"Witcher 3" angespielt: Des Hexers neue Kleider

ProjeDas Games-Jahr 2015 verlief bislang eher ohne Höhepunkte – mit dem Release von "The Witcher 3: Wild Hunt" hat das nun aber ein Ende. Das Spiel des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt schickt sich an, Rollenspiel-Platzhirschen wie "Dragon Age: Inquisition" oder "Skyrim" den Thron streitig zu machen. Nach ein paar Test-Stunden mit der PS4-Version steht fest: Das kann tatsächlich gelingen.

"The Witcher 3: Wild Hunt" ist der offizielle Nachfolger von "The Witcher 2: Assassins of Kings" (2011) und "The Witcher" (2007). Während die ersten beiden Teile allerdings nur für den PC beziehungsweise die Xbox 360 erschienen, haben nun erstmals auch Besitzer einer PlayStation 4 oder Xbox One die Möglichkeit, in das Fantasy-Universum rund um den Hauptcharakter Geralt von Riva einzutauchen.

Etwas problematisch für Neueinsteiger: "Witcher 3" setzt viele Ereignisse aus den Vorgängern und teilweise sogar aus der Romanreihe von Andrzej Sapkowski als bekannt voraus. Bei Begriffen und Namen wie Nilfgaard oder Yennefer von Vengerberg werden Newcomer daher zunächst nur Bahnhof verstehen. Das tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch: "The Witcher 3: Wild Hunt" bietet auch ohne Vorkenntnisse eine spannende Story – vor allem in den Nebenquests, von denen es Dutzende gibt.

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Geralt von Riva untersucht einen toten Greif. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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"Witcher 3" spielt in einer riesigen Open World mit mehreren Hub-Karten. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Für schnelles Reisen ist ein Pferd unverzichtbar. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Hexersinne zeigen versteckte Spuren. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Auch Dialoge kommen nicht zu kurz. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Das Charaktermenü ist sehr umfassend... (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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...kann jedoch mit seiner Komplexität auch erschlagen. (© 2015 Screenshot/TURN ON)

Die Spielwelt von "Witcher 3": Außen hui, innen hui

Auf der PlayStation 4 gehört "Witcher 3" in Sachen Grafik sicherlich zu den besten derzeit erhältlichen Games. Allerdings wirken Spiele wie "The Last of Us: Remastered" oder "Infamous: Second Son" immer noch etwas beeindruckender als das neue RPG von CD Projekt. Auf der anderen Seite haben diese Games auch bei Weitem nicht so eine riesige Spielwelt wie "Witcher 3". Die lebendige Welt ist gleichzeitig einer der größten Trümpfe des Spiels – in kaum einem anderen Rollenspiel außer vielleicht "Skyrim" oder "Dragon Age: Inquistion" wirkt die Welt derart organisch und wie aus einem Guss. Und wenn man zum ersten Mal aus der Weltkarte herauszoomt und das ganze Ausmaß des Spiels erkennt, wird bewusst, warum die Entwicklung fast vier Jahre dauerte.

Keine Sorge: "Witcher 3" kämpft nicht mit dem üblichen Open-World-Problem der leeren Landschaften. An jeder Ecke gibt es Schätze zu entdecken, Monster zu bekämpfen oder Quests zu lösen. Ein reines Open-World-Spiel ist "Witcher 3" übrigens nicht: Anstelle einer zusammenhängenden Karte setzt CD Projekt auf mehrere Hub-Welten, die allerdings immer noch riesig sind und zwischen denen man (abhängig vom Storyverlauf) via Schnellreise-Funktion nach Belieben hin- und herwechseln kann.

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Tagsüber sieht die Welt von "Witcher 3" gleich ganz anders aus. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Trotz Sonnenscheins: Die Welt von "Witcher 3" ist düster. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Monster zum Bekämpfen finden sich eigentlich überall. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Bei zu vielen Gegner sollte man den Rückzug antreten. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Manche Monster wie dieser Geist erfordern spezielle Strategien. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Grafisch macht das Spiel auch auf der PS4 einiges her. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Der Kampf gegen den Greif gehört zu den ersten Highlights des Spiels. (© 2015 Screenshot/TURN ON)
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Am Ende baumelt dessen Kopf an Geralts Pferd. (© 2015 Screenshot/TURN ON)

Ein bisschen Kritik... auf hohem Niveau

Auch wenn "Witcher 3" vielen Gamern vielleicht als perfektes Spiel erscheint und es auf Metacritic derzeit einen überragenden Wert von 92 Punkten einfährt, gibt es auch beim dritten Auftritt des Hexers ein paar Punkte zu bemängeln. Die Controller-Steuerung beispielsweise – obwohl der Steuerung mit Maus und Keyboard deutlich überlegen – erwies sich im Test immer noch als etwas sperrig. Möglicherweise liegt das auch an der starken PC-Ausrichtung des Spiels, reine 3rd-Person-Konsolentitel wie "Infamous : Second Son" oder "The Last of Us" steuern sich allerdings einfach etwas knackiger. Ein Beispiel: Während man etwa schon damals in der PS3-Version von "Red Dead Redemption" ziemlich simpel auf sein Pferd steigen konnte, muss man bei "Witcher 3" genau den Punkt erwischen, an dem einen das Spiel bei Druck auf die X-Taste auf das hohe Ross lässt. Beim Einsammeln von Gegenständen – und das passiert eigentlich ständig – läuft es genauso fummelig.

Ein zweiter kleiner Kritikpunkt, der das Spiel aber gleichzeitig sympathisch macht: "Witcher 3" schert sich tatsächlich überhaupt nicht um Neueinsteiger. Neben der bereits erwähnten Story erwartet das Game auch ohne mit der Wimper zu zucken, dass sich der Spieler durch hunderte Zutaten für Tränke und Ausrüstungsgegenstände arbeitet – was manchmal jedoch arg menülastig wird. Wer sich von dieser Sperrigkeit nicht abschrecken lässt, bekommt mit "Witcher 3: Wild Hunt" ein überwältigendes Stück Rollenspiel, in dem man auch nach über 100 Stunden noch längst nicht alles gesehen hat.

Auch Alex und Jens haben sich "Witcher 3" in einem Hands-on-Test näher angeschaut. Ihr Fazit kannst Du im Video sehen.