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LG Q6 im ersten Hands-On-Test: Randlos in die Mittelklasse

Mit dem LG Q6 nehmen die Südkoreaner die Mittelklasse ins Visier.
Mit dem LG Q6 nehmen die Südkoreaner die Mittelklasse ins Visier. (©TURN ON 2017)

Das LG Q6 geht als kleiner Bruder des Oberklasse-Smartphones LG G6 ins Rennen. Im ersten Hands-On-Test macht das randlose Display einen hervorragenden Eindruck, es bleiben jedoch auch Fragen.

Eine neue Mittelklasse braucht das Land! Diese Auffassung vertritt LG zumindest, wenn es um Smartphones geht. Die Lücke, die im Portfolio des Herstellers zwischen Einstiegsgeräten und High-End-Produkten klafft, soll in Zukunft die neue Q-Serie schließen, die am Mittwoch im Rahmen des IFA Innovations Media Briefing vorgestellt wurde. Auf der Veranstaltung in Berlin hatte ich dann auch die Möglichkeit, mir das neue LG Q6 für einen ersten Hands-On-Test zu schnappen.

Das Display: Full Vision für die Massen

Das herausragende Feature des LG Q6 ist ganz klar das 5,5-Zoll-Display, das in den Body eines 5,0-Zoll-Smartphones gepresst wird. Hier übernimmt LG fast eins zu eins das Design des LG G6, bei dem bekanntlich ein 5,7-Zoll-Screen in einem 5,3-Zoll-Gehäuse steckt. Mit dem daraus resultierenden randlosen Design, das von LG als Full Vision bezeichnet wird, performt das Q6 derzeit in der Mittelklasse außer Konkurrenz und lässt zumindest optisch so manches Flaggschiff der Konkurrenz ganz schön altbacken wirken.

Das LG Q6 hat ein fast randloses Display. fullscreen
Das LG Q6 hat ein fast randloses Display. (©TURN ON 2017)
Hier das LG Q6 (rechts) im Vergleich zum G6. fullscreen
Hier das LG Q6 (rechts) im Vergleich zum G6. (©TURN ON 2017)
Beide Geräte wirken optisch wie Brüder. fullscreen
Beide Geräte wirken optisch wie Brüder. (©TURN ON 2017)

Tatsächlich war ich überrascht, dass der Hersteller beim Display der neuen Q-Serie keine halbherzige Arbeit abgeliefert hat. Die leichten Unsauberkeiten, die es bei den abgerundeten Display-Ecken des G6 beispielsweise noch zu bemängeln gab, sind hier nicht mehr zu sehen. Ein paar Abstriche müssen jedoch unter anderem bei der Auflösung gemacht werden. So gibt es beim LG Q6 einen Full-HD-Screen im 18:9-Format mit 2160 x 1080 Pixeln. Tatsächlich bewegt sich das Mittelklasse-Smartphone damit jedoch noch immer auf dem Niveau von iPhone 7 Plus und Huawei Mate 9. Insgesamt gefiel mir der Screen gut, auch wenn bei Farbdarstellung und Helligkeit natürlich eine merkliche Lücke zur aktuellen Oberklasse klafft.

Die Haptik: Gehäuse mixt Glas, Metall und Kunststoff

Das Gehäuse des Smartphones ist in meinen Augen hingegen eine zwiespältige Angelegenheit. Angesichts des randlosen Displays hatte ich eigentlich auf eine etwas edlere Haptik gehofft. Stattdessen besteht die Rückseite des Q6 aus einer glänzenden Kunststoff-Oberfläche, die sich in der Hand eben nicht so gut macht wie ein Glas- oder gar Metallgehäuse. Deutlich besser wirkt da schon der Aluminiumrahmen, der dem Smartphone Stabilität gibt.

