Xperia Z4 Tablet im Test: Der iPad-Killer von Sony?

Das Xperia Z4 Tablet musste sich in unserem Test beweisen. Das Xperia Z4 Tablet musste sich in unserem Test beweisen. (© 2015 TURN ON)

Mit dem Xperia Z4 Tablet schickt Sony ein neues Flaggschiff ins Rennen um die Tablet-Krone. Aufgrund der extrem schlanken und leichten Bauweise drängen sich dabei Vergleiche zum iPad Air 2 geradezu auf. In unserem Test gehen wir deshalb der Frage nach, wie sich das Android-Gerät im Vergleich zu Apples Klassenprimus schlägt.

Schon beim ersten Herausnehmen aus der Verpackung fällt auf: Das Sony Xperia Z4 Tablet ist verdammt leicht und äußerst flach. Gerade einmal 393 Gramm bringt die LTE-Variante des 10,1 Zoll-Geräts auf die Waage, die wir einem Test unterzogen haben. Das etwas kleinere iPad Air 2 ist da mit 444 Gramm merklich schwerer. Auch mit seinem schlanken Design befindet sich das Sony-Tablet auf Augenhöhe mit dem Apple-Pendant. Die lediglich 6,1 Millimeter in der Tiefe lassen das Xperia Z4 Tablet äußerst angenehm in der Hand liegen. Abgerundet wird der Ersteindruck durch eine gelungene Gesamtoptik, die sich am Smartphone Xperia Z3 orientiert.

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Wasser kann dem Xperia Z4 Tablet nicht so leicht etwas anhaben. (© 2015 TURN ON)
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Das Tablet ist nach IP65 und IP68 Wasser- und Staubfest. (© 2015 TURN ON)
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Dünner geht es kaum. Nur 6,1 Millimeter misst das Z4 in der Tiefe. (© 2015 TURN ON)

Bemerkenswert ist, dass das Xperia Z4 Tablet trotz der grazilen Form genau wie seine Vorgänger die Zertifizierungen IP65 und IP68 besitzt und damit bis zu einem gewissen Grad vor Wasser und Staub geschützt ist. Bis zu 30 Minuten soll das Tablet laut Sony in einer Wassertiefe von maximal 1,5 Metern aushalten. Im Test funktionierte das Gerät nach einem kurzen Aufenthalt in einem Wasserbecken immer noch perfekt, sodass es dafür beide Daumen nach oben gibt.

Starkes Display, leider mit Spiegel-Problem

Nach dem Einschalten offenbart sich dann auch das Display des Xperia Z4 Tablet, das mit einer knackigen Farbdarstellung und sehr guten Kontrasten punkten kann. Die Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln sorgt auf dem 10,1 Zoll-Bildschirm für eine Pixeldichte von 298 ppi. Selbst feine Strukturen und sehr kleine Schrift werden knackscharf dargestellt und sind dadurch gut ablesbar. Positiv fällt auch die hohe Blickwinkelstabilität des Displays auf. So wirken die Farben bei stark seitlicher Betrachtung zwar etwas blasser, der Bildschirminhalt an sich bleibt jedoch problemlos ablesbar.

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Das Display des Xperia Z4 Tablet gehört zu den besten seiner Klasse. (© 2015 TURN ON)

Leichte Minuspunkte gibt es hingegen für die Spiegelung des Screens, die natürlich besonders bei starken Lichtquellen im Rücken oder hoher Sonneneinstrahlung schnell störend wirkt. Auch bei der allgemeinen Display-Helligkeit müssen einige Abstriche gemacht werden. Diese fallen jedoch aufgrund der guten Farbdarstellung nicht sehr stark ins Gewicht. Generell ist der Bildschirm bei voller Leuchtkraft zudem stark genug, um das Tablet auch bei sonnigem Wetter im Freien verwenden zu können – wenn da nur die Spiegelungen nicht wären.

Performance-Künstler mit leichter Hitze-Entwicklung

Sobald der Homescreen auf dem Display erstrahlt, geht es ans Eingemachte. Zum Einsatz kommt auf dem Xperia Z4 Tablet das Betriebssystem Android in der Version 5.0.2 Lollipop mitsamt Sonys hauseigener Benutzeroberfläche Xperia UI. Diese bietet noch einige zusätzliche Funktionen und Apps, unterscheidet sich in der Nutzererfahrung jedoch kaum vom Stock Android. User, die von anderen Tablets auf das Xperia Z4 wechseln, finden sich somit sofort zurecht.

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Im Inneren des Tablets arbeitet ein Snapdragon 810. (© 2015 TURN ON)

Erfreulich ist, dass Android auf dem neuen Sony-Tablet eine hervorragende Performance abliefert. Dabei spielt natürlich die üppige Hardware-Ausstattung des Xperia Z4 Tablet eine entscheidende Rolle. So werkelt im Inneren des schmalen Gehäuses ein 64 Bit Snapdragon 810-Prozessor, der bekanntermaßen acht Rechenkerne beherbergt. Im Falle des Sony-Geräts sind vier der Kerne mit 2,0 GHz getaktet. Sie sollen dem Xperia vor allem bei rechenintensiven Aufgaben auf die Sprünge helfen. Die übrigen vier Einheiten arbeiten lediglich mit 1,5 GHz und sollen dank der niedrigeren Taktung den Akku-Verbrauch bei einfachen Anwendungen eindämmen. Flankiert wird der Prozessor von einem Adreno 430 Grafik-Chip und 3 GB RAM.

