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"Space Hulk: Deathwing" im Test: Düsterer Shooter für Fans

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Als Librarian kämpfen wir uns mit zwei Ordensbrüder durch "Space Hulk: Deathwing"
Als Librarian kämpfen wir uns mit zwei Ordensbrüder durch "Space Hulk: Deathwing" (© 2016)

Mit "Space Hulk: Deathwing" ist der jüngste Ego-Shooter im düsteren Setting von Warhammer 40.000 erschienen. Im Test haben wir uns den atmosphärischen Titel genauer angeschaut. Denn die Beta-Version wies Ende November noch gravierende Bugs auf. Hat Publisher Focus Home Interactive ausreichend nachgebessert?

"Space Hulk: Deathwing": Auf den Spuren des Ordens

Wer sich für "Space Hulk: Deathwing" interessiert, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits ein großer Fan von Warhammer 40.000 sein. Für Nichtkenner lässt sich das Universum, das die Firma Games Workshop in den 80er-Jahren als Tabletop-Spiel entwickelte, einfach zusammenfassen: Im 41. Jahrtausend ist Krieg allgegenwärtig. Das Imperium der Menschheit erstreckt sich über unzählige Welten und steht im Kampf gegen Ketzer, Aliens und Dämonen vor dem Untergang. An vorderster Front kämpfen die Space Marines – genetisch verbesserte Superkrieger, die in Orden organisiert sind. Die Dark Angels sind einer von ihnen, und ihre erste Kompanie trägt den titelgebenden Namen Deathwing.

Unglaubliche dichte und düstere Atmosphäre

Im Singleplayer-Modus von "Space Hulk: Deathwing" schlüpfen wir in die Rolle eines Librarians – eine Art Magier – des Deathwings. Von Großmeister Belial werden wir ausgesandt, um einen Space Hulk zu erkunden, also eine Ansammlung miteinander verschmolzener Raumschiffwracks, die zum Teil Jahrtausende alt sind. Über neun Kapitel mit einer Spielzeit von rund zehn Stunden machen wir uns daran, den hier verborgenen Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Die Spieldauer hängt dabei neben dem gewählten Schwierigkeitsgrad stark von unserem Entdeckungsdrang ab. Und zu entdecken gibt es wirklich eine Menge. So erkunden wir in einem Kapitel einen Transporter mit Truppenunterkünften der Imperialen Armee, in denen wir über Spinde mit Waffen und Rüstungen stolpern. Kurz darauf streifen wir durch die Wracks mehrerer Space-Marine-Schiffe, die mit ihren Hallen, Statuen und Buntglasfenstern wie Katakomben und Kathedralen wirken und einen erstmal mit offenem Mund stehen lassen.

"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. fullscreen
"Space Hulk: Deathwing" glänzt mit toller Atmosphäre. (© 2016)

Überall entdecken Fans Details, mal mehr oder mal weniger versteckt. Zwischen den omnipräsenten Reinheitssiegeln und Leichen der Techpriester finden wir zum Beispiel einen Tisch mit einer Sternenkarte, auf der sich mittels Waffenzoom sogar die Namen der Planeten entziffern lassen. Verstärkt wird die Stimmung durch eine bedrückende Sound-Kulisse. Wie in einem U-Boot hören wir ständig die Stahlkonstruktionen ächzen und andere, zum Teil undefinierbare Geräusche. Schade, dass man dafür an einem richtigen Soundtrack gespart hat. Insgesamt beeindruckt uns die düstere Atmosphäre im Test und übertrifft alle bisherigen Shooter aus dem Warhammer-Universum.

Etwas eintöniges Missionsdesign

Bei der Erkundung des Space Hulk müssen wir in jedem Kapitel unterschiedliche Missionen abschließen, etwa einen Trupp Ordensbrüder suchen, Generatoren zerstören oder mysteriösen Signalen nachgehen. Damit wir uns auf dem Weg zum Ziel nicht verlaufen, ist ein häufiger Blick auf die Minikarte hilfreich, die mit komfortablen Infos aufwarten kann – sie zeigt, welche Areale bereits erkundet wurden, wo Tyraniden spawnen werden oder wo sich Geschütztürme befinden.

Im Zuge unseres Einsatzes werden wir mit der düsteren Vergangenheit der Dark Angels konfrontiert. Das klingt spannend, doch kann die Story nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in jedem Kapitel kreuz und quer durch das ganze Areal gescheucht werden und die Geschichte meist vor und nach der Mission zusammengefasst oder fortgeführt wird. Es fehlen gut geskriptete Ereignisse, die dem Spiel Dramatik und Lebendigkeit verleihen. Für etwas Abwechslung sorgen versteckte Relikte aus der Ordensgeschichte. Gelangen wir in ihre Nähe, hören wir ein anschwellendes Flüstern, ähnlich wie bei den Drachenschreien in "Skyrim".

