Meinung

"Avengers: Infinity War"-Filmkritik: Damit hat niemand gerechnet!

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In "Avengers: Infinity War" ist Thanos kaum zu stoppen – nicht einmal von "Earth's Mightiest Heroes" ...
In "Avengers: Infinity War" ist Thanos kaum zu stoppen – nicht einmal von "Earth's Mightiest Heroes" ... (©Marvel Studios 2018)

Der Hype um "Avengers: Infinity War" ist enorm. Mit Spannung blicken die Fans auf den Film, der ihnen als Höhepunkt von zehn Jahren Marvel Cinematic Universe (MCU) angekündigt wurde. Ob das Team-Abenteuer des Regie-Duos Joe und Anthony Russo tatsächlich hält, was die Macher so vollmundig versprochen haben, liest Du in unserer Kritik.

Ein Hinweis vorweg
Wir versuchen, in unserer Kritik jegliche Art von Spoilern zur Handlung zu umschiffen. Dennoch gehen wir kurz auf Details zum Aufbau des Films und auf zuvor formulierte Fan-Theorien ein. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.

Ein Handschuh, sie zu knechten

"Avengers: Infinity War" beginnt, wo "Thor 3: Tag der Entscheidung" aufgehört hat – und zwar genau da. Zur Erinnerung: In der Post-Credit-Szene des letzten "Thor"-Films sah sich der Marvel-Donnergott (Chris Hemsworth) plötzlich einem riesigen Raumschiff gegenüber. Dieses gehört, wie in "Infinity War" schnell klar wird, Thanos (Josh Brolin).

Der irre Weltraum-Titan tauchte bereits seit geraumer Zeit immer wieder als Strippenzieher des Bösen in den Marvel-Filmen auf und hing wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Helden. Nun hat sich der "Mad Titan" endlich selbst auf den Weg gemacht, um die legendären Infinity Steine für seinen mächtigen Infinity Handschuh zu sammeln und das Universum wieder "ins Gleichgewicht" zu bringen.

Es beginnt mit einem Knall

Der Boss der Marvel Studios, Kevin Feige, hat keinesfalls zu viel versprochen, als er die Fans vor Thanos Gewissenlosigkeit warnte. Schon in den ersten Minuten von "Avengers: Infinity War" beweist Thanos, dass er der bislang gnadenloseste Schurke des MCU ist. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen: Wir hören die Herzen zahlreicher Fan-Girls bereits brechen.

Thanos kommt! fullscreen
Thanos kommt! (©Disney 2018)
Und Iron Man und Co. stellen sich ihm mit vereinten Kräften entgegen. fullscreen
Und Iron Man und Co. stellen sich ihm mit vereinten Kräften entgegen. (©Disney 2018)
Sogar die Guardians of the Galaxy mischen mit. fullscreen
Sogar die Guardians of the Galaxy mischen mit. (©Disney 2018)
Und auch Team Cap bleibt nicht untätig. fullscreen
Und auch Team Cap bleibt nicht untätig. (©Marvel Studios 2018)

Von einem WTF-Moment und warum wir alle falsch lagen

Es soll nicht der einzige Schockmoment in dem rund zweieinhalbstündigen Actionspektakel bleiben. So kehrt mitten im Film ein alter Bekannter aus den Untiefen des MCU zurück, mit dem wohl wirklich niemand – und ich meine, niemand – gerechnet hat. Da kann einem schon einmal der Mund offen stehen bleiben.

Und als wäre das nicht genug, steht das überraschende Comeback dieses Charakters auch noch in Verbindung mit dem letzten fehlenden Infinity Stein, dem Seelenstein, über dessen Verbleib die Fans bisher nur spekulieren konnten. Kurz gesagt: All die Fantheorien, die den Stein in Heimdalls Obhut oder in Wakanda wähnten, lagen vollkommen falsch.

Eine Heerschar an Helden als Stärke und Schwäche

Generell stellt sich allerdings vor allem eine Frage: Haben die Russos die zahlreichen Marvel-Helden gebührend vereint? Oder ertrinkt "Infinity War" in der schieren Masse an Charakteren? Schließlich ist es alles andere als einfach, über 20 Hauptfiguren in einem Film gerecht zu werden. Die Russo-Brüder haben diese Aufgabe dennoch mit Bravour gemeistert – so weit das eben möglich ist.

Klar, jeder Marvel-Fan hat seine Lieblinge und natürlich ertappt man sich zwischenzeitlich selbst dabei, wie man auf das Auftauchen von diesem oder jenem Helden wartet. Doch dieses kleine Manko ist in einem Team-Film wohl unvermeidlich, zumal sich die Rächer und ihre Verbündeten gleich über mehrere Planeten verstreuen.

