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Android 8.0 Oreo im Test: Die Füllung ist am leckersten

Android 8.0 präsentiert sich als ausgereiftes Betriebssystem.
Android 8.0 präsentiert sich als ausgereiftes Betriebssystem. (©TURN ON 2017)

Android 8.0 Oreo fühlt sich im Test kaum anders an als Android 7. Doch unter der Oberfläche hat sich so einiges getan und die neu eingeführten Features sind so mächtig, das praktisch jede App davon profitieren kann.

Bis zur IFA 2017 hatte ich in meinem Leben noch nie einen Oreo-Keks probiert. Auf der Messe wurde mir ein solcher jedoch von Sony serviert und ich konnte einfach nicht "nein" sagen. Zu meiner Überraschung schmeckte mir der Keks richtig gut und ich möchte nicht ausschließen, dass in Zukunft beim Einkaufen im Supermarkt mal die ein oder andere Packung Oreo-Kekse in meinem Einkaufswagen landet.

Doch eigentlich soll es hier ja um das neue Android-Betriebssystem mit der Versionsnummer 8.0 gehen, das von Google am 21. August veröffentlicht wurde und das mehr oder weniger zufällig auch den Beinahmen Oreo trägt. Testen konnte ich Android 8.0 auf einem Google Pixel XL, das zum Testzeitpunkt neben dem Pixel, dem Nexus 5X und dem Nexus 6P eines der ersten Smartphones war, auf dem die neue Software lief.

Alles beim Alten – fast alles

Das erste, was mir nach der Installation von Android 8.0 auffiel: Nichts! Tatsächlich haben sich Look und Feel von Android in der neuesten Version beinahe überhaupt nicht verändert und nur an einzelnen Details wurde für mich deutlich, dass wir es hier mit einer neueren Version des Betriebssystems zu tun haben. Eines dieser Details ist das Menü für die Schnelleinstellungen, das nun vor einem weißem Hintergrund erscheint und nicht mehr vor einem dunkelgrauen, wie noch unter Android 7.

 Die Schnelleinstellungen erscheinen nun vor weißem Hintergrund (rechts). fullscreen
Die Schnelleinstellungen erscheinen nun vor weißem Hintergrund (rechts). (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Auch die Einstellungen-App insgesamt wurde überarbeitet und wirkt auf den ersten Blick deutlich verschlankt. So wurde die Anzahl der Einträge erheblich reduziert. Dabei fällt allerdings nichts weg und auch mit Zauberei hat das Ganze nichts zu tun. Vielmehr hat Google einfach diverse Menüpunkte zusammengefasst. Unter "Netzwerk & Internet" finden sich beispielsweise die Einstellungen für "WLAN" "Mobilfunknetz", "Datennutzung" und "VPN", die in älteren Android-Versionen teilweise alle einzeln aufgelistet wurden. Die Neuanordnung wirkt durchweg logisch und erhöht insgesamt die Übersicht.

 Viele Menüpunkte in den "Einstellungen" wurden logisch zusammengefasst. fullscreen
Viele Menüpunkte in den "Einstellungen" wurden logisch zusammengefasst. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Benachrichtigungen mit Kategorien und Punkten

Die Verwaltung von Benachrichtigungen gilt seit jeher als eine der ganz großen Stärken von Android und bekommt mit Version 8.0 nochmal einen ordentlichen Boost. Ließen sich Benachrichtigungen bisher für jede App entweder standardmäßig an- oder ausschalten, so kann ich jetzt je nach App ganz detailliert auswählen, welche Art von Benachrichtigungen mir die App anzeigen soll. Dazu sind je nach App verschiedene Kategorien vorgesehen.

Für die Telefon-App kann ich beispielsweise festlegen, dass ich nur über Mailbox-Benachrichtigungen informiert werden möchte, nicht jedoch über entgangene Anrufe. Welche Kategorien es gibt, ist je nach App unterschiedlich und wird von den jeweiligen Entwicklern festgelegt. Das Potential, das in dieser Kategorisierung von Benachrichtigungen liegt, ist riesig und kann definitiv dabei helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Es dürfte allerdings ein Weilchen dauern, bis sowohl Entwickler als auch Nutzer in der Lage sind, diese Funktion sinnvoll in die alltägliche Smartphone-Nutzung zu integrieren.

