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Rösten, Mahlen, Brauen: Kaffee-Kraftwerk Bonaverde Berlin im Test

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Die Bonaverde Berlin versorgte die TURN ON-Redaktion eine Woche lang mit frisch geröstetem Kaffee.
Die Bonaverde Berlin versorgte die TURN ON-Redaktion eine Woche lang mit frisch geröstetem Kaffee. (©TURN ON 2017)

Kaffee zu Hause selber in der Kaffeemaschine rösten – das geht. Von der Kickstarter-Firma Bonaverde wird jetzt ein richtiges Kaffee-Kraftwerk auf den Markt gebracht, in dem die "grünen" Bohnen vor dem Brauen des Kaffees erst noch geröstet werden: die Bonaverde Berlin. Im Küchenformat ist das neu, und TURN ON hat das Gerät getestet und den Kaffee natürlich auch probiert.

Wirklich handlich und klein ist die Bonaverde Berlin nicht: Das Gerät aus weißem, mattem Kunststoff mit grünen Elementen ist ein Trumm von einem halben Meter Höhe und einer Grundfläche von 25 x 25 Zentimetern. Vermutlich eine der größten Kaffeemaschinen, die es für den Heimgebrauch gibt.

Bonaverde Berlin: Finanzierung der Kaffeemaschine schwierig

Die Geschichte der Finanzierung des Geräts ist dornig: Vor über drei Jahren war die Maschine bei Kickstarter – und wurde dann lange nicht fertig, viele Termine konnten nicht eingehalten werden. Heute, etwa 500 Prototypen später, werden Beta-Geräte ausgeliefert, die immer noch Kinderkrankheiten haben. Bis zum endgültigen Verkauf sollen diese aber behoben sein.

In der Redaktion kam eine Beta-Version der Kaffeemaschine an, bei der die Macher aus Berlin bereits angekündigt hatten, dass etwa  die Auffangkammer für die Schalen noch provisorisch mit Aluminium-Tape bearbeitet ist. Das ist aber kein Problem, da der Behälter unsichtbar im Inneren der Maschine steckt. Auffällig war auch schnell, dass nicht alle Spaltmaße der Plastikverkleidung stimmig waren. Hier sichert der Hersteller aber zu, dass diese in den fertigen Geräten exakter ausfallen sollen. Es wird beim Hersteller ebenfalls untersucht, ob der Luftfilter weiter verbessert werden kann, um den beim Rösten auftretenden Geruch zu entschärfen. Auf den Test haben solche kleinen Mängel daher keinen Einfluss. Ansonsten wirkt das Produkt sehr fertig, und es gibt eigentlich keine unmittelbar sichtbaren "Beta-Merkmale" mehr. Die Beta-Phase hat derzeit keinen Endtermin, soll aber jetzt langsam auslaufen. Das Feedback der Tester war laut Bonaverde sehr reichhaltig, und die Ingenieure arbeiten bereits daran, die Vorschläge umzusetzen.

Zuerst wird Wasser eingefüllt, ... fullscreen
Zuerst wird Wasser eingefüllt, ... (©TURN ON 2017)
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... dann der Kaffee ... (©TURN ON 2017)
... und der Filter. fullscreen
... und der Filter. (©TURN ON 2017)
Nach dem Scannen des Etiketts ... fullscreen
Nach dem Scannen des Etiketts ... (©TURN ON 2017)
... startet der Röstvorgang. fullscreen
... startet der Röstvorgang. (©TURN ON 2017)

Filter reicht nur für 30 Brühvorgänge

Das Aufbauen und Einrichten der Bonaverde Berlin ist einfach: Nach dem Auspacken muss ein mitgelieferter Luftfilter eingesetzt werden. Vorher ist es nötig, diesen zu scannen, damit der eingebaute RFID-Chip eingelesen werden kann. Hintergrund: Damit sich der Filter nicht zu sehr mit Staub zusetzt, darf er nur für 30 Röst- und Brühvorgänge verwendet werden. Die Einhaltung dieses Intervalls wird durch Einlesen des RFID-Chips sichergestellt. Ist der Filter in der Maschine abgelaufen, muss ein neuer eingelesen und eingesetzt werden.

