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"Mass Effect: Andromeda" im Test: Galaktischer Gesprächsstoff

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Hohe Erwartungen: Kann "Mass Effect: Andromeda" die Fußstapfen der Vorgänger füllen?
Hohe Erwartungen: Kann "Mass Effect: Andromeda" die Fußstapfen der Vorgänger füllen? (©Electronic Arts 2017)

Die Erwartungen an "Mass Effect: Andromeda", den neuesten Teil der epischen Science-Fiction-RPG-Reihe waren hoch: Ohne die ikonische Hauptfigur Commander Shepard und mit einem Neustart in Sachen Story soll "Mass Effect: Andromeda" zu neuen Ufern führen. Ob das gelingt, zeigt unser Test.

Rollenspiele mit Fantasycharakteren und –settings gibt es zuhauf, selten aber ein Action-RPG in einer Science-Fiction-Welt. Hier hält BioWares "Mass Effect"-Reihe erfolgreich die Flagge hoch. Dennoch hat es fünf Jahre gedauert, bis sich Spieler wieder mit der Serie in einen Raumanzug zwängen dürfen. Nun ist mit "Mass Effect: Andromeda" endlich der erste Teil für die aktuelle Konsolengeneration und PC erschienen – und hatte einige Startschwierigkeiten.

Die Rückkehr ins "Mass Effect"-Universum fühlt sich zunächst wunderbar an. Vom ikonischen Commander Shepard ist aber wie angekündigt keine Spur zu finden, die Handlung spielt sich größtenteils lange danach ab. Im Mittelpunkt stehen Raumfahrer-Zwillinge, die zu einem Team von Planetensuchern gehören. Es soll eine neue Heimat gefunden werden, ein bewohnbarer Planet in der Andromeda-Galaxie. Je nach Wahl des Geschlechts schlüpft ihr in die Rolle von Scott oder Sara Ryder, Nachkommen eines N7-Astronauten. Per Raumschiff und Bodenfahrzeug erkunden sie mit ihrem Team unbekannte Planeten, allerdings ist das Ganze alles andere als ein entspannter Spazierflug.

Auch in der Andromeda-Galaxie gibt es bereits intelligentes Leben, und das ist den Menschen und ihren Gefährten nicht immer zugetan. Gemeinsam mit den friedlichen Asari, Turianern und Salarianern geht es in den Kampf um Ressourcen und die Oberhand in der fernen Welt. Die entpuppt sich nicht als das erhoffte, gelobte Land: Die Planeten sind meist unbewohnbar und haben tödliche Tücken, werden von feindlichen Rassen geplündert und abgegrast. Zudem verschwindet der Großteil der mächtigen Mutterschiffe der Aufklärermission und schafft es nicht mal zum vereinbarten Treffpunkt. Irgendwas stimmt nicht in dieser Welt, soviel scheint sicher zu sein. Als Hauptfeind stellen sich die Kett heraus, eine für die Reihe typisch designte, echsenartige Rasse, die am liebsten erst ballert – und danach auch keine Fragen stellt.

Fremde Welten, bekannte Muster

Bevor „Mass Effect: Andromeda“ aber überhaupt an den Start ging, gab es bereits eine dicke Kontroverse um den Toptitel. Treue EA-Kunden durften vorab bereits zehn Stunden reinzocken und sich einen Eindruck verschaffen. Der fiel in Sachen Grafik so schlecht aus, dass es einen Meme-Storm hagelte. Die Welten an sich sind hübsch designt, aber es hapert gehörig an den Animationen der Gesichter und Bewegungen. Die variieren von hölzern bis zu überzogen, unzählige Videos und Gifs wurden von den Gamern erstellt und geteilt. Kein guter Start, zumal auch am Charakter-Editor kräftig gespart wurde. Konnte man zuvor noch seinen Commander mit unzähligen Auswahlmöglichkeiten modifizieren, lassen sich jetzt nur wenige Details und unsinnige Gimmicks am Protagonisten verändern. Bedenkt man, wie frei sich etwa in „Dragon Age: Inquisition“ (ebenfalls aus dem Hause BioWare) herum modellieren ließ, lässt sich die Verärgerung nachvollziehen.

Action-RPG mit Sci-Fi-Anstrich: "Mass Effect: Andromeda". fullscreen
Action-RPG mit Sci-Fi-Anstrich: "Mass Effect: Andromeda". (©Electronic Arts 2017)
Auch im vierten Teil erkunden wir fremde Planeten. fullscreen
Auch im vierten Teil erkunden wir fremde Planeten. (©Electronic Arts 2017)
Die kybernetischen Fähigkeiten helfen im Kampf. fullscreen
Die kybernetischen Fähigkeiten helfen im Kampf. (©Electronic Arts 2017)

Es bleibt zu hoffen und davon auszugehen, dass die Entwickler bis zum Release die entgleisenden Mimiken etc. unter Kontrolle bringen. Trotz diverser Verschiebungen wirkt das neuste Raumabenteuer doch stellenweise noch etwas roh. Insgesamt überzeugen die sehr schön gestalteten Planetenoberflächen durchaus, die Optik wirkt aber auch nur wie ein Update des damals bereits grandios ausschauenden Vorgängers "Mass Effect 3". Riesensprünge in Sachen Look darf man hier nicht erwarten, aber das ist Gemoser auf hohem Niveau – „Andromeda“ schaut insgesamt wirklich sehr gut aus. Hier sollten die negativen Stimmen nicht abschrecken, auch wenn es kein Referenztitel geworden ist.

Der übliche All-Alltag

Inhaltlich aber macht „Mass Effect: Andromeda“ wieder sehr viel richtig – wenn man Bock auf ein typisches Action-Rollenspiel hat, mit allem, was dazugehört. Mit Deinem Helden beziehungsweise Deiner Heldin wirst Du primär viele ausufernde Gespräche führen. Kurz mal eben einen nichtspielbaren Charakter im vorbeigehen "wegschnacken" ist hier nicht drin, es ergeben sich unzählige Dialogoptionen und Reaktionsmöglichkeiten, je nachdem ob ihr eher kühl, emotional, flirty, wütend oder anders reagieren möchtet. Das schafft eine gute Bindung zur sonst eher blassen Spielfigur, denn man selbst ist der Herr des eigenen Images. An dem bewährten System hat BioWare wenig geschraubt, es gehört also viel Gesprächsbedarf und Kommunikationslust zum Genuss des Spiels.

Dialoge und Handlung stehen im Vordergrund. fullscreen
Dialoge und Handlung stehen im Vordergrund. (©Electronic Arts 2017)
Als Scott oder Sara Ryder leitet man die Suche nach neuen Heimatwelten. fullscreen
Als Scott oder Sara Ryder leitet man die Suche nach neuen Heimatwelten. (©Electronic Arts 2017)
Das Verhältnis zur Crew des eigenen Schiffes stehen im Mittelpunkt der Handlung. fullscreen
Das Verhältnis zur Crew des eigenen Schiffes stehen im Mittelpunkt der Handlung. (©Electronic Arts 2017)

Und sonst? Genau, es wird geballert. Aus der Third-Person-Perspektive, also über die Schulter der Spielfigur, erledigst Du mit Deinen Blastern und allerlei ausbaufähigen Spezialmanövern feindlich gesinnte Alien-Brut, Killerroboter und Co. Auch hier hat sich nicht viel getan, die Steuerung geht in Ordnung, die Schießereien sind meist fair gehalten. Das Unterfangen wird bloß dann mal nervig, wenn eine Gegnerwelle nach der anderen aus dem Off erscheint. Genau wie bei den Dialogen stellt sich da gerne mal der Gedanke ein: Oh man, noch mehr davon? Reicht langsam.

Den Rest der Zeit vertreibt man sich mit Scannen, was ungefähr so spannend ist wie die reale Tätigkeit, etwa bei einem Praktikum im Steuerfachbüro. Durch das Steuerkreuz wird der Strahler aktiviert, scannbares Material wird in orange angezeigt und dann bei ausreichender Nähe erfasst – inklusive allerhand Informationen, die sich kein Mensch und kein Alien wirklich durchliest. Das Scannen ist aber ein wichtiges Element für die Charakterentwicklung, weswegen man besser brav den Wissenschaftler gibt und alles fein säuberlich anstrahlt. Gähn.

Neue Story, neue Feinde: Die Kett machen uns das Leben schwer. fullscreen
Neue Story, neue Feinde: Die Kett machen uns das Leben schwer. (©Electronic Arts 2017)
Jammern auf hohem Niveau: Trotz einiger Schwächen bleibt "Mass Effect: Andromeda" episch. fullscreen
Jammern auf hohem Niveau: Trotz einiger Schwächen bleibt "Mass Effect: Andromeda" episch. (©Electronic Arts 2017)
Wer Action-RPGs liebt, muss "Mass Effect: Andromeda" spielen. fullscreen
Wer Action-RPGs liebt, muss "Mass Effect: Andromeda" spielen. (©Electronic Arts 2017)

Hinzu kommt der übliche, sagen wir mal liebevoll „Space-Schnickschnack“, der sich über Dialogmenüs in Fahrt bringen lässt: Kolonien errichten, Waffen verbessern, Rohstoffe suchen lassen und so weiter. Es gibt viel zu tun in der Andromeda-Galaxie, sodass man mit mindestens 40 Stunden Spielzeit rechnen sollte, wesentlich mehr noch, wenn man alle Nebenmissionen mit einbezieht. BioWare ist dafür bekannt, Spielern für ihr Geld eine Menge zu bieten.

"Mass Effect: Andromeda"-Fazit

Der galaktische Umfang und die interstellare Erkundungsstory überzeugen so, wie wir es von der Serie kennen und lieben. Die Missionen sind abwechslungsreich, die Beschäftigungsmöglichkeiten zahlreich. Zwar besitzen die Ryder-Zwillingen nicht das Charisma eines Commander Shepard, aber die Story um die Erkundung der fremden Galaxie ist spannend erzählt. Manchmal vielleicht zu ausführlich, denn die Dialoge ufern häufig aus, was schon mal nerven kann. Ansonsten sind die Kritikpunkte aber meist Detailmosereien. Für Freunde intergalaktischer Rollenspiele ist „Mass Effect: Andromeda“ die unausweichliche Referenz.

TURNON
Score
3.5
Mass Effect: Andromeda
Mass Effect: Andromeda
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Datenblatt

  • Release-Datum
    23.03.2017
  • Genre
    Rollenspiel
  • Plattform
    PC, PS4, Xbox One
  • Publisher
    Electronic Arts
  • Entwickler
    BioWare
  • USK
    16
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