Test

Samsung Gear S: Die Smartphone-Smartwatch im Test
star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star

Mit der Gear S beginnt ein neues Smartwatch-Zeitalter. Wir haben die Smartphone-Smartwatch getestet.
Samsung Gear S

Mit der Gear S beginnt ein neues Smartwatch-Zeitalter. Das intelligente Wearable von Samsung soll dank eigenem 3G- und WLAN-Modul ohne Smartphone-Anbindung auskommen. Im Test stellten wir fest: Dieses Versprechen hält die Nachfolgerin der Gear 2 nur teilweise.

Samsung Gear S: Die erste Standalone-Smartwatch am Markt

Wer sie sieht, wird den Gedanken an ein Smartphone im Mini-Format nicht los. Und genau das will die Samsung Gear S auch sein. Die Smartwatch, die bei Samsung auf Gear und Gear 2 folgt, hat vom Hersteller einen Nano-SIM-Kartenslot sowie ein eigenes WLAN- und 3G-Modul verpasst bekommen. Das soll die Uhr unabhängig von einem Smartphone machen, Standalone also – zumindest theoretisch. Soviel aber vorweg: Bereits zum Einrichten verlangt die Smartwatch nach einem Smartphone. Und zwar nicht nach irgendeinem, sondern nach aktuellen Samsung Galaxy-Modellen wie dem Note 4 oder dem S5.

Design und Handling: Ein Handy am Handgelenk

Viele Hersteller aktueller Smartwatch-Modelle legen ihren Fokus auf das Design. Die Motorola Moto 360 und die LG G Watch R beispielsweise sollen nicht nur praktisch sein, sondern auch schick aussehen. Die Moto 360 ginge durchaus als Fashion-Accessoires durch, die G Watch R erinnert mehr an eine klassische Herrenarmbanduhr. Samsung geht mit seiner jüngsten Smartwatch einen anderen Weg. Der Uhr ist auf den ersten Blick anzusehen, dass sie mehr kann, als nur die Zeit anzuzeigen.

Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen
Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen
Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen
Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen
Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen
Samsung Gear S Krümmung fullscreen
Samsung Gear S fullscreen
Samsung Gear S Armband fullscreen
Samsung Gear S Armband fullscreen
Samsung Gear S fullscreen
Samsung Gear S fullscreen

Der 2-Zoll-Bildschirm macht den größten Teil des Gadgets aus und lässt es vergleichsweise klobig wirken. Mit ihrem Curved-Display soll sich die Uhr an das Handgelenk schmiegen, passt aufgrund ihrer Größe aber nicht zu jedem Arm. Immerhin ist die schwarze Variante der Gear S mit 67 Gramm vergleichsweise leicht. Die weiße Version ist 17 Gramm schwerer. Doch auch ohne die Extragramm saß das schwarze Testgerät nicht auf Anhieb bequem am Handgelenk.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch das Armband der Smartwatch, das Samsung-typisch aus Kunststoff besteht. Wie ein billiges Spielzeug sieht die Gear S dank verchromter Display-Umrandung und matt glänzender Metallschnalle aber dennoch nicht aus. Ob klassisch runde Smartwatch à la Moto 360 beziehungsweise G Watch R oder eckiger Mini-Computer wie Samsungs Modell ist letztendlich wohl auch eine Geschmacksfrage.

Display und Bedienung: Kurven mit Tücken

Angeschaltet wird die Samsung Gear S durch langes Drücken auf den Home-Button am unteren Bildschirmrand. Sofern nicht geschehen, erinnert die Uhr dann an das Einlegen der Nano-SIM-Karte und fordert die Verbindung mit einem Samsung Galaxy-Smartphone. So ganz trifft die Bezeichnung "Standalone" also doch nicht zu. Zumindest zum ersten Einrichten des Geräts werden ein aktuelles Samsung-Smartphone und die Samsung Gear Manager-App benötigt. Ist die schlaue Uhr eingerichtet, kann sie vielfältig individualisiert werden. Wie bei den Smartphones des Herstellers wird durch seitliches Wischen zwischen verschiedenen Startbildschirmen gewechselt. In den Einstellungen lassen sich Uhrentyp, auf dem Hauptbildschirm angezeigte Informationen und Widgets sowie das Hintergrundbild für das Menü individuell festlegen.

Abzulesen ist die gut 3 x 4 Zentimeter messende Super-AMOLED-Anzeige aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Inhalte werden ausreichend hell, knackig scharf und kontrastreich dargestellt. An die Auflösung der Gear S von 360 x 480 Pixeln reicht derzeit keine andere Smartwatch heran.