 Je nach App gibt es eine Vielzahl an Benachrichtigungskategorien. fullscreen
Je nach App gibt es eine Vielzahl an Benachrichtigungskategorien. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Neu sind auch die sogenannten Benachrichtigungspunkte, die sich auf Wunsch einschalten lassen. Sie zeigen in Form eines kleinen Punkts über dem jeweiligen App-Icon an, ob noch ungelesene Benachrichtigungen für diese App vorliegen. Samsung bietet solch ein Feature seit Jahren für seine Android-Nutzeroberfläche und auch aus iOS ist dieses bereits bekannt.

Smarte Texterkennung

Spätestens seit 2016 hat sich Google bekanntlich mit Haut und Haaren der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz verschrieben und so wundert es auch nicht, dass KI-Feature Einzug in Android Oreo halten. So erkennt die Software nun beispielsweise eigenständig, was für eine Art Text ich im Webbrowser markiere.

 Die smarte Texterkennung blendet unten automatisch einen Link zur Telefon-App ein, wenn eine Telefonnummer markiert wurde. fullscreen
Die smarte Texterkennung blendet unten automatisch einen Link zur Telefon-App ein, wenn eine Telefonnummer markiert wurde. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Suche ich beispielsweise nach einem Restaurant in meiner Nähe und möchte anschließend per Telefon einen Tisch reservieren, reicht es, einfach nur die Telefonnummer auf der Website zu markieren. Android schlägt mir über eine Einblendung am unteren Bildschirmrand anschließend selbst vor, diese über die Telefon-App anzurufen. Das Ganze funktioniert beispielsweise auch mit E-Mail-Adressen und ist äußerst praktisch.

Verbesserte Akkulaufzeit und automatische WLAN-Verbindung

Neben den beiden großen Feature-Updates rund um die Benachrichtigungen und die smarte Texterkennung bietet Android 8.0 aus meiner Sicht auch noch zwei dezentere Neuerungen, die jedoch ebenfalls zu den Highlights gezählt werden dürfen. Das erste betrifft die Akkulaufzeit, die softwareseitig nochmals verbessert wurde. So schickt das Betriebssystem Apps, die im Hintergrund arbeiten, im Standby deutlich früher schlafen und verhindert so einen übermäßigen Energieverbrauch.

Die zweite versteckte Neuerung ist die automatische Verbindung mit offenen WLAN-Netzen, die sich auf Wunsch in den Einstellungen aktivieren lässt. Kommen Smartphone oder Tablet anschließend in den Sendebereich eines offenen WLAN-Netzes, wählt sich das Gerät automatisch ein. Damit dabei die Sicherheit der eigenen Daten vor Hackern gewährleistet ist, erzeugt Android Oreo beim Einwählen ein eigenes VPN.

 Android 8.0 kann Smartphones automatisch und sicher mit offenen WLAN-Netzen verbinden. fullscreen
Android 8.0 kann Smartphones automatisch und sicher mit offenen WLAN-Netzen verbinden. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Viele kleine Verbesserungen

Neben diesen – zumindest aus meiner Sicht – Highlights bietet Android 8.0 noch einige weitere neue Funktionen, von denen die meisten eher unscheinbar sind und unter der Oberfläche des Betriebssystems wirken.

Google Play Protect: Das neue Sicherheitsfeature versteckt sich unter "Einstellungen > Sicherheit & Standort" und ist im Prinzip so etwas wie ein eingebauter Virenscanner, der das Gerät permanent nach Malware und schädlichen Apps scannt.

Bluetooth-Audio-Codec wählen: In den Entwickleroptionen von Android 8.0 ist es erstmals möglich, den Audio-Codec für die Übertragung von Bluetooth-Musik selbst auszuwählen. Das bringt natürlich nur dann etwas, wenn das Musik-Ausgangsmaterial nicht zu stark komprimiert ist und auch die verwendeten Bluetooth-Kopfhörer diese Bandbreiten unterstützen. Liebhaber können so etwa den Audio-Codec LDAC für hochauflösendes Audio-Material wählen.

 Die Wahl des Bluetooth-Audio-Codec und Google Play Protect gehören zu den kleineren Neuerungen. fullscreen
Die Wahl des Bluetooth-Audio-Codec und Google Play Protect gehören zu den kleineren Neuerungen. (©Screenshot Google/ TURN ON 2017)

Verbesserter Dateimanager: Der systemeigene Dateimanager von Android ist seit Jahren eines dieser Features, die von Google eher stiefmütterlich behandelt werden. In Oreo bekommt dieser nun endlich ein paar Standard-Features zum Verschieben und Kopieren von Dateien oder zum Anlegen von Ordnern. Wirklich interessieren wird dies die meisten Android-User jedoch nicht. Hersteller wie Samsung, Huawei oder LG bieten seit Jahren eigene Datei-Manager auf ihren Smartphones an, gegen welche die Sparvariante von Google ziemlich alt aussieht.