In unserem Test konnte diese Hardware-Kombination in praktisch allen Lagen überzeugen: Videostreams liefen in der höchsten Auflösungsstufe absolut flüssig und selbst Spiele-Apps mit aufwendiger Grafik konnten das Tablet nicht in die Knie zwingen. Mit aktuellen Schwergewichten wie dem iPad Air 2 und dem Google Nexus 9 nimmt es das Xperia Z4 Tablet in Punkto Performance also problemlos auf. Für Leute, die unterwegs gerne mal ein Spiel zocken, ist das Sony-Gerät deshalb durchaus zu empfehlen.

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Die Spiele-Performance des Xperia Z4 Tablet kann sich sehen lassen. (© 2015 Screenshot Asphalt 8/TURN ON)
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Auch die Hitzeentwicklung des Prozessors ist verschmerzbar (© 2015 Screenshot FIFA 15/TURN ON)
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Das Video-Streaming klappt ohne Einbußen. (© 2015 Screenshot YouTube/TURN ON)

Die starke Hitze-Entwicklung, die den Snapdragon 810 im HTC One M9 und im Xperia Z3+ plagt, zeigt sich bei rechenintensiven Aufgaben auch beim Xperia Z4 Tablet. Allerdings fällt sie hier deutlich weniger krass aus. So wurde die Rückseite des Tablets bei längeren Spiele-Sessions zwar merklich warm, allerdings nie so sehr, dass dies bei der Benutzung gestört hätte. Auch gravierende Performance-Einbrüche waren in unserem Test nicht zu verzeichnen.

Ordentlicher Akku, lange Ladezeit

Während Display und Prozessor beim Xperia Z4 Tablet durchaus High-End-tauglich sind, muss sich Sony auf einem anderen Feld der Konkurrenz geschlagen geben. Mit seinen 6000 mAh kann der Akku des Sony-Tablets nicht mit den 7340 mAh des iPad Air 2 oder den 7900 mAh des Samsung Galaxy Tab S 10.5 mithalten. Tatsächlich besitzt dieser immer noch die gleiche Größe wie noch beim letztjährigen Xperia Z2 Tablet. Vor allem die geringe Bautiefe des Gerätes dürfte hier einen größeren Akku im Wege gestanden haben.

Im Alltag kann das Xperia Z4 Tablet dennoch mit einer ordentlichen Laufzeit punkten. Beim Anschauen von Videos konnten wir bei voller Display-Helligkeit und ausgeschaltetem Bluetooth im Test Laufzeiten von mehr als zehn Stunden erzielen. Für die Größe des Akkus geht dieser Wert in Ordnung. Wer nicht gerade ein Power-User ist, das Display etwas drosselt und auf LTE sowie Bluetooth verzichten kann, kommt mit dem Z4 durchaus bis zu zwei Tage ohne Besuch an der Steckdose aus.

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Geladen wird das Z4 Tablet über einen Micro-USB-Port. (© 2015 TURN ON)
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Leider gibt es keine Quick-Charge-Funktion. (© 2015 TURN ON)

Danach allerdings muss das Tablet an die Steckdose. Zum Aufladen steht dabei ein Micro-USB-Port an der rechten Seite des Gehäuses zur Verfügung. Wer den leeren Akku komplett wieder aufladen möchte, sollte etwas Geduld mitbringen. Deutlich über vier Stunden muss das Xperia Z4 Tablet ans Netz, bevor die vollen 6000 mAh wieder zur Verfügung stehen. Eine Quick-Charge-Funktion gibt es leider nicht, obwohl der Snapdragon 810 diese von Haus aus unterstützt. Hier hat Sony definitiv etwas Potential verschenkt.

Die obligatorische Kamera

Ob ein Tablet eine hochauflösende Foto-Kamera braucht, ist sicherlich umstritten. Die meisten dürften zum Fotografieren wohl lieber die Digitalkamera verwenden – oder für schnelle Schnappschüsse das Smartphone. Beim Xperia Z4 Tablet ist jedenfalls eine Kamera mit 8 Megapixeln an Bord. Diese macht zumindest im Freien ganz ordentliche Bilder und bewegt sich etwa auf dem Niveau einer mittelklassigen Smartphone-Kamera. Deutliche Abstriche müssen allerdings bei Schärfe und Farbsättigung in Kauf genommen werden. An aktuelle Schwergewichte wie das LG G4 reicht die Foto-Optik des Xperia Z4 Tablet damit bei Weitem nicht heran, auch das iPad Air 2 macht tendenziell etwas bessere Bilder. In Innenräumen ist die Kamera aufgrund des fehlenden LED-Blitzes nur bedingt geeignet. Gerade bei wenig Licht zeigt sich auf dem Display ein deutliches Bildrauschen.