Danach kann es losgehen. Zuerst wird Wasser in den seitlichen Behälter eingefüllt. Man hat dabei die Wahl zwischen drei Stufen: easy, medium und strong. Für die Beta-Phase empfiehlt der Hersteller jedoch grundsätzlich wenig Wasser und die Stufe "strong" zu wählen, da der Kaffee ansonsten zu dünn wird. Hier gilt es offensichtlich noch, die Menge des Kaffees, die Wassermenge und auch den Mahlgrad zu justieren. Mit der Einstellung "strong" jedenfalls waren die Ergebnisse durchaus in einem normalen Bereich, aber eher nicht stark – wie man vielleicht vermuten würde.

 "Grüne" Bohnen? So sieht ungerösteter Rohkaffee aus. fullscreen
"Grüne" Bohnen? So sieht ungerösteter Rohkaffee aus. (©TURN ON 2017)

Kaffee soll von den Anbietern über Bonaverde direkt vermarktet werden

Der Kaffee kommt portionsweise in Kaffeefiltern verpackt. Die Filter sind oben zusammengeheftet, aber diese Heftung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu locker, sodass die grünen Bohnen beim Versand schnell herauspurzeln. Auch hier hat der Hersteller zugesagt, sich um eine stabilere Lösung kümmern zu wollen. Für später ist es übrigens auch geplant, dass für Kaffee und Zubehör eine Art Marktplatz im Internet entstehen soll. Kaffeeanbieter sollen ihr Produkt dort mehr oder weniger direkt anbieten können, ohne einen der Kaffee-Multis einschalten zu müssen. Aber Provisionen fließen dann natürlich auch – an Bonaverde.

Ist der Kaffee in die Röstkammer gefüllt, muss das Etikett am oberen Abreißrand des Filters gescannt werden. Dort ist nämlich auch ein RFID-Chip eingearbeitet, auf dem ein entsprechendes Röstprofil hinterlegt ist. Dieses Profil, das zum Beispiel festlegt, wie lange die Bohnen in der Röstkammer "gebacken" werden, entscheidet später über Qualität und Geschmack des Kaffees. Im Röstprofil können Informationen wie Rösttemperatur, Abkühlphasen und Röstzeit gespeichert werden. "Außerdem hat jeder Chip eine einzigartige ID, über die er identifiziert werden kann. Das wird für weiterführende Funktionen der marktreifen Maschine wichtig werden", so der Hersteller auf Nachfrage.

Der Kaffee läuft in die Kanne, und ... fullscreen
Der Kaffee läuft in die Kanne, und ... (©TURN ON 2017)
... wenn der Vorgang fertig ist, leuchten die LEDs grün. fullscreen
... wenn der Vorgang fertig ist, leuchten die LEDs grün. (©TURN ON 2017)
Dann kann der Kaffee eingegossen und ... fullscreen
Dann kann der Kaffee eingegossen und ... (©TURN ON 2017)
... der Filter entfernt werden. fullscreen
... der Filter entfernt werden. (©TURN ON 2017)
Die Kaffeemaschine passt trotz des ungewöhnlichen Designs gut in moderne Küchen. fullscreen
Die Kaffeemaschine passt trotz des ungewöhnlichen Designs gut in moderne Küchen. (©TURN ON 2017)

Mit einem Smartphone selber Röstprofile schreiben

Wer keine Bohnen vom Anbieter Bonaverde beziehen will, sondern etwa übers Internet Rohkaffee kaufen möchte, kann sich auch eigene Röstprofile erstellen. Das soll mit leeren, beschreibbaren RFID-Chips und einer Smartphone-App klappen – vorausgesetzt natürlich, das Gerät beherrscht NFC.

Der Röstprozess mit dem mitgelieferten, eher leichten Kaffee dauert rund 15 Minuten. Dabei entwickelt sich ein starker, von vielen als sehr unangenehm empfundener Geruch, der mit dem angenehmen Duft von frischem Kaffee nicht viel zu tun hat. Es riecht verbrannt und verkokelt, sodass die Kaffeemaschine nur in belüfteten Räumen einsetzbar ist und garantiert nicht im Wohnzimmer. Und im Büro werden mit Sicherheit Kollegen sein, die den Geruch des Kaffee-Kraftwerks ziemlich furchtbar finden. Der Stromverbrauch der Maschine dagegen ist nicht besonders auffällig. das Gerät nimmt 800 Watt Leistung auf und bewegt sich damit im Rahmen dessen, was andere Filterkaffeemaschinen brauchen. Nach dem Rösten werden die Bohnen gut hörbar gemahlen, besonders leise ist die Bonaverde Berlin dabei nicht. Das Brühen selber geht fix und wird mit einem Signalton beendet.