Die Bedienung erfolgt Smartwatch-typisch per Touch-Gesten oder Sprachsteuerung. In unserem Test erwies sich die S Voice-App der Gear S ausgereifter als auf so manchem Samsung-Smartphone. Wer allerdings nicht dauerhaft mit seiner Uhr reden möchte, sollte die Wischgesten auf dem Curved-Display ein wenig üben. Während das seitliche Scrollen durch die verschiedenen Bildschirme problemlos funktionierte, klappte das vertikale Wischen im Test nicht immer auf Anhieb. Aufgrund der gebogenen Anzeige scrollte die Uhr außerdem häufig weiter, als sie eigentlich sollte. Dafür lassen sich Texte und Nachrichten auf der Uhr viel besser ablesen als auf Konkurrenzmodellen.

Hardware und Ausstattung: Tizen statt Android Wear

Zwar setzt Samsung bei der Gear S nicht auf Android Wear als Betriebssystem. Nutzer aktueller Android-Smartphones sollten sich aber auch mit der Tizen-Oberfläche schnell anfreunden können. Diese bringt nicht nur die seitlich durchwechselbaren Panels, sondern auch einen App-Drawer mit, der nach dem Wischen vom unteren zum oberen Bildschirmrand eine Liste aller installierten Apps anzeigt.

Samsung Gear S fullscreen
Samsung Gear S fullscreen

Im Inneren der Samsung Gear S schlägt ein Dual-Core-Prozessor, der mit 1 GHz getaktet ist und von 512 MB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Im Test lief die Uhr damit flüssig – sofern die Touch-Gesten korrekt ausgeführt wurden. Für Musik, Nachrichten und Co. ist die Smartwatch mit 4GB internem Speicher ausgerüstet. Erweitern lässt er sich nicht.

Sensoren und Funktionen: "Knight Rider" lässt grüßen

Dass die Gear S ein multifunktionaler Alltagsbegleiter sein will, offenbart auch der Blick auf die Liste der integrierten Sensoren. Mit Beschleunigungsmesser, Barometer, Lagesensor, geomagnetischem Sensor, Pulssensor, Umgebungslichtsensor und UV-Sensor zählt die Samsung-Uhr zu den am besten ausgestatteten Modellen am Markt. Mit ihrer Vielzahl an Sensoren kann sie beispielsweise Schritte zählen, Puls messen, den Schlaf überwachen, die Display-Helligkeit automatisch anpassen und vor starker UV-Strahlung warnen. Dank GPS eignet sie sich zudem als Navigator und Fitness-Tracker beim Joggen, Radfahren und Co. – wobei sie aufgrund ihrer Größe insbesondere Frauen mit schmalen Handgelenken beim Sport stören dürfte.

Samsung Gear S Home-Button fullscreen
Samsung Gear S Display fullscreen
Samsung Gear S und LG G Watch R fullscreen

Im Fokus der Samsung Gear S steht allerdings eine andere Funktion: Die Smartwatch soll ein vollwertiger Smartphone-Ersatz sein und kann dementsprechend auch telefonieren. Dank integriertem Lautsprecher und Mikrofon ist ein Bluetooth-Headset dafür nicht zwangsweise nötig. Stattdessen kann der Käufer ganz in "Knight Rider"-Manier in seine Uhr sprechen und als K.I.T.T.-Ersatz beispielsweise ein Taxi rufen. Die Sprachqualität ist passabel. Ob das Telefonieren per Uhr allerdings als cool oder peinlich wahrgenommen wird, liegt im individuellen Ermessen.

Wer von der ersten Standalone-Smartwatch am Markt allerdings einen vollwertigen Smartphone-Ersatz erwartet, wird womöglich enttäuscht. Zwar kann die Uhr Anrufe tätigen und empfangen oder Nachrichten schreiben. Einige Apps, unter anderem die vorinstallierte Anwendung Nike+, lassen sich aber weiterhin nur mit Smartphone-Anbindung nutzen. Zudem kann die Smartwatch keine eigenen E-Mails senden oder empfangen. Ob die Mails vom Smartphone auf der Uhr angezeigt werden können, hängt vom Handy-Modell ab.

Akkulaufzeit: Nicht viel anders als beim Smartphone

Der Akku der Samsung Gear S speichert 300 mAh. Das reicht laut Hersteller für eine Laufzeit von ein bis zwei Tagen bei typischer Nutzung der Uhr. Wer sie weniger nutzt, soll angeblich erst nach vier Tagen wieder zur Ladeschale greifen müssen. Damit die Smartwatch länger durchhält, kann zum Beispiel die dauerhafte Zeitanzeige deaktivieren – allerdings geht dann natürlich der Uhrencharakter verloren. Im Test hielt der Akku bei etwas überdurchschnittlicher Nutzung wie versprochen rund 1,5 Tage. Das Aufladen mit der mitgelieferten Ladeschale war dann nach rund zwei bis drei Stunden abgeschlossen. Die Ladeschale kann übrigens auch als Ersatzakku herhalten und die Smartwatch auch ohne Verbindung zum Stromnetz – zumindest teilweise – wieder aufladen.

