Test

Die Garmin Vivoactive im Test: Erste Wahl für Sportler

star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star
Fitness-Tracker, Smartwatch oder Laufuhr? Die Garmin Vivoactive will alles sein.
Fitness-Tracker, Smartwatch oder Laufuhr? Die Garmin Vivoactive will alles sein. (©TURN ON 2015)

Für Technik-Fans gibt es Smartwatches, für Sportler spezielle GPS-Laufuhren und für Vermessungsfreunde eine Vielzahl an Fitness-Trackern. Die Garmin Vivoactive will all das in einem Gerät vereinen. Unser Test zeigt: Mit wenigen Abstrichen klappt das auch richtig gut.

Sport & Alltag: Ein Wearable für alles

Der Markt für Wearables wächst und wächst – und bringt eine stetig wachsende Modellvielfalt hervor. Da gibt es neben Smartwatches wie der Apple Watch, die auch einfache Fitnessfunktionen mitbringen, mittlerweile unzählige Fitness-Tracker von Jawbone, Fitbit und Co. Diese sind aber vor allem dafür gedacht, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Ernstzunehmende Trainingsanalysen sind von ihnen meist nicht zu erwarten. Sportler greifen daher nach wie vor häufig zur GPS-Laufuhr, um ihre Aktivitäten aufzuzeichnen und auszuwerten. Diese sind aber meist nicht nur teuer, sondern auch weniger für den Alltag gedacht.

Hybrid-Modelle wie die Fitbit Surge... fullscreen
Hybrid-Modelle wie die Fitbit Surge... (©TURN ON 2015)
... oder eben die Garmin Vivoactive fallen größer aus als Fitness-Tracker wie... fullscreen
... oder eben die Garmin Vivoactive fallen größer aus als Fitness-Tracker wie... (©TURN ON 2015)
... Jawbone Up3 oder Up2, bieten aber auch mehr Funktionen. fullscreen
... Jawbone Up3 oder Up2, bieten aber auch mehr Funktionen. (©TURN ON 2015)

Hier kommen Hybrid-Modelle wie die Fitbit Surge oder eben die Garmin Vivoactive ins Spiel. Sie fallen größer aus als der 08/15-Fitness-Tracker, bringen aber auch viel mehr Funktionen mit. Diese sollen sie zum perfekten Begleiter für den Sport und den Alltag machen. Kann die Vivoactive dieses Versprechen einlösen?

Design: Old Casio-Revival

Zumindest optisch dürfte die GPS-Sportuhr die Gemüter spalten. Während sich einige vielleicht wohlwollend an die rechteckigen Casio-Modelle aus den 80er-Jahren erinnern mögen, werden andere wohl weniger optimistisch von langweilig oder altbacken sprechen. Mit Abmessungen von 43,8 x 38,5 Millimetern fällt die Garmin Vivoactive fast quadratisch aus, zwei Bedienknöpfe und ein schlichtes Silikonarmband runden das nicht sonderlich spektakuläre Design-Paket ab. Immerhin: Die Armbänder lassen sich gegen andere Farb- und Materialvarianten austauschen, das Gehäuse ist in Schwarz oder Weiß erhältlich.

Komfort: So schlank trotz GPS

Im Vergleich zu Fitness-Trackern, die wie beispielsweise das Up2 von Jawbone mittlerweile echt klein ausfallen, zieht die Vivoactive aufgrund ihres Feature-Sets zwar den Kürzeren. Dafür fällt die GPS-Sportuhr mit 1,38-Zoll-Display erstaunlich schlank aus – viel dünner als die meisten dezidierten Laufuhren. Deshalb stört das Garmin-Modell auch nicht im Alltag. Über Smartwatches lässt sich das ebenfalls nicht immer sagen. Das Silikonarmband ist darüber hinaus auch beim Sport noch angenehm zu tragen und kein so extremer Fusselmagnet wie das der Fitbit Surge.

Display: Always-On & schön hell

Quadratisch, praktisch, gut? fullscreen
Quadratisch, praktisch, gut? (©TURN ON 2015)
Garmin scheint Gefallen am Design alter Casio-Modelle zu finden. fullscreen
Garmin scheint Gefallen am Design alter Casio-Modelle zu finden. (©TURN ON 2015)
Großer Pluspunkt: Trotz GPS an Bord ist die Vivoactive schön schlank. fullscreen
Großer Pluspunkt: Trotz GPS an Bord ist die Vivoactive schön schlank. (©TURN ON 2015)
Das Armband wird wie bei einer Uhr verschlossen und ist austauschbar. fullscreen
Das Armband wird wie bei einer Uhr verschlossen und ist austauschbar. (©TURN ON 2015)
Der Screen wird auf Knopfdruck beleuchtet und ist individuell gestaltbar. fullscreen
Der Screen wird auf Knopfdruck beleuchtet und ist individuell gestaltbar. (©TURN ON 2015)