Geschmack: Von "bitter" bis "frisch, mild, würzig" und "riecht nach Minze"

Und der Geschmack? Hier scheiden sich natürlich die Geister. Bei einem Test in der TURN ON-Redaktion waren die Reaktionen der Tester zunächst nicht besonders euphorisch: Der Kaffee sei "unspektakulär" und schmeckt wie "guter Filterkaffee" ist "etwas dünn" und auch "bitter". Nach der zweiten Tasse wurden die Urteile dann durchgehend besser, größtenteils haben die Tester die Bewertungen deutlich nach oben korrigiert. "Geschmacklich schön mild, ohne bitteren Nachgeschmack" oder "schmeckt sehr frisch, würzig, mild" und "Zweite Tasse sehr viel leckerer, Kaffee recht mild, auch mit Sojamilch lecker", lauteten die Urteile. Eine Kollegin fand, dass es "leicht nach Minze riecht", während eine andere zwar den Geschmack lobt, aber über das "Sodbrennen des Jahrtausends" klagt.

 Gelegentlich müssen die Schalen der Bohnen aus dem Auffangbehälter entfernt werden. fullscreen
Gelegentlich müssen die Schalen der Bohnen aus dem Auffangbehälter entfernt werden. (©TURN ON 2017)

Unterm Strich kann man sagen, dass sich das Geschmackserlebnis erst einstellen muss und der starke Röstgeruch vermutlich auch den Geschmack beeinträchtigt. Denn die Tester klagten mitunter über einen verbrannten Geschmack des Kaffees, was sich in dem Moment besserte, als die Maschine in einen abgeschlossenen Raum gestellt wurde.

Was die Wartung betrifft, ist das Gerät natürlich aufwändiger als eine normale Filterkaffeemaschine. Neben dem Filter muss das Mahlwerk mindestens alle sechs Monate gereinigt werden, und die Schalen der Kaffeebohnen landen in einem Auffangbehälter, der auch ab und zu geleert werden muss. Entkalken ist ebenfalls regelmäßig fällig, unterm Strich ist der Aufwand wohl ähnlich wie bei einer Espressomaschine.

Fazit: Kaffeemaschine für experimentierfreudige Fans

Keine Frage, die Bonaverde Berlin ist ein interessantes und innovatives Produkt. Kaffee rösten und dann mahlen und kochen – diese Kombi ist neu. Mit einem Preis von 800 Euro und einem Kannenpreis für den Kaffee zwischen einem und sechs Euro ist der Kaffee eher teuer. Der Geschmack ist gut, aber mit zu hohen Erwartungen sollte man der Bonaverde Berlin vielleicht nicht begegnen. Sehr stark störend – und möglicherweise auch den Geschmack beeinträchtigend – ist der Röstgeruch, der für viele Nutzer ungewöhnlich und überraschend sein dürfte.

Ob es besonders umweltfreundlich ist, in wirklich jeden Kaffeefilter einen RFID-Chip einzuarbeiten, sei dahingestellt. Jedenfalls fällt daran auf, dass der Hersteller versucht, die Kunden an sich zu binden. Pläne, dass mit der Bonaverde Berlin nur Kaffee des Anbieters verwendet werden kann, sind allerdings vom Tisch. Insgesamt ein Produkt für experimentierfreudige Kaffeefans, das sehr gut ankommt. Der Hersteller gibt an, für dieses Jahr schon 100.000 Vorbestellungen zu haben. Wann das fertige Produkt aber wirklich auf den Markt kommt, steht noch nicht fest. Die ersten fertigen Maschinen sollen aber ab der zweiten Jahreshälfte an die Vorbesteller ausgeliefert werden.

TURNON
Score
2.8
Bonaverde Berlin
Bonaverde Berlin
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  • Ausstattung
    4.0
  • Design
    2.0
  • Energieverbrauch
    4.0
  • Handling
    4.0
  • Nutzerzufriedenheit
    2.0
  • Preis-Leistung
    1.0

Datenblatt

  • Gerätetyp
    Kaffeemaschine
  • Abmessungen
    49,0 x25,0 x 25,0 Zentimeter
  • Gewicht
    9 Kilogramm
  • Farben
    Weiß/Grün
  • Lieferumfang
    Bonaverde Berlin. Kabel, Anleitung
  • Preis (UVP)
    799 Euro
  • Leistung
    800 Watt
  • Besondere Merkmale
    Röstet den Kaffee, bevor dieser gebraut wird
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