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"Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" im Test

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Auf geht's: Die Guardians of the Galaxy im Telltale Adventure.
Auf geht's: Die Guardians of the Galaxy im Telltale Adventure. (©Telltale Games 2017)

Entwickler Telltale bringt mit seiner Adventure-Umsetzung von Marvels "Guardians of the Galaxy" eine weitere beliebte Serie an den Start. Ob die knallbunten Science Fiction-Abenteuer der Helden aus dem Kinohit auch als Point-and-Click-Abenteuer funktionieren, verrät unser Test.

Noch immer ist es leider selten, dass Videospiele-Umsetzungen bekannter Kinofilme oder TV-Serien mehr sind als blutleere Geldmacherei. Entwickler Telltale Studios schaffte es allerdings, durch das Prinzip "Weniger ist mehr" seine Adventures zu großem Erfolg zu bringen. Mit Marvels "Guardians of the Galaxy" startet nun eine weitere Telltale-Spielereihe im Staffelformat: Fünf Folgen des Adventures können entweder einzeln oder mit Season-Pass erworben werden. Am 18. April erscheint die erste Episode "Tangled up in Blue". Zuvor brachte das Studio bereits "The Walking Dead", "Game of Thrones", "Batman" oder "Jurassic Park" auf Konsole, PC oder Mobilgeräte – und fand mit seinem Spielprinzip eine große Fangemeinde. Im Test durften wir vorab Folge 1 von "Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" spielen.

Der Kinoerfolg der "Guardians of the Galaxy" basierte auf einem knallbunten Mix aus Action, einem wahnsinnig guten Soundtrack und einer gewohnt spaßigen Marvel-Superhelden-Story mit skurrilen Charakteren. Alles Elemente, die bei einer Spieleumsetzung natürlich nicht fehlen dürfen – allerdings die Gefahr bergen, nach der Konvertierung in ein Videospiel wie ein billiger Abklatsch herüberzukommen. Vor allem, weil Telltale-Adventures nicht gerade als technische Wunderwerke bekannt sind. Welche Erwartung hat man als Fan der Kinofilme – "Guardians of the Galaxy Vol. 2" startet bekanntlich bald – also an ein entsprechendes Game?

Die Handlung: Keine Origin-Story

Im Film durften wir bereits miterleben, wie die Guardians of the Galaxy um den sympathischen Peter Quill, alias Star Lord, zueinander gefunden haben. Zum Glück holt uns Telltale hier ab und verzichtet darauf, die Entstehung des Teams mit einer Origin-Story erneut durchzukauen. Stattdessen scheint sich das Abenteuer der Guardians völlig eigenständig irgendwann nach dem ersten Kinofilm abzuspielen. Ohne interessierten Lesern mit Spoilern den Spaß verderben zu wollen, sei immerhin verraten, dass Star Lord, Rocket, Groot, Gamora und Drax sich gleich zu Anfang mit dem mächtigen Bösewicht Thanos anlegen, der im Kino 2018 übrigens auch gegen die Kollegen der Avengers antreten wird. Im Mittelpunkt der Story steht ein mächtiges Artefakt, mit dessen Hilfe die Figuren sprunghaft durch ihr Leben spulen können – in Folge 1 steht Star Lords Vergangenheit im Mittelpunkt, erwartungsgemäß werden sich die übrigen Folgen seinen Teamkameraden widmen.

 Mächtiger Feind: Die Guardians of the Galaxy im Kampf gegen Thanos. fullscreen
Mächtiger Feind: Die Guardians of the Galaxy im Kampf gegen Thanos. (©Telltale Games 2017)

Die Handlung von "Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" greift die humorvolle Stimmung der Kinoversion gekonnt auf, setzt aber ein wenig Vorkenntnis voraus. Die separate Handlung von Telltales "The Walking Dead" dagegen erleichterte auch denjenigen den Einstieg, die in Sachen Serie oder Comic nicht auf dem neuesten Stand waren. Trotzdem – auch wer sich nicht mehr so ganz genau erinnern kann, welche Rolle das Nova Corps oder Gamoras Halbschwester Nebula im Film spielten, wird sich mit dem "Guardians of the Galaxy"-Adventure amüsieren können.

Einen guten Job macht Telltale insgesamt dabei, den kontrastreichen Style der Comicverfilmung einzufangen: 80er-Jahre-Originalmusik und Atmosphäre katapultieren uns direkt wieder in die außergewöhnliche Stimmung des erfolgreichen Marvel-Films mit den Guardians of the Galaxy.