Im Gegensatz zu den meisten Fitness-Trackern besitzt die Garmin Vivoactive einen LCD-Touchscreen, der mit 205 x 148 Pixeln zwar keine wahnsinnig hohe Auflösung zu bieten hat, aber immer gut ablesbar ist – selbst bei direkter Sonneneinstrahlung. Für Sport an der frischen Luft kein zu unterschätzendes Kriterium. Dank Always-On-Modus kann der Träger jederzeit die Uhrzeit ablesen, in dunklen Umgebungen lässt sich eine Hintergrundbeleuchtung per Druck auf den linken Knopf aktivieren. Einen Automatikmodus dafür gibt es nicht, vermutlich aus Energiespargründen.

Handling: Wischen, Touchen, Drücken

Wer eine Smartwatch sein will, braucht natürlich ein Betriebssystem. Das ist im Falle der Garmin Vivoactive nicht Android Wear, sondern eine herstellereigene Lösung. Die Bedienung ist dennoch intuitiv. Per Wischgeste zur Seite lässt sich durch verschiedene Bildschirme scrollen: Nachrichten, Kalender, Musik-Kontrollzentrum, Wetter und Tagesziel-Übersicht. Zurück zum Startbildschirm geht es per On-Screen-Pfeiltaste, das zweite Touch-Feld auf dem Display führt in Menüs. Links an der Uhr sitzt der Power-Button, der bei kurzem Druck die Hintergrundbeleuchtung ein- und ausschaltet. Der rechte Knopf öffnet den App-Drawer und startet/beendet Trainingseinheiten. Das klappte im Test alles problemlos und flüssig.

Tägliches Aktivitätstracking mit der Garmin Vivoactive

Der moderne Mensch lässt Schritte zählen – von Smartphones, Fitness-Trackern oder Smartwatches. Die Garmin Vivoactive bringt dieses Feature selbstverständlich auch mit und arbeitet dabei sogar ziemlich genau. Das Tagesziel ist bei der Sportuhr nicht starr auf 10.000 Schritte festgelegt. Neben der manuellen Auswahl besteht auch die Möglichkeit, automatische Tagesziele basierend auf dem erreichten Wert des Vortags festlegen zu lassen.

Die Synchronisierung erfolgt unmittelbar nach dem Start der Connect-App. fullscreen
Die Synchronisierung erfolgt unmittelbar nach dem Start der Connect-App. (©TURN ON 2015)
Die App dient als Kontrollzentrum und bietet Anbindung zum Connect IQ Shop. fullscreen
Die App dient als Kontrollzentrum und bietet Anbindung zum Connect IQ Shop. (©TURN ON 2015)
Ein Schwachpunkt der Vivoactive: das Schlaf-Tracking, das lediglich auf Bewegungserkennung basiert. fullscreen
Ein Schwachpunkt der Vivoactive: das Schlaf-Tracking, das lediglich auf Bewegungserkennung basiert. (©TURN ON 2015)
Eine Nacht hat die Uhr neben dem Bett gelegen. Ergebnis: mehr als 7 Stunden Tiefschlaf. fullscreen
Eine Nacht hat die Uhr neben dem Bett gelegen. Ergebnis: mehr als 7 Stunden Tiefschlaf. (©TURN ON 2015)

In einer weiteren typischen Fitness-Tracker-Disziplin kann die Vivoactive allerdings weniger punkten: der Schlafaufzeichnung. Erkennen Modelle wie das Jawbone Up3 den Schlaf mittlerweile automatisch, benötigt die GPS-Sportuhr die Info vom Nutzer, wann er üblicherweise ins Bett geht und wieder aufsteht. Ruht die Uhr dann für längere Zeit, wird das als Schlaf interpretiert. Aus einer nachts abgelegten Uhr machte die App im Test dann 7:41 Stunden Tiefschlaf. Nachts getragen versucht sie hingegen, Tief- und Leichtschlafphasen anhand der Bewegung auseinanderzuhalten. Das ist leider wenig genau.

Sportliche Aktivitäten per GPS tracken

Neben ihrem schlanken Design bietet die Garmin Vivoactive ein weiteres Killer-Feature für Sportler: einen integrierten GPS-Sensor. Sportliche Aktivitäten wie Laufen und Radfahren, aber zum Beispiel auch Schwimmen oder Golf können so aufgezeichnet und hinterher sehr detailliert ausgewertet werden. Einfache Fitness-Tracker stoßen hingegen schon beim Fahrradfahren an ihre Grenzen, weil sich das Bewegungsmuster stark von den alltäglichen Schritten unterscheidet.

Vorinstalliert sind verschiedene Apps für Laufen, Radfahren, Schwimmen, Golf, Gehen sowie drei Indoor-Modi für Running, Cycling und Walking, bei denen optional die Herzfrequenz, aber keine GPS-Strecke aufgezeichnet wird. In der Connect-App können zudem noch weitere Aktivitäten ausgewählt werden. Den Puls messen kann die Vivoactive allerdings nicht selber. Dafür bietet Hersteller Garmin seine Sportuhr aber im Bundle mit einem Pulsgurt an. Genau das haben wir uns für den Test vorgeknöpft.

Laufrunden können per GPS mitgeloggt... fullscreen
Laufrunden können per GPS mitgeloggt... (©TURN ON 2015)
... und anschließend im Detail ausgewertet werden. fullscreen
... und anschließend im Detail ausgewertet werden. (©TURN ON 2015)
Garmin bietet eine grafische Auswertung zahlreicher Parameter. fullscreen
Garmin bietet eine grafische Auswertung zahlreicher Parameter. (©TURN ON 2015)
Für das Messen der Herzfrequenz ist aber ein weiteres Gerät nötig. fullscreen
Für das Messen der Herzfrequenz ist aber ein weiteres Gerät nötig. (©TURN ON 2015)

Das Workout-Mitloggen ist ganz einfach. Dass unsere Laufrunde nicht als Runde erfasst wurde, ist einzig auf unseren Fehler zurückzuführen, dass wir nicht abgewartet haben, bis das GPS-Signal gefunden wurde. So lief die Trainingszeit bereits, als die Uhr begann, mit den Satelliten zu kommunizieren. Das Tracking erfolgt sehr präzise, keine abgerundeten oder verwaschenen Streckenverläufe zu erkennen – aber das war vom Navihersteller auch nicht anders zu erwarten. Probleme bereitete uns lediglich das Indoor-Training mit dem Pulsgurt, was allerdings an der nicht ganz passenden Weite des Herzfrequenzmessers lag. Beim Umstieg auf ein ANT+-fähiges Pulsarmband klappte alles sofort auf Anhieb.

Vernetzung & Smartwatch-Funktionen

Das war so ohne Weiteres möglich, weil sich die Garmin Vivoactive sehr verträglich mit anderen Geräten zeigt. Via Bluetooth wird das Smartphone gekoppelt, via ANT+ können Daten mit anderen Sensoren ausgetauscht oder beispielsweise die Action-Cam Garmin VIRB bedient werden. Zum Synchronisieren der Vivoactive-Daten ist die Connect-App von Garmin nötig. Auch das klappte im Test problemlos. Sofort nach dem Start der App wurden die Daten bei aktiviertem Bluetooth auf den neusten Stand gebracht. Die Erfahrung zeigt, dass das leider nicht bei allen Fitness-Trackern und Fitness-Apps der Fall ist.

Als vollwertige Smartwatch geht die Garmin Vivoactive allerdings nicht durch. Mit dem Smartphone via Bluetooth verbunden ist sie zwar in der Lage, über SMS, WhatsApp-Nachrichten, Tweets, Anrufe, Kalendereinträge oder E-Mails zu informieren. Zudem bezieht sie über die Internetverbindung des Handys aktuelle Wetterdaten und erlaubt die Bedienung der Standard-Musik-App auf dem Smartphone. Das große Manko: Eine Interaktion mit den Nachrichten ist nicht möglich. Wer antworten will, muss nach wie vor zum Handy greifen.

Erst in Verbindung mit dem Smartphone sind alle Funktionen nutzbar. fullscreen
Erst in Verbindung mit dem Smartphone sind alle Funktionen nutzbar. (©TURN ON 2015)
Die Synchronisation via Bluetooth klappte im Test jederzeit problemlos. fullscreen
Die Synchronisation via Bluetooth klappte im Test jederzeit problemlos. (©TURN ON 2015)
Der Akku der Vivoactive zeigte sich extrem ausdauernd. fullscreen
Der Akku der Vivoactive zeigte sich extrem ausdauernd. (©TURN ON 2015)
Keine Sorge: Mit zunehmender Schrittzahl guckt Homer Simpson immer freundlicher. fullscreen
Keine Sorge: Mit zunehmender Schrittzahl guckt Homer Simpson immer freundlicher. (©TURN ON 2015)

Gut gefallen hat hingegen der Garmin Connect IQ Shop, in dem Apps, Widgets und Watch Faces zum Herunterladen angeboten werden. Das klappte ohne Probleme. Daher schaute uns im Test dann Homer Simpson vom Startbildschirm der Uhr an – wenn er nicht gerade den immer wieder auftauchenden Sekundenzeiger in Form eines Donuts anstarrte.