Der gewaltige Showdown ... fullscreen
Der gewaltige Showdown ... (©Disney 2018)
... erstreckt sich quer durch das Universum. fullscreen
... erstreckt sich quer durch das Universum. (©Marvel Studios 2018)
Auch der Herrscher von Wakanda zieht in den Kampf. fullscreen
Auch der Herrscher von Wakanda zieht in den Kampf. (©Marvel Studios 2018)
Ebenso wie "die nette Spinne von nebenan". fullscreen
Ebenso wie "die nette Spinne von nebenan". (©Marvel Studios 2018)
Dennoch müssen die Helden erkennen ... fullscreen
Dennoch müssen die Helden erkennen ... (©Disney 2018)
... Thanos ist ihr bislang härtester Gegner. fullscreen
... Thanos ist ihr bislang härtester Gegner. (©Disney 2018)

Keine Zeit für echte Charakterentwicklungen

Dennoch haben die Filmemacher jeder Figur ihren "Moment" eingeräumt. Sie alle haben annähernd gleich viel Screen-Time. Besonders die Dynamik zwischen Thor, Rocket und Groot sticht mit viel Witz und Charme hervor. Ein wenig zu kurz gekommen ist hingegen die lang erwartete Reunion des einstigen Fast-Traumpaars, Bruce Banner und Natasha Romanoff, und auch der große Konflikt aus "The First Avenger: Civil War" bleibt weitestgehend ungelöst.

An diesen Beispielen wird schnell deutlich: "Infinity War" legt den Schwerpunkt auf das Zusammentreffen der einzelnen Heldengruppen im MCU und deren Versuch, Thanos' Jagd nach den Steinen zu vereiteln. Für tief gehende Weiterentwicklungen einzelner Charaktere oder der Beziehungen zwischen den Figuren bleibt schlicht keine Zeit. Lieber werden witzige Punchlines ausgetauscht.

Und es sind doch "Infinity War Part 1" und "2"!

Mehr noch als all diese Aspekte dürfte die Fans jedoch der Schluss des Films in Aufruhr versetzen. Nach rund 150 Minuten, in denen vor lauter Action und Special Effects kaum Zeit zum Durchatmen bleibt, stürzen die Anhänger gemeinsam mit ihren Helden in absolute Fassungslosigkeit – und Ende. Die Russos bescheren der Marvel-Gemeinde einen gewaltigen und wirklich fiesen Cliffhanger.

Obwohl die Filmemacher angekündigt hatten, "Avengers: Infinity War" werde in sich abgeschlossen sein, fühlt es sich nun doch an, als hätten wir "Avengers: Infinity War Part 1" und "Part 2" geliefert bekommen. Denn das schockierende Finale des aktuellen Films wird für einen Aufschrei unter den Anhängern sorgen – vor allem unter den Nicht-Comiclesern – und verlangt geradezu nach einer Auflösung.

Die gibt es aber erst einmal nicht. In Sachen Gnadenlosigkeit halten die Russos beinahe mit Thanos mit und lassen auf den düsteren Cliffhanger nur einen tristen schwarz-weißen Abspann folgen. Eine gefühlte Ewigkeit starrt der Zuschauer nur auf die Namen unzähliger Hollywoodstars, die von einer düsteren Melodie untermalt werden.

Beinahe glaubt man schon nicht mehr an eine Post-Credit-Szene, aber dann kommt sie natürlich doch noch. Sie kündigt Verstärkung für die vereinten Helden an – ein kleiner Silberstreif am Horizont der erschütterten Marvel-Fans.

"Avengers: Infinity War": Fazit

Marvel hat es wieder geschafft. "Avengers: Infinity War" vereint geschickt (fast) alle Marvel-Helden der vergangenen zehn Jahre und sorgt gleich für mehrere Wendungen, mit denen die Kinogänger so wohl nicht gerechnet haben. Dank des großen Star-Auflaufs und bombastischer Action kommen hier alle Superhelden-Fans voll und ganz auf ihre Kosten – auch wenn natürlich jeder Marvel-Jünger der Meinung sein wird, dass sein persönlicher Favorit durchaus mehr Screen-Time hätte haben können.

TURN ON-Wertung: 4/5

TURNON
Score
4.0
Avengers: Infinity War
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Datenblatt

  • Originaltitel
    Avengers: Infinity War
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2017
  • Genre
    Action, Fantasy, Comicverfilmung
  • Besetzung
    Robert Downey Jr., Chris Pratt, Josh Brolin
  • Regie
    Anthony und Joe Russo
  • Kinostart (D)
    26.04.2018
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