Fazit: S für Standalone? Nicht wirklich!

Die Gear S weiß Samsung-typisch eher technisch als optisch zu überzeugen. Und keine Frage: Mit ihrer Vielzahl an Sensoren und Funktionen gehört die Smartwatch definitiv zu den am besten ausgestatteten aktuellen Modellen. Ihr Versprechen – nämlich ein Smartphone zu ersetzen – hält sie dennoch nicht vollständig ein. Zudem ist sie mit einem Preis von 399 Euro auch noch einmal deutlich teurer als andere Smartwatches.

Wer erwägt, sich eine Smartwatch zuzulegen, sollte unbedingt wissen, was er möchte – eine Erweiterung des Smartphones oder einen weitestgehenden Ersatz. Ist Letzteres der Fall, führt aktuell kein Weg an der Samsung Gear S vorbei. Wer jedoch nur von einer intelligenten Uhr über eingegangene Smartphone-Nachrichten informiert werden möchte und hin und wieder mal kurze Antworten senden, der ist ebenso gut mit einer günstigeren Alternative wie der Moto 360, der G Watch R oder dem Vorgängermodell der Gear S, der Samsung Gear 2, beraten.

TURNON
Score
3.7
Samsung Gear S
Samsung Gear S
star_border star_border star_border star_border star_border
star star star star star
  • Hält das Gerät im Alltag lange durch?
    4.0
  • Wie viel Zubehör und Features hat das Produkt?
    4.0
  • Durchdacht und innovativ – oder langweilig?
    4.0
  • Wie gut sind Haptik und Bedienkomfort?
    3.0
  • Flaggschiff-Charakter oder schwach auf der Brust?
    4.0
  • Ist das Produkt sein Geld wirklich wert?
    4.0

Datenblatt

  • Gerätetyp
    Smartwatch
  • Abmessungen
    58,3 x 39,8 x 12,5 Millimeter
  • Gewicht
    67 oder 84 Gramm
  • Farben
    Blau-Schwarz oder Weiß
  • Preis (UVP)
    399 Euro

Hardware und Software

  • Display-Größe
    2 Zoll
  • Display-Auflösung und Display-Typ
    360 x 480 Pixel, Curved Super AMOLED
  • Prozessor-Taktung
    1 GHz
  • Prozessor
    Dual-Core
  • Arbeitsspeicher
    512 MB RAM
  • Speicherkapazität
    4 GB
  • Betriebssystem
    Tizen
  • Konnektivität
    Bluetooth, WiFi, USB, 2G, 3G
  • Akkukapazität
    300 mAh
  • Akkulaufzeit
    Bis zu 48 Stunden
  • Besondere Merkmale
    IP67-Zertifizierung, Ultra-Energiesparmodus, SIM-Karten-Slot
Meinung des Autors
Und wieder so eine Smartwatch, die viel zu groß für mein Handgelenk ist! Klar, die ganze Technik muss irgendwo unterkommen und zum Lesen von News und Nachrichten ist das Display wirklich besser geeignet als das manch anderer Smartwatches. Allerdings lässt so der Tragekomfort zu wünschen übrig. Einige Features – wie so manche Fitness-Tracker-Funktion oder die Möglichkeit, den Schlaf zu überwachen – würden bei mir auf Dauer unbenutzt bleiben. Denn ich kann mir nicht vorstellen, die Samsung Gear S beim Schlafen oder Sport am Handgelenk zu tragen.

Mein Rat an alle, die mit der Anschaffung einer Smartwatch liebäugeln: Überlegt Euch vorher, was Ihr von der schlauen Uhr erwartet. Soll sie das Smartphone vollständig ersetzen, bleibt nur der Griff zur Samsung Gear S – oder aber das Warten auf neue Modelle, die wirklich als "Standalone" durchgehen. Muss die Uhr hingegen nicht mit eigener Nummer telefonieren und Nachrichten senden können, ist die Auswahl größer. Für mich kämen beispielsweise eher die LG G Watch R oder die Motorola Moto 360 infrage. Diese können ohne Smartphone-Anbindung noch weniger, kosten aber auch nicht so viel wie der Samsung-Schlaumeier. Entscheidend ist also die Frage, ob Du eine Smartphone-Erweiterung oder einen Ersatz suchst. Ich werde mit dem Kauf einer Smartwatch allerdings warten, bis es kleinere und komfortablere Modelle gibt.

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben