Meinung

"Silence"-Filmkritik: Katholiken im fernen Osten

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Starkes Glaubensdrama von Martin Scorsese: "Silence" ist nicht für jeden Kinogänger das Richtige.
Starkes Glaubensdrama von Martin Scorsese: "Silence" ist nicht für jeden Kinogänger das Richtige. (©Kerry Brown/Concorde Filmverleih GmbH 2017)

Damit wird er viele junge Fans vor den Kopf stoßen: Regiemeister Martin Scorsese ("Departed") liefert mit "Silence" das absolute filmische Gegenteil zu seinem vorangegangenen Werk ab – der bissig-überdrehten Satire "The Wolf of Wall Street". In dem stillen Glaubensdrama "Silence" geht es um die letzten katholischen Missionare in Japan – schwere Kost, die das Publikum trotz großartiger Besetzung und Bilder in zwei Lager spalten wird.

Wenn der Prophet zum Berg kommen muss: Die Story von "Silence"

Wir schreiben das Jahr 1638. Zwei junge, idealistische portugiesische Jesuiten brechen ins weit entfernte Japan auf. Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) wollen die örtliche Bevölkerung in ihrem Glauben unterstützen. Aber nicht nur das, sie verfolgen auch eine geheime Agenda: Sie wollen den auf der Insel verschollenen Pater Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) finden. Es geht das ungeheuerliche Gerücht um, dass er dem Katholizismus abgeschworen haben und in der Mitte der Japaner ein neues Leben führen soll. Gerade sein ehemaliger Schüler Rodriguez will das nicht glauben. Gemeinsam mit einem Übersetzer machen sich die beiden Männer auf die gefährliche Reise.

Vor Ort wartet eine harte Prüfung auf die Jungpriester. Die wenigen verbliebenen japanischen Katholiken werden unbarmherzig von der Regierung verfolgt und hart bestraft. So soll ein weiterer Aufstand wie durch Bauern auf der Shimabara-Halbinsel verhindert werden. Jeglicher die Macht gefährdender Einfluss aus dem Westen soll verhindert werden. Rodriguez und Garupe werden zwar von einigen Dörflern versteckt und gehen für sie ihrer Profession nach, müssen aber immer wieder zweifeln, ob es diese Mission wert war. Sie sehen, wie Köpfe rollen, Kreuzigungen durchgeführt werden und ihre gläubigen Schäfchen brennen. Insbesondere der durchgedrehte Kichijiro (Yôsuke Kubozuka) bringt die beiden immer wieder in Gefahr. Und der alte Samurai Inoue, der die Dörfer wiederholt nach Christen absuchen lässt, wird zur großen Gefahr für die beiden. Die Aufklärung von Pater Ferreiras' Schicksal rückt in weite Ferne, doch dann werden die beiden entdeckt …

Ein christlicher Gewaltmarsch

Cineasten werden in Scorseses neustem Werk mindestens dreimal an andere Filme erinnert. So basiert das Drehbuch auf dem Roman "Schweigen" des japanischen Autors Endō Shūsaku. Das Buch wurde 1971 schon einmal verfilmt. Zudem wecken die Inszenierungen der japanischen Natur und harter Traditionen Erinnerungen an die berühmte TV-Miniserie "Shogun" mit Richard Chamberlain von 1980. Und nicht zuletzt ist es der christlichste Film Scorseses seit seinem Meisterstück "Die letzte Versuchung Christi" von 1988. Diese Referenzen zeigen schon: Wer leichtes Entertainment wie in den vorangegangenen Filmen des New Yorkers erwartet, kommt hier nicht auf seine Kosten.

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"Silence"-Szenenbild (©Concorde Filmverleih GmbH 2017)
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Die Jungstars Andrew Garfield ("The Amazing Spider-Man") und Adam Driver ("Star Wars: Das Erwachen der Macht") durchleiden abgemagert ein Martyrium, das oft schwer mit anzuschauen und dabei großartig gespielt ist. Übertrumpft werden sie nur noch von ihrem exzentrischen Verfolger, dem lispelnden Inoue, beeindruckend dargestellt von Issei Ogata. Gerade in der zweiten Hälfte des mehr als zweieinhalbstündigen Films ist jeder seiner Auftritte ein Highlight. Ansonsten ist "Silence" aber eine Geduldsprobe in der wunderschönen wie bedrohlichen Kulisse der japanischen Natur. Scorsese wirkt mit dem Film selbst wie ein Missionar, der in Zeiten der strauchelnden katholischen Kirche ihren Dienern ein großes cineastisches Denkmal setzen will. Wegen dieser Sperrigkeit und unverhohlenen Langatmigkeit bleibt es aber ein für die meisten Kinogänger unnahbares Manifest des Glaubens des Regisseurs.

"Silence": Fazit

Martin Scorsese huldigt seinem Glauben mit imposanter Filmkunst, die mit starken Leistungen der Schauspieler und gewohnt meisterlicher Inszenierung überzeugt. Dennoch werden die missionarische Haltung und der sehr dröge Handlungsverlauf zur harten Geduldsprobe. Selbst Arthouse-Fans brauchen hier gehörig Sitzfleisch.

TURN-ON-Filmwertung: 3/5

TURNON
Score
3.0
Silence
Silence
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Datenblatt

  • Originaltitel
    Silence
  • Produktionsland/-jahr
    USA/TWN/MEX 2016
  • Genre
    Abenteuer, Drama, Historienfilm
  • Besetzung
    Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson
  • Regie
    Martin Scorsese
  • Kinostart (D)
    02.03.2017
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