 Die Rückseite mutet edel an, besteht jedoch aus Kunststoff. fullscreen
Die Rückseite mutet edel an, besteht jedoch aus Kunststoff. (© 2017)

Im Inneren des LG Q6 arbeitet laut Datenblatt ein Snapdragon-435-Prozessor, der gemeinsam mit dem Arbeitsspeicher von 3 GB RAM für den Alltag sicherlich eine ausreichende Performance liefern dürfte. Für einen wirklichen Test der Prozessorleistung fehlte mir im Rahmen des Hands-On-Termins jedoch die Zeit. Einen Kamera-Test konnte ich auf dem IFA Innovations Media Briefing in Berlin ebenfalls nicht durchführen. Allerdings besitzt das LG Q6 eine 13-Megapixel-Hauptkamera und eine 5-Megapixel-Frontkamera mit Weitwinkel-Objektiv. Letztere soll laut Hersteller technisch identisch zu jener im LG G6 sein.

Features: Hinter der Gesichtserkennung steht noch ein Fragezeichen

Eine potenziell kritische Angelegenheit könnte der Entsperrmechanismus per Gesichtserkennung sein. Dieser ersetzt beim LG Q6 nämlich den Fingerabdrucksensor, soll jedoch ein ähnlich schnelles und sicheres Entsperren ermöglichen. Zumindest bei dem Vorseriengerät, das ich in Berlin ausprobieren durfte, war das jedoch eine zwiespältige Angelegenheit. Grundsätzlich funktioniert die Mechanik, jedoch dauerte das Entsperren in einigen Fällen merklich länger, als ich es vom Fingerabdruckscanner auf anderen Smartphones gewohnt bin.

 Entsperrt wird das Q6 wahlweise über Gesichtserkennung. fullscreen
Entsperrt wird das Q6 wahlweise über Gesichtserkennung. (© 2017)

Damit die Gesichtserkennung sicher funktioniert und sich nicht etwa durch ein Foto täuschen lässt, hat LG dem Q6 zudem einen Sondermodus spendiert, in welchem die Kamera bei der Erfassung des Gesichts ganz genau hinsieht. Praktisch war es damit tatsächlich nicht möglich, den Sensor auszutricksen, allerdings dauerte mit diesem Modus das Entsperren generell sehr lange, da der Prozessor bei der besonders genauen Gesichtserkennung offenbar eine Menge Daten verarbeitet.

Wie schon erwähnt, hatte ich es nur mit einem Vorserienmodell zu tun, sodass ich aus dieser Erfahrung noch keine definitiven Rückschlüsse auf die zuverlässige Funktionsweise des Scanners ziehen kann. Klar scheint aber, dass eine funktionierende und sichere Gesichtserkennung nichts ist, was ein Hersteller mal so eben locker aus dem Ärmel schüttelt.

Erster Eindruck: Das Display ist der Star

Nach dem ersten Hands-On-Test ist für mich klar, dass LG die Chance hat, mit dem Q6 Boden im Mittelklasse-Segment gut zu machen. Das Hauptverkaufsargument muss dabei eindeutig das Display sein, das als echtes Alleinstellungsmerkmal durchgeht. Andere Aspekte, wie etwa die Gesichtserkennung zum Entsperren, müssen in der Praxis erst noch zeigen, wie gut sie funktionieren.  Auch bei Kamera und Alltagsperformance wird erst ein ausführlicher Teste zeigen können, wie gut sich das LG Q6 gegen die Konkurrenz schlägt.

Das Display ist ein Eye-Catcher, allerdings wird es wie so oft vom Zusammenspiel der einzelnen Komponenten abhängen, ob das LG Q6 nach dem guten ersten Eindruck wirklich beim Kunden ankommt. LG hat jedenfalls die Möglichkeit, im mittleren Preissegment wieder etwas für Wirbel zu sorgen und wir warten schon gespannt auf unser Testgerät.

Datenblatt

  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Betriebssystem
    Android 7.1.1 Nougat
  • Release
    21. August 2017
  • Display-Größe
    5,5 Zoll
  • Preis
    349 Euro

Hardware und Software

  • Display-Auflösung
    2880 x 1440 Pixel
  • Prozessor
    Snapdragon 435
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse und Steckplätze
    Micro-USB, 3,5-mm Stereo-Audioanschluss
  • Besondere Merkmale
    Randloses Design
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