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"Far Cry Primal" im Test: Tausche AK-47 gegen Keule

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Far Cry Primal
Far Cry Primal (©Screenshot TURN ON 2016)

"Far Cry Primal" ist der mittlerweile fünfte Teil der beliebten Shooter-Reihe von Ubisoft. Im neuesten Ableger tauscht der Spieler jedoch Gewehr und Handgranate gegen Speer und Keule ein und wird ins Jahr 10.000 vor Christus zurückversetzt. Wir checken im Test, ob der Zeitsprung dem Ego-Shooter gut getan hat.

Story und Setting: Das Spiel ist, was Du daraus machst

In "Far Cry Primal" übernimmt der Spieler die Rolle von Takkar, einem Krieger des fiktiven Stammes der Wenja. Im Land Oros, das laut den Entwicklern an die osteuropäischen Karpaten angelehnt ist, muss sich Takkar nach einer unfreundlichen Begegnung mit einem Säbelzahntiger zunächst alleine durchschlagen. Schnell lernt er jedoch andere Wenja wie die Sammlerin Sayla oder den etwas verrückten Schamanen Tensay kennen und wird in einen Krieg der beiden feindlichen Stämme der Udam und der Izila hineingezogen.

"Far Cry"-typisch spielt die Story aber auch in "Primal" eine eher untergeordnete Rolle. Die Spielwelt selbst ist vielmehr der eigentliche Star – und hier hat Ubisoft mal wieder ganze Arbeit geleistet. Wie schon Afrika in "Far Cry 3" und Nepal beziehungsweise Tibet in "Far Cry 4" ist auch das fiktive Oros in "Far Cry Primal" eine riesige und lebendige Welt, vollgestopft mit Nebenaufgaben und Side-Quests.

Somit kommt im Test auch in der Steinzeit schnell wieder das bekannte "Far Cry"-Feeling auf: Eigentlich ist man gerade auf dem Weg zu einer Story-Mission, als einen hinter dem nächsten Hügel plötzlich eine Jagdmission mit einem Mammut anlacht. Zwei Stunden später hat man die Story-Mission zwar immer noch nicht absolviert, dafür aber zwei feindliche Lager übernommen, einen Höhlenbären gezähmt und ist auf einem Mammut geritten. Auch in "Far Cry Primal" steht dem Gamer also wieder ein riesiger Sandkasten zum Austoben zur Verfügung – und dort werden auch die eigentlich spannenden Geschichten des Spiels geschrieben.

Relativ früh im Spiel trifft man auf die Sammlerin Sayla... fullscreen
Relativ früh im Spiel trifft man auf die Sammlerin Sayla... (©Screenshot TURN ON 2016)
... und den etwas verrückten Schamanen Tensay. fullscreen
... und den etwas verrückten Schamanen Tensay. (©Screenshot TURN ON 2016)
Der Stamm der Udam ist einer der Hauptgegner in "Far Cry Primal". fullscreen
Der Stamm der Udam ist einer der Hauptgegner in "Far Cry Primal". (©Screenshot TURN ON 2016)

Grafik und Sound: So schön kann die Steinzeit sein

In Sachen Grafik und Sound gibt sich "Far Cry Primal" keine Blöße. Im Test auf der PlayStation 4 lief das Spiel meist butterweich und ohne Ruckler mit etwa 30 Frames per Second. Größere Grafikfehler oder Bugs konnten nicht beobachtet werden – bis auf die typischen kleinen Open-World-Fehler wie manchmal im Boden versinkende Tiere. Bei anderen Titeln wie etwa "Fallout 4" war die Bug-Dichte aber deutlich höher. Die Welt von "Far Cry Primal" ist schön gestaltet und abwechslungsreich zugleich. Ob dichte Wälder, größere Seen oder schneebedeckte Eiswüsten – alles wirkt organisch zusammenhängend und detailliert. Zudem ist der Tag- und Nachtwechsel mit sich langsam ändernden Lichtverhältnissen sehr schön umgesetzt worden.

