Test

Huawei Mate 9 im Test: Smartphone-Bolide mit Monster-Akku

Das Huawei Mate 9 hat in diesem Jahr auch eine Dual-Kamera mit Leica-Branding an Bord.
Das Huawei Mate 9 hat in diesem Jahr auch eine Dual-Kamera mit Leica-Branding an Bord. (©TURN ON 2016)

Spoiler oder Schürzen suchen wir beim Mate 9 vergebens, aber mit viel Alu und einer Lackierung in Gold Metallic kann auch das Smartphone aus China aufwarten. Was Porsche sein 911er ist – den es übrigens mal in einer sehr ähnlichen Farbe gab – ist Huawei die Mate-Serie. Wir haben das Flaggschiff aus Shenzhen auf eine Probefahrt entführt.

Nein, leider haben wir nicht das Porsche Design Mate 9, das Huawei quasi als getunte Version des Mate 9 präsentierte, zum Testen in die Finger bekommen. Doch auch die Serienversion des chinesischen Phablets geizt nicht mit Reizen. Die Performance eines Sportwagens gepaart mit dem Design einer Edel-Limousine zum Preis einer – naja, immerhin bezahlbaren Oberklasse. Klingt erst einmal nicht schlecht, oder? Auf das Huawei Mate 9 übertragen bedeutet dies: ein Hochleistungs-Chip mit 8 Kernen und 4 GB RAM, ein Aluminium-Unibody und ein Hochglanz-Finish für 699 Euro. Damit siedelt sich das Phablet ganz klar in der Smartphone-Oberklasse an, verspricht aber auch mehr als die meisten aktuellen Flaggschiffe von Apple, Samsung & Co. Ob es iPhone 7 Plus oder Galaxy Note 7 tatsächlich davon fährt, klären wir im Test.

Groß wird immer kleiner

Unter den Smartphones ist das Huawei Mate 9 kein VW up, sondern eher ein 7er BMW. Das heißt: Man hat ordentlich Smartphone in der Hand, für die Bedienung braucht man im Regelfall beide Hände. Aber mit immer kleiner werdenden Rändern schaffen es Smartphone-Hersteller heutzutage, immer riesigere Displays in vergleichsweise kleinen Geräten unterzubringen. So fällt das Mate 9 mit seinem 5,9-Zoll-Screen kaum größer aus als das iPhone 7 Plus, das ein 5,5-Zoll-Display bietet. Auch das Gewicht ist quasi identisch. Die Anordnung von Fingerabdrucksensor, Power-Button und Lautstärketasten ist ebenfalls sehr ergonomisch, sodass sich das Mate 9 auch mit kleinen Händen überraschend gut bedienen lässt – noch einmal besser als das 6 Zoll große Mate 8 aus dem letzten Jahr.

Auf Hochglanz poliert

Wir haben zwar nicht das Porsche Design Mate 9 getestet, ... fullscreen
Wir haben zwar nicht das Porsche Design Mate 9 getestet, ... (©TURN ON 2016)
... aber auch die Standard-Version kann sich sehen lassen. fullscreen
... aber auch die Standard-Version kann sich sehen lassen. (©TURN ON 2016)
Der Aluminium-Unibody macht einen sehr edlen Eindruck. fullscreen
Der Aluminium-Unibody macht einen sehr edlen Eindruck. (©TURN ON 2016)
Auf der Frontseite dominiert das riesige Display. fullscreen
Auf der Frontseite dominiert das riesige Display. (©TURN ON 2016)
Der Screen besitzt eigentlich nur noch oben und unten Ränder. fullscreen
Der Screen besitzt eigentlich nur noch oben und unten Ränder. (©TURN ON 2016)
An der Unterseite findet sich ein USB-Typ-C-Port. fullscreen
An der Unterseite findet sich ein USB-Typ-C-Port. (©TURN ON 2016)
Die Lautstärketasten sind gut mit dem Daumen zu erreichen. fullscreen
Die Lautstärketasten sind gut mit dem Daumen zu erreichen. (©TURN ON 2016)

Fast identisch ist allerdings das Design der beiden Phablet-Generationen. Das große Display steckt auch dieses Jahr in einem Aluminium-Unibody mit hübsch angeschliffenen, leicht abgerundeten Kanten. Nur in der Rückansicht verrät sich das Mate 9 dann doch eindeutig: Hier ist 2016 eine Dual-Kamera mit Leica-Branding, wie man sie bereits vom Huawei P9 kennt, zu finden. Zudem sorgt ein Hochglanz-Finish über dem Metallgehäuse für etwas zusätzlichen Luxus-Flair. Ob die glänzende Rückseite unanfälliger für Kratzer ist als die matte Oberfläche des Mate 8, muss die Zeit zeigen.