Fazit: Die Füllung ist das Beste an Oreo

Android 8.0 Oreo ist tatsächlich so ähnlich wie ein Oreo-Keks: Die Füllung macht den Unterschied. Während sich das Betriebssystem selbst im Alltag nicht wirklich anders anfühlt als Android 7, wurden unter der Oberfläche doch einige Dinge optimiert, die insgesamt einen durchaus bemerkenswerten Unterschied machen und die den alltäglichen Umgang mit Smartphone oder Tablet weiter verbessern und intuitiver gestalten.

Größere Feature-Updates hat Google mittlerweile fast vollständig aus dem eigentlichen Betriebssystem ausgelagert und liefert diese mehrmals im Jahr, indem die System-Apps für Android aktualisiert werden. Android selbst dient mittlerweile vor allem als Fundament dafür, dass die Apps von Smartphones all ihre Features optimal entfalten können. Anders als bei Apple und iOS gibt es deshalb mit einer neuen Version des Betriebssystems keine Updates, die nur einzelne Programme betreffen, sondern vor allem Features, die für jede App nützlich sein können.

Was mir während des Tests noch positiv auffiel, war zudem, wie stabil Android 8.0 auf dem Pixel XL lief. Bugs oder Glitches gab es faktisch keine und da auch sonst bisher keine Meldungen von fehlerhaften Updates und Abstürzen aufgetaucht sind, scheint es fast so, als hätte Google diesmal von Anfang an eine ziemlich saubere Version der neuesten Android-Version abgeliefert. Jetzt müssen nur noch die anderen Hersteller möglichst schnell nachziehen. Hoffentlich kommt Oreo möglichst schnell auf möglichst viele Geräte. Eine Übersicht über die geplanten Updates findest Du in dieser Liste.

 Das beste an Oreo ist die Füllung. fullscreen
Das beste an Oreo ist die Füllung. (©YouTube/Android 2017)

Android 8.0 O: Infos zu Release & Features

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2017, die vom 17. bis 19. Mai stattfand, hat Google die neuen Features von Android 8.0 ausführlich vorgestellt – natürlich ohne den endgültigen Namen des Updates zu verraten. Da der Suchmaschinenriese seine Betriebssysteme traditionell nach einer Süßigkeit bezeichnet, waren die Spekulationen über die endgültige Bezeichnung aber bereits in vollem Gange. Am 21. August enthüllte Google endlich den Namen: Er lautet Android 8.0 Oreo. Der Release für Nexus- und Pixel-Geräte soll in Kürze erfolgen.

Schnellere Updates dank Project Treble

Mit Android 8.0 Oreo soll sich der Update-Prozess dank Project Treble deutlich bessern – allerdings erst für Mobiltelefone, die bereits ab Werk über das Betriebssystem verfügen. Durch Project Treble sollen Treiber nicht mehr von einzelnen Hardware-Komponenten abhängig sein. Stattdessen wird es eine zusätzliche Aktualisierungsebene geben, die schlankere Prozesse ermöglicht, da nur noch Fragmente von Android selbst und dem Hersteller betroffen sind.

Bild-im-Bild-Modus

Android 8.0 Oreo wird zudem einen Bild-im-Bild-Modus integriert haben. Somit wird es beispielsweise unkompliziert möglich sein, etwa ein YouTube-Video abzuspielen und zugleich eine andere App zu nutzen – das Video selbst läuft dann einfach in einem kleinen Fenster weiter. Dieses Fenster soll auch einfach verschoben und an gewünschter Stelle platziert werden können. Dabei wird das Feature nicht nur auf YouTube-Clips beschränkt sein, sondern auch mit anderen Video-Apps funktionieren –und etwa auch mit Googles Kartendienst Maps. Auch WhatsApp soll den Bild-im-Bild-Modus unterstützen.

Textpassagen intelligenter markieren

Unter Android 8.0 Oreo sollen sich Textpassagen auf dem Smartphone deutlich besser und smarter markieren lassen. Eine intelligente Software soll etwa zusammengehörige Textstellen erkennen, wenn auf eine Telefonnummer oder Adresse doppelt getippt wird. Zudem soll das System automatisch erkennen, um welchen Inhalt es sich handelt und so etwa Adressen passend in Google Maps öffnen.

Bessere Verwaltung von Benachrichtigungen

Auch die Android-Benachrichtigungen werden sich unter Android 8.0 besser verwalten lassen. In Form von Kanälen werden Nutzer deutlich zielgerichteter einstellen können, inwiefern Apps sich in den Notifications bemerkbar machen sollen. Ähnlich den Badges auf dem iPhone werden neue Benachrichtigungen unter Android 8.0 gekennzeichnet, und zwar durch einen kleinen Kreis oberhalb des App-Icons.

