Meinung

"Girl on the Train"-Filmkritik: Eine Zugfahrt mit Abgründen

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Emily Blunt glänzt als ambivalente Heldin im Psychothriller "Girl on the Train".
Emily Blunt glänzt als ambivalente Heldin im Psychothriller "Girl on the Train". (©CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC 2016)

Voyeurismus, Besessenheit, Abhängigkeit, Gewalt: "Girl on the Train" fährt die ganze Strecke gängiger Psychothriller-Themen ab. Wir haben den Film mit einer starken Emily Blunt bereits gesehen und sagen Dir in unserer Filmkritik alles, was Du wissen musst.

Pendeln als Anker: Die Story

Rachel (Emily Blunt, "Sicario") ist ganz unten angekommen: arbeitslos, geschieden, alkoholsüchtig. Ihr letzter Rettungsanker sind die Fahrten mit dem Pendlerzug jeden Morgen und Abend, mit denen sie verzweifelt versucht, ein Stück Routine zu bewahren. Doch ihre Besessenheit von einem jungen, attraktiven Paar, das sie täglich durch das Zugfenster beobachtet, nimmt immer groteskere Züge an. In Rachels Vorstellung haben die beiden das Leben, das eigentlich sie selbst führen sollte.

Eines Morgens wacht Rachel blutüberströmt in ihrem Apartment auf – sie kann sich aber nicht erinnern, was passiert ist. In den Nachrichten liest sie, dass die junge Frau, die sie so gerne wäre, vermisst wird. Hat Rachel etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Nach und nach versucht Rachel, das Puzzle zusammenzusetzen und steuert auf eine schockierende Erkenntnis zu …

Cleverer Thriller mit einer überragenden Emily Blunt

Der Psychothriller, der auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Paula Hawkins basiert, zieht trotz der wenig alltäglichen Thematik Parallelen zu unserem eigenen Leben – und vermag es deshalb sehr gekonnt, uns als Zuschauer abzuholen. Der Voyeurismus von Hauptfigur Rachel, den viele von Facebook und Co. kennen, ist eine klug gewählte Schnittstelle zu unserem täglichen Leben – und wird während des Zuschauens zu unserem eigenen.

Als Alkoholikerin ist Rachel zwar nicht unbedingt die beste Zeugin und Erzählerin, ihre Wahrnehmungen und Erinnerungen sind verschwommen. Doch das anfängliche Chaos ihrer Sinnsuche ergibt nach und nach Sinn. Immer mehr Zusammenhänge werden deutlich, ein Twist folgt auf den nächsten. Rachel erlangt Schritt für Schritt die Kontrolle über ihr Leben zurück. Somit läuft der neue Film von Regisseur Tate Taylor ("Winter's Bone") den typischen Genrestrukturen ein wenig entgegen: Normalerweise stürzen Thriller-Protagonisten immer tiefer in die Strudel aus Verschwörungen und Zweifel.

Filmszene "Girl on the Train" fullscreen
Filmszene "Girl on the Train" (©CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC 2016)
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Filmszene "Girl on the Train" (©CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC 2016)
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Filmszene "Girl on the Train" (©CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC 2016)

Tiefgreifende Wandlungen der Hauptfigur setzen Talent beim entsprechenden Mimen voraus. In dieser Abteilung kann Regisseur Taylor glücklicherweise auf eine der besten Schauspielerinnen zählen, die aktuell im internationalen Film unterwegs ist. "Girl on the Train" wird vor allem durch die starke Vorstellung von Emily Blunt getragen, die die klassische Anti-Heldin mit einer solchen Intensität zum Leben erweckt, dass man gar nicht anders kann, als sie trotz all ihrer Fehler zutiefst zu mögen. Ihr ist es auch zu verdanken, dass man dem Film die stellenweise etwas zu stereotyp vorgetragene Ernsthaftigkeit verzeiht.

Wie ein Detektiv wühlt sich "Girl on the Train" durch die Biografien der zahlreichen Figuren, immer auf der Suche nach der Wahrheit, die bis kurz vor dem Ende alle möglichen Optionen offen hält. Freunde von Filmen wie "Gone Girl" (2014) oder auch "The Sixth Sense" (1999) haben beim düsteren Ratespiel ihren Spaß. Und selbst ganz am Schluss, als eigentlich schon alles klar ist, wartet ein so brutales Sahnehäubchen auf den Zuschauer, dass das ganze Kino unweigerlich lachen muss.

"Girl on the Train": Fazit

Twistreiche Filme haben oft ein Problem: Sie entfalten nur beim ersten Sehen ihre volle Wirkung. Auch "Girl on the Train" ist ein solcher Fall – überzeugt filmisch aber auf fast allen Ebenen. Twists und Puzzles halten den Zuschauer bei der Stange, durch die Emily Blunts großartige emotionale Vorstellung entsteht eine Bindung zur Hauptfigur, die bis zum Ende nicht nachlässt. Und auch wenn an einigen Stellen zu sehr in die Klischee- und Melodramatikkiste gegriffen wird, ist "Girl on the Train" doch ein absolut solider Thriller.

TURN ON-Filmwertung: 3.5/5

"Girl on the Train" startet am 27. Oktober in den deutschen Kinos.

TURNON
Score
3.5
Girl on the Train
Girl on the Train
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Datenblatt

  • Originaltitel
    The Girl on the Train
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2016
  • Genre
    Thriller, Mystery
  • Länge
    1h 52min
  • Besetzung
    Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Lisa Kudrow
  • Regie
    Tate Taylor
  • Kinostart (D)
    27.10.2016
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