Die Kämpfe mit Pfeil und Bogen laufen flüssig und zugleich ziemlich brutal ab. fullscreen
Die Kämpfe mit Pfeil und Bogen laufen flüssig und zugleich ziemlich brutal ab. (©Screenshot TURN ON 2016)
Leuchtfeuer dienen in "Far Cry Primal" als Schnellreise-Punkte. fullscreen
Leuchtfeuer dienen in "Far Cry Primal" als Schnellreise-Punkte. (©Screenshot TURN ON 2016)
Mit Hilfe einer Eule kann man Feinde auskundschaften. fullscreen
Mit Hilfe einer Eule kann man Feinde auskundschaften. (©Screenshot TURN ON 2016)
Die eigene Siedlung kann Schritt für Schritt aufgebaut werden. fullscreen
Die eigene Siedlung kann Schritt für Schritt aufgebaut werden. (©Screenshot TURN ON 2016)
Die Welt von "Far Cry Primal" ist riesig: Hier nur ein kleiner Kartenausschnitt. fullscreen
Die Welt von "Far Cry Primal" ist riesig: Hier nur ein kleiner Kartenausschnitt. (©Screenshot TURN ON 2016)

Soundtechnisch gibt sich "Far Cry Primal" dem Setting entsprechend sehr zurückhaltend. Musik – meist treibende Trommeln – setzt oft nur in besonderen Story-Momenten ein, ansonsten verlässt sich das Spiel mehr auf Umgebungssounds wie Vogelgezwitscher, Blätterrauschen oder das dumpfe Dröhnen eines weit entfernten Mammuts – definitiv eine gute Wahl. Übrigens: Die Entscheidung von Ubisoft, im Spiel allein auf indogermanische Sprache mit Untertiteln zu setzen, finde ich persönlich absolut richtig. Durch die fremdartig klingende Sprache ist das Setting gleich noch realistischer – Steinzeit-Kämpfer mit feinstem Hochdeutsch hätten hier eher irritierend gewirkt. Wer jedoch kein Freund von Untertiteln ist, könnte das vielleicht störend finden.

Gameplay: Immer noch ein "Far Cry"

Beim ersten Start von "Far Cry Primal" erwartet man eigentlich, dass sich das Gameplay sehr deutlich von den Vorgängern unterscheiden müsste. Immerhin tauscht man Pistole und AK-47 gegen Keule und Speer ein – und Allrad-Jeeps dürften 10.000 vor Christus auch eher selten gewesen sein. Nach ein paar Test-Stunden mit dem Spiel steht allerdings die Erkenntnis: "Primal" zockt sich immer noch wie ein waschechter "Far Cry"-Titel. Klar, wer möchte, kann mit der Keule oder dem Speer einen größeren Fokus auf den Nahkampf legen – der übrigens recht simpel von der Hand geht und nicht mit anderen Spielen wie "Skyrim" verglichen werden kann. Wer jedoch denkt, ohne Maschinengewehr und Granatwerfer macht ein Ego-Shooter keinen Spaß, irrt sich gewaltig. Auch mit Pfeil und Bogen oder Wurfspeer laufen die Gefechte in "Far Cry Primal" sehr schnell und zugleich ziemlich brutal ab.

Zentrale Spielelemente von "Primal" sind die "Hunter Vision"... fullscreen
Zentrale Spielelemente von "Primal" sind die "Hunter Vision"... (©Screenshot TURN ON 2016)
... und das Zähmen von Tieren. fullscreen
... und das Zähmen von Tieren. (©Screenshot TURN ON 2016)
Auch verrückte Traumsequenzen gibt es in "Primal" wieder. fullscreen
Auch verrückte Traumsequenzen gibt es in "Primal" wieder. (©Screenshot TURN ON 2016)

