Meinung

"Predator - Upgrade"-Filmkritik: Witzig, brutal, unausgeglichen

star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star
Fies wie eh und je: Der Predator ist nach acht Jahren zurück im Kino!
Fies wie eh und je: Der Predator ist nach acht Jahren zurück im Kino! (©20th Century Fox 2018)

Der vierte Teil der "Predator"-Reihe führt das titelgebende Berserker-Alien an einen ungewöhnlichen Ort: die US-amerikanische Vorstadt. Kann das gut gehen? Unsere Filmkritik zu "Predator - Upgrade" verrät Dir spoiler-frei die Antwort.

Alien-Killer im Vorort: Die Story

Der zynische US-Topsoldat Quinn ist auf geheimer Mission in Mexiko, als über ihm ein Predator-Raumschiff abstürzt. Nach kurzem Gefecht mit dem außerirdischen Piloten des Schiffs fallen Quinn der Kampfhelm und eine Armschiene seines Gegners in die Hände. Um es sich später in Ruhe ansehen zu können, schickt Quinn die Rüstung des Predators zu sich nach Hause – in einen verschlafenen Vorort.

Quinns Sohn Rory entdeckt das Paket mit der Alien-Technologie und sendet dabei aus Versehen ein Signal an den außerirdischen Killer. Dieser befindet sich zu Untersuchungszwecken zwar in einem geheimen US-Militärkomplex. Doch das hält den Predator nicht davon ab, in den so sicher anmutenden Wohnort von Quinns Familie aufzubrechen ...

Vierter Teil, vierter Regisseur

"Predator - Upgrade", oder "The Predator", wie der Film im Original heißt, ist der rechnerisch vierte Teil der Hauptserie. Boyd Holbrook ("Logan") tritt als vierter menschlichen Hauptdarsteller der Reihe in die Fußstapfen von Arnold Schwarzenegger ("Predator", 1987), Danny Glover ("Predator 2", 1990) und Adrien Brody ("Predators", 2010).

Hinter der Kamera ziehen ebenfalls neue Gesichter die Fäden. Das Studio 20th Century Fox konnte für "Predator - Upgrade" einen echten Pionier des Actiongenres als Regisseur und Co-Autor gewinnen: Shane Black, der im allerersten "Predator" selbst eine kleine Nebenrolle spielte, schrieb in den 1980er- und 1990er-Jahren unter anderem alle Drehbücher der "Lethal Weapon"-Serie. In den vergangenen Jahren machte er durch seine Regiearbeiten an "Iron Man 3" und der Action-Komödie "The Nice Guys" von sich reden.

predator-upgrade-shane-black-fox
Wissender Blick: Shane Black zeichnet als Regisseur und Co-Autor für den neuen "Predator"-Teil verantwortlich. (© 2018 20th Century Fox)

Ziemlich brutal – und schrecklich witzig

Shane Black steht für harte Action in alltäglichen Settings sowie für unkonventionelle Figuren mit bissigem Humor. All diese Zutaten vermischt er im neuen "Predator"-Film mit den typischen Motiven der Reihe. "Predator - Upgrade" ist ein brutaler Film und trotz einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren definitiv nichts für Zartbesaitete. Der Predator metzelt sich in den zahlreichen Actionszenen geradezu durch seine menschlichen Feinde.

Es mag angesichts der Gewalt komisch klingen, aber: Kein "Predator"-Film war je so witzig wie "Upgrade". Bei der Pressevorführung im Kino lachten die Pressekollegen regelmäßig laut auf, wenn die Figuren in Extremsituationen etwa überdrehte Witze reißen. Selbst bei anscheinend ernsten Szenen ist nicht immer klar, ob Regisseur Shane Black das Ganze nicht doch nur ironisch meint.

Versteht keinen Spaß: der Predator. (© 2018 Kimbery French/20th Century Fox)

Ein Predator in der Schule!?

Dank der überzogen ironischen Untertöne schafft es Shane Black, den Predator selbst in einer äußerst ungewohnten Umgebung nicht deplatziert aussehen zu lassen. Das Monster schaut an Orten vorbei, die wir sonst eher aus Highschool-Filmen kennen, die Schule etwa oder den Sportplatz.

Wohl, um es nicht zu übertreiben, führt Black den Zuschauer auch an "vertraute" Orte wie Militärbasen, das Innere von Raumschiffen oder in den Wald. Zwar mischen sich zeitweise eine Lehrerin und ein kleiner Junge in die Story ein. Den Grundkonflikt des Franchises verlässt "Predator - Upgrade" aber nie ganz: Soldaten gegen Alien-Monster. Dass Shane Black dennoch neue Ansätze mit der "Predator"-Serie ausprobiert, ist absolut lobenswert.

