Meinung

"Dieses bescheuerte Herz"-Kritik: "Ziemlich beste Freunde 2.0"?

Die bewegende Geschichte beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Lars Amend und Daniel Agricola.
Die bewegende Geschichte beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Lars Amend und Daniel Agricola. (©Constantin Film 2017)

Geschichten über Krankheit und Sterben müssen nicht zwangsläufig deprimierend sein – das wissen wir spätestens seit "Ziemlich beste Freunde". Ob "Dieses bescheuerte Herz" uns genauso überraschen kann, liest Du in unserer Filmkritik.

Wunscherfüller wider Willen: Die Story

Lenny (Elyas M'Barek) genießt das Leben – mit Papas Kreditkarte zieht er durchs Münchener Nachtleben und feiert, als gäbe es kein Morgen. Als er eines Nachts betrunken den sündhaft teuren Sportwagen seines Vaters (Uwe Preuss) im Pool versenkt und diese dämliche Aktion nur mit einem Schulterzucken kommentiert, ist es mit dessen Geduld allerdings vorbei. Der Herzspezialist verdonnert seinen Sohn, einen seiner todkranken Patienten zu betreuen und ihm jeden Wunsch zu erfüllen: den fünfzehnjährigen David (Philip Noah Schwarz). Lenny merkt schnell, dass das gar nicht so einfach ist: Nicht jeder von Davids Wünschen lässt sich mit Geld bezahlen ...

Eine wahre Geschichte – und was von ihr übrig blieb

"Dieses bescheuerte Herz" ist kein Film, den man sich für einen lustigen Kinoabend vornehmen sollte. Die Geschichte von Lenny und David hat zwar durchaus ihre Schmunzelmomente, aber im Kern ist sie todernst – und zwar buchstäblich. Dass Regisseur Marc Rothemund dem schwierigen Thema mit einem ernsten Erzählton Respekt zollen will, ist nachvollziehbar. Unglücklicherweise fehlt dem Film aber dadurch über große Strecken der Unterhaltungswert, den zum Beispiel der Genrekollege "Ziemlich beste Freunde" auszeichnete. Die große, lebensbejahende Geschichte, die eigentlich hinter "Dieses bescheuerte Herz" steckt – die wahre Geschichte von Daniel Meyer und Lars Amend aus der gleichnamigen Buchvorlage – geht dadurch leider etwas unter.

Schluss mit dem Partyleben: Von seinem Vater bekommt Lenny (Elyas M'Barek) eine nicht einfache Aufgabe aufgebrummt. fullscreen
Schluss mit dem Partyleben: Von seinem Vater bekommt Lenny (Elyas M'Barek) eine nicht einfache Aufgabe aufgebrummt. (©Constantin Film 2017)
Dem todkranken David soll er fortan wie ein großer Bruder sein und ihm jeden Wunsch erfüllen. fullscreen
Dem todkranken David soll er fortan wie ein großer Bruder sein und ihm jeden Wunsch erfüllen. (©Constantin Film 2017)

Elyas M'Barek: Charmant trotz schwieriger Rolle

Elyas M'Barek spielt die Figur des Lenny mit nicht von der Hand zu weisendem Charme. Leider liegt der größte Fehler des Drehbuchs aber ausgerechnet in der fiktiven Biografie seiner Rolle. Während sein Real-Life-Vorbild Lars Amend durch ein lebensbedrohliches Erlebnis in den Slums von Rio de Janeiro aus seiner Depression gerissen wurde und daraufhin den Wunsch nach tiefgreifenden Veränderungen in seinem Leben spürte, haben die Autoren den Film-Lenny kurzerhand zu einem gedankenlosen Partyproll degradiert, der von seinem reichen Vater zu lebensverändernden Einsichten gezwungen werden muss. Angesichts des (wenn überhaupt) nur schemenhaft skizzierten inneren Konflikts der Figur kommt der Wandel vom oberflächlichen Egomanen zum sich sorgenden Wunscherfüller und "großen Bruder" dann doch sehr abrupt und wenig glaubwürdig.

Aller Anfang ist schwer ... fullscreen
Aller Anfang ist schwer ... (©Constantin Film 2017)
... doch Lenny und David werden zu ziemlich echten Brüdern. fullscreen
... doch Lenny und David werden zu ziemlich echten Brüdern. (©Constantin Film 2017)

Starkes Ensemble, schwache Umsetzung

Auch das restliche Ensemble liefert eine respektable Vorstellung ab. Insbesondere Philip Noah Schwarz, der in der Rolle des David sein Kinodebüt gibt, spielt den ständigen Wechsel zwischen Todeskampf und überschwänglich-kindlicher Begeisterung mit sehr viel Natürlichkeit und hat keinerlei Probleme, das Publikum schnell für sich zu gewinnen. Uwe Preuss verkörpert die Figur des engagierten Herzspezialisten und enttäuschten Vaters mit chirurgisch-nüchterner Präzision und trifft mit seiner Mischung aus Grobheit und Herzensgüte genau den richtigen Ton. Gute Voraussetzungen also von der schauspielerischen Seite her, die durch ein schwaches Drehbuch und eine allzu schüchterne Inszenierung leider Krücken verpasst bekommen. So bleibt die Erkenntnis: "Dieses bescheuerte Herz" macht nachdenklich, ja, manchmal sogar traurig. Und am Ende auch ein wenig Hoffnung. Für einen Erfolg à la "Ziemlich beste Freunde" fehlt dem Film aber leider die nötige Portion Mut und Wahrhaftigkeit.

 Lenny (Elyas M'Barek, l.) hat es zu weit getrieben – sein Vater (Uwe Preuss) zieht einen Schlussstrich. fullscreen
Lenny (Elyas M'Barek, l.) hat es zu weit getrieben – sein Vater (Uwe Preuss) zieht einen Schlussstrich. (©Constantin Film 2017)

"Dieses bescheuerte Herz": Fazit

"Dieses bescheuerte Herz" ist kein Film für den schnellen Kino-Kick. Wer bereit ist, sich auf das schwierige Thema einzulassen, wird dem Film aber trotz offensichtlicher Mängel im Storytelling etwas abgewinnen können – insbesondere dank solider schauspielerischer Leistungen von Elyas M'Barek und Co.

TURN ON-Wertung: 2,5/5

Datenblatt

  • Originaltitel
    Dieses bescheuerte Herz
  • Produktionsland/-jahr
    Deutschland, 2017
  • Genre
    Drama
  • Besetzung
    Elyas M'Barek, Philip Noah Schwarz, Uwe Preuss
  • Regie
    Marc Rothemund
  • Kinostart (D)
    21. Dezember 2017
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