Akkulaufzeit: So lange kann sonst keine

Einige Fitness-Tracker schaffen mitunter mehrere Monate, manch eine Smartwatch hält nicht mal einen Tag durch. Und die Garmin Vivoactive? Nach fünf Tagen Test mit drei etwa halbstündigen Sporteinheiten war der Akku noch etwa zu zwei Dritteln voll. Laut Hersteller sind sogar bis zu drei Wochen drin, bei dauerhaft aktiviertem GPS immerhin noch bis zu 10 Stunden. So viel schaffen die meisten GPS-Laufuhren nicht. Das Aufladen erfolgt über eine mitgelieferte Ladeschale.

Fazit: Smarte Wahl für Sportler

Wollen Wearables in möglichst vielen Kategorien antreten, geht das nicht immer gut. Im Endeffekt können sie dann in keinem Bereich Bestleistungen erzielen – wie das Beispiel der Fitbit Surge zeigt. Der Spagat zwischen Fitness-Tracker, Smartwatch und GPS-Uhr gelingt Garmin da schon deutlich besser. Zwar ist die Vivoactive ebenfalls nicht als vollwertige Smartwatch anzusehen. Und auch das Schlaf-Tracking zählt nicht zu Stärken der Uhr. Im Großen und Ganzen ist sie aber das beste Hybrid-Wearable, das wir bislang getestet haben. Die Multisport-Uhr ist trotz der vielen Features extrem schlank, hält vergleichsweise lange durch, das GPS arbeitet sehr genau und erlaubt präzise Trainingsanalysen. Obendrein macht sie einfach Spaß.

TURNON
Score
3.5
Garmin Vivoactive
Garmin Vivoactive
star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star
  • Akkuleistung
    4.0
  • Ausstattung
    3.5
  • Design
    2.5
  • Handling
    3.5
  • Hardware
    3.0
  • Nutzerzufriedenheit
    4.0
  • Preis-Leistung
    3.0

Datenblatt

  • Gerätetyp
    Smartwatch
  • Abmessungen
    43,8 x 38,5 x 8 Millimeter
  • Gewicht
    38 Gramm
  • Farben
    Schwarz, Weiß
  • Lieferumfang
    Garmin Vivoactive, Schnellstartanleitung, USB-Ladekabel / Datenkabel
  • Preis (UVP)
    249 Euro

Hardware und Software

  • Display-Größe
    1,38 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    205 x 148 Pixel, Farb-Touchscreendisplay
  • Betriebssystem
    Passend für Android und iOS, Android 4.3 oder höher bzw. iOS 8 oder höher
  • Konnektivität
    Bluetooth
  • Akkulaufzeit
    Bis zu 10 Stunden im GPS-Modus
  • Besondere Merkmale
    Wasserdicht bis 50 Meter, vorinstallierte Sport Apps für Laufen, Radfahren, Schwimmen und Golfen, "Find my Phone" Suchfunktion, Activity Tracker, zusätzliche kostenlose Apps erhältlich, ANT+ Schnitstelle ermöglicht Datenaustausch mit externen Sensoren, Datenanalyse via Garmin Connect
Meinung des Autors
Die Garmin Vivoactive habe ich mir im Anschluss an den Test gleich bestellt – allerdings ohne den Pulsgurt. Der saß erst nach einer Gaffer-Tape-Behandlung so an meinem Körper, dass er beim Laufen nicht verrutschte. Grundsätzlich finde ich das Training mit Brustgurt aber auch nicht sehr angenehm. Daher ist es gut, dass die Vivoactive ANT+ mitbringt und daher mit meiner Mio Fuse kompatibel ist. Diese kann einfach am anderen Handgelenk getragen werden und sendet während des Trainings präzise Pulswerte an die GPS-Uhr.

Klar, es wäre schon praktisch, Pulsmessung und GPS in einem Gerät zu haben. Aber die wenigen Modelle, die das heute bieten, bringen noch viele Nachteile mit: Meist sind sie groß und klobig, müssen ständig geladen werden und arbeiten auch nicht immer genau. Bis sich das ändert, trainiere ich weiter mit meiner Zwischenlösung – und freue mich, wenn mich Homer Simpson mit zunehmender Schrittzahl immer freundlicher vom Display anschaut.
Artikel-Themen

Neueste Artikel zum Thema 'Garmin Vivoactive'

close
Bitte Suchbegriff eingeben