Mit allen Mitteln: Olivia Munn (l.) spielt in "Predator - Upgrade" eine entschlossene Lehrerin. (© 2018 20th Century Fox)

Nostalgie done right

Fans des Action-Genres im Allgemeinen und der "Predator"-Reihe im Speziellen werden "Predator - Upgrade" besonders feiern. Die Macher haben es über weite Strecken des Films hinbekommen, modernes Erzähltempo und frische Ideen mit der Atmosphäre der Klassiker der 1980er- und 1990er-Jahre in Einklang zu bringen. Stimmung, Sprüche, Action und Soundeffekte: Alles sitzt. Mehrmals ertönt zudem der ikonische Soundtrack aus dem Originalfilm.

Der Verdienst hierfür dürfte abermals Shane Black zufallen, der eben kein bloßer Fan klassischer Actionfilme der goldenen Tage ist. Im Gegenteil: Black war aktiv an der Gestaltung des Genres beteiligt. Bleibt zu hoffen, dass die Hollywood-Executives sich ein Beispiel an "Predator - Upgrade" nehmen und zukünftig öfter Genre-Pioniere an Drehbuch und Regieposten von Sequel-Filmen lassen.

predator-upgrade-boyd-holbrook-fox
Ton getroffen: Actionszenen wie diese mit Held Quinn (Boyd Holbrook) könnten direkt aus einem B-Movie der 1980er stammen. (© 2018 20th Century Fox)

Also alles super? Nicht ganz

"Predator - Upgrade" ist trotz der vielen guten Anlagen nicht ohne Schwächen. Es scheint, als wäre es Shane Black nicht ganz geglückt, die sensible Balance aus Action, Humor, Nostalgie und Story konsequent durchzuhalten.

Nach ungefähr zwei Dritteln des Films gerät "Predator - Upgrade" ein wenig aus den Fugen. Plötzlich hagelt es Story-Twists, die man als Zuschauer nicht sofort versteht. Die Ziele der zahlreichen Charaktere werden teilweise unklar. Darüber hinaus spielt das letzte Drittel des Films in einer sehr dunklen Umgebung, was manche Aktion der Figuren nicht immer gut nachvollziehbar macht. Es ist Geschmackssache, aber gefühlt wird der Film ab dieser Phase auch weniger lustig, die Gags zünden nicht mehr so wie zu Beginn.

Der Verdacht drängt sich auf, dass der tonale Bruch auf der Zielgeraden direkt mit den anscheinend groß angelegten Nachdrehs zu "Predator - Upgrade" im Zusammenhang steht. Als Zuschauer beschleicht einen das Gefühl, dass etwas mehr Feinschliff am Skript die Story von "Predator - Upgrade" klarer und nachvollziehbarer hätte machen können. Motto: weniger Charaktere, weniger Story-Twists und mehr narrative Kohärenz.

Wer weiß, vielleicht veröffentlicht Fox die ursprüngliche Version des Films als Bonus in der Heimversion?

Wegen der vielen Reshoots? Auf der Zielgeraden geht "Predator - Upgrade" leider ein wenig die Luft aus. (© 2018 20th Century Fox)

"Predator - Upgrade": Mein Fazit

"Predator - Upgrade" ist brutal, auf gute Art nostalgisch und stellenweise sehr komisch und überraschend. Es ist kein simples Remake einer bewährten Formel, sondern traut sich mehrfach, neue Wege zu beschreiten. Wenn auch das letzte Drittel des Films so launig und ausbalanciert wäre wie der Rest, hätten wir einen echten Überraschungshit. Fans von Actionfilmen der alten Schule sind aber definitiv an der richtigen Adresse.

TURN ON-Wertung: 3/5

TURNON
Score
3.0
Predator - Upgrade
Predator - Upgrade
star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star

Datenblatt

  • Originaltitel
    The Predator
  • Produktionsland/-jahr
    USA 2018
  • Genre
    Action, Horror
  • Besetzung
    Boyd Holbrook, Olivia Munn, Jacob Tremblay
  • Regie
    Shane Black
  • Kinostart
    13.09.2018
  • FSK
    ab 16
Artikel-Themen
close
Bitte Suchbegriff eingeben
close
TURN ON Logo

Deine Meinung ist uns wichtig!

Wir wollen TURN ON weiter verbessern und möchten wissen, was du als Leser über TURN ON denkst. Nimm dir fünf Minuten Zeit und nimm an unserer Umfrage teil. Hilf uns, uns noch weiter zu verbessern.

Teilnehmen