Kann man mit Full HD noch punkten?

Ein großes Display schreit natürlich auch nach einer großen Auflösung. Hier hat die Konkurrenz mit QHD zwar teilweise mehr zu bieten. Dennoch: Eine Full HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln ist immer noch vollkommen ausreichend bei einer Display-Diagonale von 5,9 Zoll. Angesichts der knackigen Farbdarstellung wird wohl auch niemand auf Pixelsuche gehen. Insbesondere selbst geknipste Fotos kommen auf dem großen und hellen Screen ganz hervorragend zur Geltung. Auf dem oben gezeigten Foto sind sogar einzelne leuchtende Tautropfen am Baum zu erkennen – bei der Ansicht am PC-Monitor ging dieser Effekt fast verloren.

Dual-Kamera erlaubt kreatives Austoben

Wenn wir schon von den Fotos sprechen, können wir auch gleich ein paar Worte über die Dual-Kamera des Huawei Mate 9 verlieren, bevor wir uns der restlichen Hardware widmen. Im 2016er Mate-Modell steckt jetzt auch eine Doppellinse, wie man sie vom P9 kennt – nur leicht verbessert. Ein RGB-Sensor mit 12 Megapixeln wird von einem monochromen Sensor mit 20 Megapixeln unterstützt, dem gesamten Kamerakonzept wurde ebenfalls ein Leica-Stempel aufgedrückt.

Wie schon im Huawei-P9-Test begeistern die ersten Fotoversuche. Vor allem die Schwarz-Weiß-Fotos überzeugen mit großartigem Kontrast und besonderem Flair. Die Farbfotos sind ebenfalls gut, aber nicht besser als bei anderen aktuellen Top-Smartphones wie dem iPhone 7 Plus oder dem Google Pixel XL. Da ich privat das P9 eine zeitlang auf Herz und Nieren geprüft und im Urlaub einem Foto-Härtetest unterzogen habe, kann ich sagen: Insbesondere bei Landschaftsaufnahmen liefert die Huawei-Kamera etwas blassere Fotos als etwa das Galaxy S7.

Das Huawei Mate 9 besitzt eine Dual-Kamera... fullscreen
Das Huawei Mate 9 besitzt eine Dual-Kamera... (©TURN ON 2016)
... mit einem 12-Megapixel-RGB-Sensor... fullscreen
... mit einem 12-Megapixel-RGB-Sensor... (©TURN ON 2016)
... und einem monochromen Sensor mit 20 Megapixeln. fullscreen
... und einem monochromen Sensor mit 20 Megapixeln. (©TURN ON 2016)
Die Schwarz-Weiß-Bilder haben einen gewissen Leica-Flair. fullscreen
Die Schwarz-Weiß-Bilder haben einen gewissen Leica-Flair. (©TURN ON 2016)
Auch mit schwierigen Lichtverhältnissen kommt das Mate 9 ziemlich gut zurecht. fullscreen
Auch mit schwierigen Lichtverhältnissen kommt das Mate 9 ziemlich gut zurecht. (©TURN ON 2016)
Der Automatikmodus machte im Test fast durchweg gute Fotos. fullscreen
Der Automatikmodus machte im Test fast durchweg gute Fotos. (©TURN ON 2016)
Wer möchte, kann aber natürlich manuell nachregeln. fullscreen
Wer möchte, kann aber natürlich manuell nachregeln. (©TURN ON 2016)
Im Vergleich mit anderen Flaggschiffen wirken die Fotos ab und zu etwas blasser. fullscreen
Im Vergleich mit anderen Flaggschiffen wirken die Fotos ab und zu etwas blasser. (©TURN ON 2016)
Besonders auf dem 5,9-Zoll-Screen des Phablets beeindrucken sie aber. fullscreen
Besonders auf dem 5,9-Zoll-Screen des Phablets beeindrucken sie aber. (©TURN ON 2016)
Auf diesem Bild scheint der Tau am Baum regelrecht zu leuchten. fullscreen
Auf diesem Bild scheint der Tau am Baum regelrecht zu leuchten. (©TURN ON 2016)
Besonderheit der Dual-Kamera: der Große-Blende-Modus. fullscreen
Besonderheit der Dual-Kamera: der Große-Blende-Modus. (©TURN ON 2016)
Damit lassen sich Fotos mit Unschärfeeffekt schießen. fullscreen
Damit lassen sich Fotos mit Unschärfeeffekt schießen. (©TURN ON 2016)
Die simulierte Blende kann weiter geöffnet oder geschlossen werden... fullscreen
Die simulierte Blende kann weiter geöffnet oder geschlossen werden... (©TURN ON 2016)
... sogar noch im Nachhinein in der Galerie. fullscreen
... sogar noch im Nachhinein in der Galerie. (©TURN ON 2016)

Besondere Erwähnung sollte aber auch noch der Große-Blenden-Modus des Huawei Mate 9 finden, mit der sich alle Hobbyfotografen kreativ austoben können. Da die Kamera zwei Linsen besitzt, kann sie Tiefeninformationen einfangen und den Effekt einer großen Blendenöffnung simulieren. Wie bei einer DSLR lässt sich die simulierte Blendenöffnung in der Kamera-App verändern – und das sogar noch beim fertigen Foto. Per Fingertipp wird dann ein neuer Bereich fokussiert und ein anderer unscharf dargestellt. Das funktioniert schon ganz gut, hat – wie jede Software-Simulation eines optischen Features – aber auch noch einige Schwachstellen. Kollege Patrick hat sich schon näher damit befasst und die Dual-Cams von Mate 9 und iPhone 7 Plus gegenübergestellt.

Monster-Chip für Monster-Performance

Beim Triebwerk des Huawei-Phablets, dem hauseigenen Kirin 960, wird es mal wieder Zeit für Auto-Analogien: Wie ein brüllender V8 in amerikanischen Muscle-Cars liefern die acht Kerne des HiSilicon-Chips dem Phablet massig Leistung. Zumindest in unseren Geekbench 4-Tests hing das Mate 9 mit 4 GB RAM viele aktuelle Flaggschiffe sowohl im Singlecore- als auch im Multicore-Vergleich ab. Zumindest was die Prozessor-Performance angeht, haben etwa das Galaxy S7 oder das mittlerweile eingestellte Note 7 das Nachsehen. Nur in Sachen Grafikleistung gehört das Mate 9 noch nicht zur absoluten Spitze. So konnte zum Beispiel das Google Pixel XL mit seiner Adreno-GPU die Mali-G71 des Huawei-Phablets hinter sich lassen.

Das soll das Bild vom Mate 9 jedoch nicht trüben: Das edle Handy zählt in Sachen Performance derzeit zur absoluten Smartphone-Elite. Das fängt beim wahnsinnig fixen Fingerabdrucksensor an, zieht sich über absolut flüssiges Multitasking und reicht bis zur Kamera, die in 0,8 Sekunden bereit zum Ultraschnappschuss ist. Laut Hersteller wird das Mate 9 mit zunehmender Nutzungsdauer zudem nicht langsamer – im Gegenteil: Eine KI will das alltägliche Nutzungsverhalten kennenlernen und Rechenprozesse immer weiter optimieren. Ein schnelleres Smartphone wirst Du aktuell tatsächlich kaum finden.

Nougat & EMUI: Jetzt auch mit App-Drawer

Ausgeliefert wird das Huawei Mate 9 mit der neusten Android-Version. Zusätzlich zu Android 7.0 Nougat ist Huaweis EMUI-Oberfläche in der Version 5.0 installiert. Die Firmware allein nimmt dann bereits gut 11 GB Speicherplatz ein – gut also, dass der interne Speicher bis zu 64 GB fasst und per microSD-Karte erweiterbar ist. Die EMUI-Oberfläche erinnert nach wie vor ein wenig an iOS, anders als bei den letzten Huawei-Flaggschiffen kann der Besitzer auf Wunsch aber auch wieder einen App-Drawer nutzen. Dank Android 7.0 Nougat wird auch Googles VR-Plattform Daydream unterstützt. Zumindest zum Testzeitpunkt erhielten wir beim Versuch, Daydream-Apps herunterzuladen, jedoch die Meldung: "Dein Gerät ist nicht mit dieser Version kompatibel". Später solltest Du jedoch auch das Huawei Mate 9 zusammen mit der Google Daydream View VR-Brille nutzen können.