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Die Hauptkamera löst mit 8 Megapixeln auf. (© 2015 TURN ON)
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Schärfe und Farbintensität befinden sich nur auf einem durchschnittlichen Niveau. (© 2015 TURN ON)
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Fotos in Innenräumen leiden unter dem fehlenden LED-Blitz. (© 2015 TURN ON)

Ganz ordentlich fällt die Frontkamera aus. Mit einer Auflösung von 5 Megapixeln ist diese für Standardanwendungen wie Videotelefonie mehr als ausreichend bestückt. Auch Selfies lassen sich bei guten Lichtverhältnissen natürlich knipsen. Als nette Spielerei bietet Sony in seiner Kamera-App einige Augmented Reality-Anwendungen, mit denen sich zum Beispiel Gesichtsmasken hinzufügen lassen. Zumindest für den kurzweiligen Zeitvertreib ist somit gesorgt. Insgesamt erweist sich das Xperia Z4 Tablet bei der Kamera-Ausstattung als solide – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Für die Frontkamera bietet Sony ein paar Spielereien. (© 2015 TURN ON)
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Dank AR-Effekt kann man sich eine Maske aufsetzen. (© 2015 TURN ON)

Überraschend starker Sound

Überraschend stark fällt trotz der geringen Bautiefe die Sound-Wiedergabe aus. So sind die beiden Frontlautsprecher durchaus kräftig genug, um einen etwas größeren Raum mit Musik zu beschallen. Als Notlösung geht das durchaus in Ordnung, zumal das Tablet gemessen an seiner Größe durchaus einen voluminösen Sound liefert. Um mit dem Xperia Z4 Tablet eine Party zu beschallen, fehlt allerdings eindeutig die Leistung im Tieftonbereich. Wer druckvolle Bässe möchte, sollte sich somit besser auf eine externe Lautsprecher-Lösung verlassen.

Zusatz-Features: Telefonie und PlayStation-Anbindung

Neben der sehr ordentlichen Standard-Ausstattung spendiert Sony seinem neuen Tablet auch einige Sonderfunktionen. So besitzt die LTE-Variante des Xperia Z4 Tablet auch eine ganz klassische Telefon-Funktion über das Mobilfunknetz. Wirklich elegant wirkt es allerdings nicht, mit einem 10,1 Zoll-Tablet am Gesicht zu telefonieren. Sinnvoll ist die Telefon-Funktion deshalb auch nur mit einem Headset.

Wer eine PlayStation 4 zu Hause hat, kann mit dem Xperia Z4 Tablet auch die Remote-Play-Funktion nutzen. Bei dieser werden Spiele von der Konsole per WLAN auf das Display des Tablets gestreamt und können dort gezockt werden. Mit einer separat erhältlichen Halterung lässt sich sogar ein Dualshock-Controller mit dem Xperia Z4  Tablet verbinden.

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Das Xperia Tablet Z4 unterstützt Remote Play für die PS4. (© 2015 Screenshot PSN-App/ TURN ON)

Als optionales Zubehör zum Xperia Z4 Tablet bietet Sony übrigens auch ein Tastatur-Dock an. Die BKB50-Tastatur wird dabei per Bluetooth mit dem Tablet verbunden. Sie soll das Gerät zu einem erst zunehmenden Konkurrenten zum Surface 3 und anderem Convertibles machen. Mit einem Preis von 179 Euro (UVP) ist das Dock allerdings allein so teuer wie manches günstige Tablet. Zudem ist Android für Office- und Business-Anwendungen einfach (noch) nicht so gut geeignet wie Windows.

Fazit: Wachablösung für das iPad?

Sony hat seine Hausaufgaben gemacht. Mit dem ultraleichten Xperia Z4 Tablet haben die Japaner einen ernsthaften Wettbewerber um die Krone auf dem Tablet-Markt am Start, der das iPad Air 2 von Apple in einigen Bereichen noch übertrumpfen kann. Vor allem das extrem schlanke Design in Kombination mit der starken Performance weiß zu überzeugen und dürfte viele Kunden ansprechen. Kleine Zusatz-Features wie das wasserfeste Gehäuse und die Telefon-Funktion werten das Tablet zusätzlich auf. Getrübt wird der gute Gesamteindruck nur von einigen kleineren Schwächen wie dem spiegelnden Display, dem eher durchschnittlichen Akku oder der wenig spektakulären Kamera.

Ob das Xperia Z4 Tablet letztlich ein iPad-Killer ist, hängt wohl von den persönlichen Vorlieben ab. Wer sich mit dem Android-Betriebssystem anstelle von iOS anfreunden kann, der findet mit dem Sony-Tablet auf jeden Fall eine sehr gute Alternative zum Apple-Gerät. Allerdings müssen Kunden für die Luxus-Ausstattung auch tief in die Geldbörse greifen. Mit einer UVP von 679 Euro spielt die von uns getestete LTE-Variante auch preislich in der absoluten Oberliga mit. Wer auf die Mobilfunk-Anbindung verzichten kann, bekommt das Xperia Z4 Tablet ohne LTE für 579 Euro (UVP).