Tyraniden über Tyraniden

Unsere Erkundungstour wäre natürlich sehr leicht, wenn es da nicht auch Feinde gäbe. In dem Space Hulk hat sich die raubtierhafte Alienrasse der Tyraniden ausgebreitet, durch die wir uns in jedem Einsatz zu Hunderten schnetzeln und ballern. Von ihnen gibt es zu Beginn einfache Nahkämpfer und Fernkämpfer, später kommen mächtigere – und sehr große! – Varianten auf uns zu. Üblicherweise brechen sie in Horden über uns herein, die an definierten Orten spawnen. Schlau sind die Viecher im Test allerdings nicht. Immerhin lässt sich dies auch mit dem Universum erklären, werden die Tyraniden doch von einer Schwarmintelligenz gesteuert. Für etwas taktische Finesse sorgen Türen, die sich blockieren, oder Waffentürme, die wir hacken und anschließend bedienen können.

Wir kämpfen uns durch verschiedene Typen an Tyraniden ... fullscreen
Wir kämpfen uns durch verschiedene Typen an Tyraniden ... (© 2016)
... die mit fortschreitendem Spiel auch eine Menge aushalten. fullscreen
... die mit fortschreitendem Spiel auch eine Menge aushalten. (© 2016)
Mit Waffenzoom erkennen wir Hitzesignaturen. fullscreen
Mit Waffenzoom erkennen wir Hitzesignaturen. (© 2016)
Die Tyraniden strömen meist als Horde auf uns zu. fullscreen
Die Tyraniden strömen meist als Horde auf uns zu. (© 2016)
Über die taktische Karte lassen sich Infos zu den verschiedenen Tyraniden aufrufen. fullscreen
Über die taktische Karte lassen sich Infos zu den verschiedenen Tyraniden aufrufen. (© 2016)
Viel Spaß hatten wir mit dem Flammenwerfer. fullscreen
Viel Spaß hatten wir mit dem Flammenwerfer. (© 2016)

Zum Glück müssen wir nicht alleine gegen die Monsterhorden antreten – zur Seite stehen uns Bruder Barachiel mit seinen schweren Waffen sowie Bruder Nahum, der als Apothecary die Rolle des Sanitäters übernimmt. Ähnlich wie bei den Gegnern ist die KI auch hier recht simpel. Etwas einfältig stampfen uns die beiden Krieger hinterher, mittels Ringmenü können wir einfache Befehle geben. Zum Beispiel das Halten einer Position, das Öffnen oder Verschließen von Türen sowie das Heilen von Team-Kameraden. Im Eifer des Gefechts funktioniert Letzteres nur mittelmäßig. Schade ist zudem, dass die beiden Schlachtenbrüder charakterlos und austauschbar bleiben – dagegen waren sogar die Mitstreiter in "Space Marine" (2011) tiefsinniger. An wenigen Stellen melden sie sich mit einem Kommentar zu Wort, oder aber sie weisen uns vereinzelt auf anstürmende Gegnerhorden oder ausgeschaltete Ziele hin.

Am Ende eines jeden Kapitels erfolgt eine Auswertung des Einsatzes, bei der etwa die Zahl der Kills, Kopfschüsse und gesammelte Relikten benotet werden. Je nach Abschneiden erhalten wir bis zu vier Punkte, mit denen wir Fertigkeiten freischalten können. Außerdem bekommen wir mit Abschluss einer Mission oftmals auch neue Waffen. So verfügen wir im späteren Verlauf über verschiedene Bolter, einen Flammenwerfer, Sturmkanonen mit rotierenden Läufen und unterschiedliche Nahkampfwaffen für uns und unsere Squad-Mitglieder. Am meisten Spaß macht das Spiel allerdings mit den Fernkampfwaffen, da es dem Nahkampf doch an taktischer Finesse fehlt. Und auch die Sprüche des Librarians sind praktisch – mit ihnen werfen wir Feinde um, verschießen Blitze oder Feuer und können uns auch teleportieren.

Im Laufe der Kampagne schalten wir Waffen und Fertigkeiten frei. fullscreen
Im Laufe der Kampagne schalten wir Waffen und Fertigkeiten frei. (© 2016)
Im Laufe der Kampagne schalten wir Waffen und Fertigkeiten frei. fullscreen
Im Laufe der Kampagne schalten wir Waffen und Fertigkeiten frei. (© 2016)

Starker Hang zum Casual Game

Im Test merken wir "Space Hulk: Deathwing" deutlich den Casual-Ansatz an – zum Beispiel verfügen wir über unendlich Munition. Außerdem kann Bruder Nahum mit kurzer Abklingzeit Squad-Mitglieder heilen und in brenzligen Momenten teleportieren wir uns mit dem Spruch Psitor zu unserem sicheren Brückenkopf. Dort werden gefallene Brüder wiederbelebt und wir können unsere Ausrüstung anpassen. Zudem wird automatisch gespeichert, da es keine freien Speichermöglichkeiten gibt. Der Einsatz der Heilfähigkeit und des Psitors ist zwar nominell begrenzt. Erstere wird aber bei der Rückkehr zum Brückenkopf wieder aufgefüllt, die Zahl Letzterer erhöht sich durch das Sammeln von Relikten. Zumindest beim normalen Schwierigkeitsgrad bereitete uns das nie Kopfschmerzen.