Um mit der Benachrichtigung interagieren zu können, genügt es, die Anwendung einfach länger zu berühren. Daraufhin öffnet sich ein Kontextmenü mit weiteren Bedienungsmöglichkeiten. Zudem sollen sich Benachrichtigungen auch temporär für einen Zeitraum von 15, 30 oder 60 Minuten ausblenden lassen, ehe sie wieder angezeigt werden.

Bessere Akkulaufzeit

Kein neues Betriebssystem-Release ohne Verbesserungen bei der Akkulaufzeit: Unter Android 8.0 Oreo sollen die App-Hintergrundaktivitäten, die den Akku des Smartphones besonders belasten, erheblich eingeschränkt werden, wenn das Mobiltelefon gerade nicht genutzt wird.

Drittanbieter-App-Stores und Google Play Protect

Das Herunterladen von Apps aus Drittanbieter-App-Stores kann unter Android 8.0 außerdem nunmehr spezifisch geregelt werden. Konnte bislang nur eine Zustimmung oder Ablehnung für alle Apps erteilt werden, kann jetzt gezielt eingestellt werden, welche Apps neue Anwendungen auf dem Smartphone installieren dürfen.

Google Play Protect, eine Software, die das Smartphone auf Malware überprüft, wird es als eigenständige App geben. Diese wird installierte Apps automatisch auf Sicherheitsrisiken prüfen und bei Bedarf löschen oder deaktivieren. So kann der Besitzer stets erkennen, ob sich ein Programm eventuell auffällig verhalten hat.

Akkustand von Bluetooth-Geräten und bessere Bluetooth-Qualität

Spätestens mit Android 8.1 soll auch das unveränderte Stock-Android den Akkustand von Bluetooth-Geräten anzeigen. So erfährt man etwa, wie lange der Bluetooth-Kopfhörer noch durchhält. Bei von Herstellern wie Huawei, LG und Samsung angepassten Android-Benutzeroberflächen gibt es die Anzeige bereits. Mit dem Feature würde Google an Apples iOS aufschließen, das die Nutzer schon über den Akkustand von Bluetooth-Geräten informiert. Davon abgesehen soll die Musikwiedergabe über Bluetooth mit Android Oreo deutlich verbessert werden.

 Den Akkustand von Bluetooth-Kopfhörern wie den Beats X erfährst Du bald in Android. fullscreen
Den Akkustand von Bluetooth-Kopfhörern wie den Beats X erfährst Du bald in Android. (©TURN ON 2017)

Software-Updates auch bei leerem Speicher

Updates auf neuere Android-Versionen sollen ab Android 8.0 Oreo auch bei einem leeren internen Speicher möglich sein. Bislang wurden die Update-Dateien auf einer bis zu 1 GB großen Partition zwischengelagert, doch zukünftig sollen sie blockweise direkt auf der Systempartition unterkommen, wobei die alte Android-Version überschrieben wird. Allerdings gibt es das Feature wohl nur für Smartphones, die bereits mit Android 8.0 Oreo an Bord ausgeliefert werden.

Always-On-Display für Pixel-Smartphones

Das Google Pixel und das Pixel XL könnten um ein Always-On-Display-Feature  bereichert werden. Wie beim Galaxy S7 würden auf dem Display gezielt bestimmte Pixel beleuchtet werden, die etwa Benachrichtigungen oder die Uhrzeit anzeigen, während die übrigen Pixel deaktiviert bleiben. Das Pixel und das Pixel XL bringen mit ihrem Amoled-Display die technische Voraussetzung für Always On mit. Der nötige Programmcode wurde zumindest in einer Vorabversion von Android 8.0 Oreo entdeckt.

 Wie das Galaxy S7 und das Galaxy S8 könnten auch die Pixel-Smartphones ein Always-On-Feature erhalten. fullscreen
Wie das Galaxy S7 und das Galaxy S8 könnten auch die Pixel-Smartphones ein Always-On-Feature erhalten. (©TURN ON 2016)

Neues Emoji-Design

Die in Android untergebrachten Emojis erhalten ein neues Design. Dieses soll stärker dem Emoji-Design von Apps wie WhatsApp oder Facebook ähneln. Somit nähern sich die Emojis App-übergreifend einander an.

 

Datenblatt

  • Art
    Mobiles Betriebssystem
  • Vorstellung
    21. März 2017
  • Release
    August 2017
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