absolute Fans von Steve Jobs werden mit der Verfilmung aber womöglich unzufrieden sein.

Trotz einer Länge von gut zwei Stunden wirkt der Film nie langweilig, überflüssige Szenen gibt es faktisch nicht. Die schauspielerische Leistung der Darsteller weiß zu überzeugen, die Inszenierung ist ebenfalls gelungen. Die wohldosierte musikalische Untermalung von Daniel Pemberton passt perfekt.

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In dieser Garage hat alles begonnen. (© 2015 Universal Studios)

Hochrangige Apple-Vertreter verschmähen den Film

Dennoch: Der Film dürfte polarisieren. Bereits im Vorfeld erklärten hochrangige Apple-Vertreter, dass sie von der Verfilmung so rein gar nichts halten. Apple-Boss Tim Cook hält den Streifen für opportunistisch, Design-Chef Jony Ive wollte Jobs in dem Film gar nicht wiedererkannt haben. Der langjährige Weggefährte Steve Wozniak fungierte für den Film zwar als eine Art Berater. Er erklärte aber auch, dass nichts von dem, was im Film dargestellt wurde, auch in der Realität so gelaufen ist. Gleichwohl räumte er ein, dass Jobs charakterlich von Fassbender akkurat dargestellt wurde.

Der Film "Steve Jobs": Kritisch, schonungslos, empfehlenswert

Ist "Steve Jobs" also empfehlenswert? Ja, wer sich für den Unternehmer und Apple allgemein interessiert, sollte diesen Film nicht verpassen. Zwar geht er an manchen Stellen technisch mitunter sehr ins Detail, was nicht technikaffine Zuschauer sicher manchmal ratlos zurücklassen dürfte – aber das beschränkt sich auf wenige Ausnahmen. Ansonsten ist die Umsetzung sehr gelungen und gibt nur wenig Anlass zur Kritik. Über die Darstellung des Visionärs kann und darf man streiten. Ob Steve Jobs menschlich wirklich so gewesen ist, wie im Film dargestellt wurde, können ohnehin nur seine engsten Weggefährten beantworten. Sein Vermächtnis und sein Wirken sind ohnehin unumstritten – daran ändert auch der Film "Steve Jobs" nichts.