 Bei der Rückkehr zum Brückenkopf können wir uns neu ausrüsten. fullscreen
Bei der Rückkehr zum Brückenkopf können wir uns neu ausrüsten. (© 2016)

Multiplayer-Modus im Test kaum spielbar

Große Hoffnungen schürte der Koop-Modus von "Space Hulk: Deathwing" – als vierköpfiges Team sollen sich die Kapitel auch gemeinsam absolvieren lassen. Aufgrund gravierender Bugs ist der Multiplayer aber leider auch in der Verkaufsversion kaum spielbar. Im Test enden viele Partien nach wenigen Minuten, da bestimmte Aktionen einen Spielabsturz beim Host herbeiführen. Zum Beispiel das Aufrufen des Inventars durch den Host oder der Wechsel in das nächste Kapitel. Ärgerlich ist auch, dass sich Partien nicht nach Spielerzahl oder Kapitel sortieren lassen, kein Ping angezeigt wird und ein Voice Chat fehlt. Wir hoffen, dass diese Probleme noch behoben werden. Denn in den stabilen Partien machten uns die Feuergefechte und das ständige Sichern zu allen Seiten hin mächtig Spaß!

Zum Start der Partie kann jedes der neun Kapitel gestartet werden, anschließend wählen die Mitspieler eine von fünf Klassen mit unterschiedlichen Waffen und Fertigkeiten aus. Neben dem bekannten Librarian gibt es den Assault Terminator, der etwa mit einem Energiehammer oder Energieklauen in den Nahkampf zieht. Aufgrund seiner Heilfertigkeiten ist der Apothecary in jeder Partie unverzichtbar. Für Feuerkraft sorgen der Tactical Terminator und Heavy Weapon Terminator, die aus einem Arsenal an Boltern, Plasma- und Sturmkanonen wählen können.

 Im Mulitplayer geht es heiß her – wenn er denn läuft. fullscreen
Im Mulitplayer geht es heiß her – wenn er denn läuft. (© 2016)

Im regulären Spielmodus beginnen alle Spieler ihre Klasse auf Level 1 – mit zunehmender Erfahrung werden weitere Fertigkeiten und Waffen freigeschaltet. Über das Inventar lassen sich die Klasse und Ausrüstung jederzeit wechseln. Im Modus "Codex Rules" hingegen sind alle Waffen und Fertigkeiten von Beginn an verfügbar, allerdings kann innerhalb der Kapitel weder die Klasse noch die Bewaffnung geändert werden. Außerdem steht dem Team nur eine begrenzte Zahl an Respawns zur Verfügung.

Die Verkaufsversion hat mit Performance-Problemen zu kämpfen

Der Multiplayer-Modus ist allerdings nicht die einzige große Baustelle, weswegen viele Nutzer im Moment von einem Kauf abraten. Denn wie die Beta- ist auch die Verkaufsversion nicht gut optimiert. Trotz Highend-Systemen klagen viele Spieler über massive Framerate-Einbrüche, Mikroruckler, Freezes und lange Ladezeiten. Bei unserem Test lief das Spiel ohne Abstürze und unabhängig von Auflösung und Detailgrad weitgehend mit 60 fps, die als Maximalwert eingestellt sind. In größeren Kämpfen oder großen Hallen ging diese aber auf bis zu 25 fps herunter. Auch hier bleibt zu hoffen, dass Hotfixes für Abhilfe sorgen. Zudem muss sich zeigen, wie gut das Spiel im kommenden Jahr auch auf der PlayStation 4 und der Xbox One laufen wird.

Fazit zu "Space Hulk: Deathwing": Leider Potenzial verschenkt

Nach rund zehn Stunden im Test hinterlässt "Space Hulk: Deathwing" einen durchwachsenen Eindruck. Zwar fängt das Spiel die Stimmung von Warhammer 40.000 hervorragend ein und glänzt mit Detailverliebtheit. Allerdings verschenkt es Potenzial, da Abläufe schnell monoton werden. Am schwersten wiegen aber die Probleme mit der Performance und dem Multiplayermodus. So lange diese nicht behoben sind, lässt sich keine Kaufempfehlung aussprechen. Wenn Focus Home Interactive hier nachsteuert, könnten Fans von Warhammer 40.000 oder Spielen wie "Left 4 Dead" und "Warhammer: End Times – Vermintide" Spaß an dem Titel haben. Zumindest im Freundeskreis planen wir schon ein gemeinsames Durchspielen, sobald die gröbsten Bugs behoben wurden.

TURNON
Score
2.5
Space Hulk: Deathwing
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Datenblatt

  • Release-Datum
    14.12.2016
  • Genre
    Ego-Shooter
  • Plattform
    PC, PS4 (tba), Xbox One (tba)
  • Publisher
    Focus Home Interactive
  • Entwickler
    Streum on studio, Cyanide Studio

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