Präsentation: Noch etwas buggy

Unsere PS4-Testversion war ausschließlich mit englischer Sprachausgabe spielbar, die Bildschirmtexte waren auf Deutsch – zumindest manchmal. Sowohl Dialogoptionen als auch Untertitel flippten von Szene zu Szene ohne erkennbare Regelmäßigkeit zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Teilweise waren im Test sogar beide Sprachen gleichzeitig auf dem Bildschirm. Hier ist allerdings zu erwarten, dass Telltale nach dem Release noch ein Update folgen lässt, das das Sprachchaos beheben wird. Ebenso gab es noch einige wenige Grafik-Bugs im Spiel. Ansonsten entsprach die Präsentation dem von Telltale gewohnten Standard. Wie im Trailer zu sehen, unterscheidet sich der Comic-Style aber deutlich von der düsteren Umsetzung in "The Walking Dead". Wer allerdings erwartet, dass die Figuren optisch der Kinofassung nachempfunden sind, wird enttäuscht. Mit den bekannten Schauspielern haben die Charaktere nichts gemein. Peter Quill sieht tatsächlich eher etwas aus wie Guybrush aus "The Secret of Monkey Island" anstatt wie Schauspieler Chris Pratt. Auch die Sprecher sind – zumindest im englischen Original – nicht die gleichen wie im Film.

 Die Guardians of the Galaxy: Rocket, Groot, Star Lord, Gamora und Drax. fullscreen
Die Guardians of the Galaxy: Rocket, Groot, Star Lord, Gamora und Drax. (©Telltale Games 2017)

Gameplay: Solide Telltale-Kost

Das bekannte Spielprinzip der beliebten Telltale-Adventures wird auch in "Guardians of the Galaxy" fortgeführt: Immer wieder trifft der Spieler in Dialogen zwischen den Charakteren Entscheidungen, sucht an räumlich begrenzten Schauplätzen nach Hinweisen oder beeinflusst über Quick-Time-Events den Ausgang von Action-Sequenzen. Das Gameplay ist also erwartungsgemäß niedrigschwellig angelegt – kein Wunder, besonders gut funktionieren Telltales spielbare Geschichten nämlich auf Smartphones und Tablets. Komplexe Steuerung wäre da nur hinderlich. Trotzdem erscheint es, als hätten die Entwickler in "Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" einen weiteren Schritt vorwärts gemacht: Gameplay-Details wirken aufwändiger – wie etwa die Möglichkeit einen Raum mit Star Lord auch fliegend zu erkunden – und Kameraperspektiven cineastischer.

Die Schwäche des Systems ist allerdings auch in der neuen Telltale-Serie der spielerische Tiefgang: Versemmelt man beispielsweise den rechtzeitigen Tastendruck eines Quick-Time-Events während einer der äußerst dosiert eingesetzten Action-Sequenzen, fühlen sich die Konsequenzen meist wenig spielentscheidend an. Die Dialogoptionen sind merkbar witziger als etwa beim Detektiv-Drama "Batman: The Telltale Series", aber man muss sich darüber im Klaren sein: Hier steht das Storytelling des Adventures im Vordergrund, nicht anspruchsvolles Gameplay mit tiefgreifenden Entscheidungen. Es handelt sich bei "Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" in erster Linie um einen spielbaren Animationsfilm in Serien-Form.

 Telltale hat das bewährte Gameplay noch etwas verbessern können. fullscreen
Telltale hat das bewährte Gameplay noch etwas verbessern können. (©Telltale Games 2017)

Fazit: Perfekter Spaß für zwischendurch

Für Adventure-Fans ist das Erscheinen einer neuen Telltale-Serie eigentlich Pflichtprogramm. Aufgrund des extravaganten Stils der Vorlage muss man das Thema aber mögen, um seinen Spaß zu haben. Der spielerische Anspruch mag erfahrenen Gamern zu niedrig sein, die erste Folge von "Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series" ist dennoch eine spaßige Angelegenheit. Hier offenbaren sich Fluch und Segen des Serien-Formats: Wer das Game zum Release am 18. April erstmal ausprobieren möchte, zahlt zunächst nur etwa 6,50 Euro für die erste Folge – der Season-Pass für sämtliche fünf Episoden dürfte mit etwa 25 Euro aber durchaus sein Geld wert sein.

TURNON
Score
4.1
Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series
Marvel's Guardians of the Galaxy: The Telltale Series
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Datenblatt

  • Release-Datum
    18.04.2017
  • Genre
    Adventure
  • Plattform
    PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, iOS, Android
  • Publisher
    Telltale Games
  • Entwickler
    Telltale Games
  • USK
    12
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