Unschlagbare Akkuleistung

Ein Vorteil von großen Smartphones? Es passt ein großer Akku hinein! Satte 4000 mAh spendiert Huawei dem Mate 9. Und da der Screen sich mit Full HD zufriedengibt und der Prozessor anscheinend nicht nur schnell, sondern auch effizient arbeitet, springen dabei zwei Tage Akkulaufzeit raus. Noch viel länger hält der Energiespeicher, wenn man das Smartphone im Alltag wenig nutzt. Im Stand-by sinkt die Akkustandsanzeige wirklich langsam, Wenignutzer können getrost auch ohne Ladegerät in den Wochenendurlaub starten. Geladen wird das Mate 9 übrigens via USB Typ-C, die Supercharge-Funktion versorgt das Phablet in nur 20 Minuten mit ausreichend Energie für einen ganzen Tag – das kam in unserem Test ganz gut hin.

Fazit: Die Note 7-Chance

Fixe Kamera, starke Performance & ein Monster-Akku: Das Huawei Mate 9... fullscreen
Fixe Kamera, starke Performance & ein Monster-Akku: Das Huawei Mate 9... (©TURN ON 2016)
... kann in vielen Bereichen punkten. fullscreen
... kann in vielen Bereichen punkten. (©TURN ON 2016)
Android 7.0 Nougat ist schon mit an Bord. fullscreen
Android 7.0 Nougat ist schon mit an Bord. (©TURN ON 2016)
Damit liefert Huawei ein stimmiges Gesamtpaket. fullscreen
Damit liefert Huawei ein stimmiges Gesamtpaket. (©TURN ON 2016)

Das Samsung Galaxy Note 7 ist tot, mit dem Apple iPhone 7 Plus legst Du Dich auf iOS fest und das Google Pixel XL kostet mindestens 899 Euro. Gute Voraussetzungen also für das Huawei Mate 9 im überschaubaren Segment der Premium-Phablets. Das Smartphone aus China muss sich weder in Sachen Design noch hinsichtlich der Performance hinter den Konkurrenzmodellen der anderen großen Marken verstecken. In einem Bereich hat es sogar unangefochten die Nase vorn: Weder iPhone 7 Plus noch Pixel XL können mit einem derart ausdauernden Akku punkten. Und dann wäre da ja noch der Preis: 699 Euro sind zwar für die meisten Menschen ein ordentlicher Batzen Geld. Für die aktuell ähnlichsten Modelle musst Du aber noch mindestens 200 Euro mehr in die Hand nehmen. Wir sind daher überzeugt: Das Huawei Mate 9 dürfte nicht nur die Herzen enttäuschter Samsung-Kunden für sich gewinnen. Pssst: Bisher sind uns auch noch keine Nachrichten von explodierenden Mate 9-Geräten zu Ohren gekommen.

Datenblatt

  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Farben
    Schwarz, Silber, Gold, Champagne Gold, Weiß
  • Lieferumfang
    Huawei Mate 9, Netzteil, USB Type-C-Datenkabel, Sicherheitsinformationen, In Ear-Headset
  • Preis (UVP)
    ab 699 Euro

Hardware und Software

  • Display-Größe
    5,9 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    1920 x 1080 Pixel, AMOLED
  • Prozessor
    HiSilicon Kirin 960
  • Arbeitsspeicher
    4 GB RAM
  • Speicherkapazität
    64 GB, erweiterbar per MicroSD
  • Betriebssystem
    Android 7.0 Nougat
  • Kameras
    Frontkamera (8 MP) und Dual-Rückkamera (20 MP und 12 MP-Monochrom-Sensor)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    USB-Typ-C, 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
  • Konnektivität
    LTE Cat 6, WLAN, Bluetooth 4.2, NFC
  • Akkukapazität
    4000 mAh
  • Besondere Merkmale
    Fingerabdrucksensor, LED-Benachrichtigungsleuchte, Gehäuse aus Aluminium, Dual-Kamera
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