Während "Far Cry Primal" bei den normalen Kämpfen noch weitgehend realistisch abläuft, opfert das Game bei zwei anderen zentralen Elementen den Realismus für den Spielspaß. Da wäre zum einen die sogenannte "Hunter Vision", in der sich die Welt auf Knopfdruck schwarz-weiß färbt, während besondere Objekte wie Gegner, Tiere oder sammelbare Kräuter in strahlendem Gelb erscheinen – unrealistisch, aber praktisch. Noch etwas abgefahrener wird es beim Tierzähmer-Skill von Takkar. Schon recht früh im Spiel erlernt man nämlich das Bezwingen von wilden Raubtieren. Einmal gezähmt, können die pelzigen Freunde jederzeit per Knopfdruck gerufen werden und unterstützen den Spieler dann im Kampf.

Der restliche Spielverlauf von "Far Cry Primal" ist eine Weiterentwicklung bekannter Spielelemente aus den Vorgängern. Erneut steigt man durch Erfahrungspunkte auf und kann dann Skill-Punkte in Fertigkeiten wie bessere Heilung oder schnelleres Rennen investieren. Waffen und Ausrüstung werden durch das Sammeln von Fellen und Rohstoffen verbessert und die eigene kleine Siedlung kann ebenfalls ausgebaut und mit immer mehr Stammesmitgliedern bevölkert werden – nett, aber nicht unbedingt revolutionär.

Fazit: Bitte noch mehr Mut, Ubisoft!

Nach circa zehn Stunden in Oros bleibt die Erkenntnis: Die typische "Far Cry"-Formel funktioniert auch in "Primal" wieder hervorragend. Wenn sich (fast) die gesamte Karte nach dem kurzen Tutorial öffnet und schnell mit Dutzenden Nebenmissionen und Aktivitäten überflutet ist, kann das auf manche Spieler vielleicht überwältigend wirken. Echte "Far Cry"-Fans werden hingegen jubilieren ob der Vielzahl an Möglichkeiten.

Zum Setting selbst kann man Ubisoft eigentlich nur gratulieren: Nachdem die Serie mit dem immer gleichen Militär-Shooter-Szenario in wechselnden Welten langsam etwas ausgelutscht erschien, haucht die Steinzeitwelt der Reihe neues Leben ein, ohne jedoch die Stärken von "Far Cry" über Bord zu werfen. Bleibt zu hoffen, dass Ubisoft bei künftigen "Far Cry"-Titeln (die es ohne Frage geben wird) noch mehr Mut zur Innovation hat: warum nicht mal ein "Far Cry" im Wilden Westen oder im Mittelalter?

TURNON
Score
4.6
Far Cry Primal
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Datenblatt

  • Release-Datum
    23/02/2016
  • Genre
    Action
  • Plattform
    PS4, Xbox One, PC
  • Publisher
    Ubisoft
  • Entwickler
    Ubisoft Montreal
  • USK
    18
Meinung des Autors
Ich bin im Test von "Far Cry Primal" wirklich positiv überrascht worden – was vielleicht etwas komisch klingt, da ich eigentlich ein absoluter Fan der Serie bin und bislang jeden Teil begeistert gespielt habe. Bei "Primal" konnte ich mir jedoch zunächst nicht vorstellen, dass der Wechsel auf Nahkampfwaffen und einfache Fernwaffen wie Bögen so gut funktionieren würde. Tatsächlich gehen die Gefechte in "Far Cry Primal" aber wunderbar simpel und flüssig von der Hand, neue (wenn auch etwas unrealistische) Features wie die "Hunter Vision" oder das Zähmen von Tieren erweitern das Spielprinzip sinnvoll.

Star von "Far Cry Primal" ist aber ganz klar das unverbrauchte Steinzeit-Setting. Wer wie ich auch nur einen Funken Interesse für diese Zeit übrig hat, wird von dem Aufwand und der Mühe, die Ubisoft in diese Welt gesteckt hat, begeistert sein. Wer hingegen partout nicht auf Maschinengewehr und Jeep verzichten will, dürfte mit "Primal" wenig Freude haben.
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