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"Watch Dogs 2" im Test: Hacker-Abenteuer mit mehr Freiheiten

Watch Dogs 2
Watch Dogs 2 (©Ubisoft 2016)

"Watch Dogs 2" ist vor allem eins: besser als der erste Teil! Endlich haben wir einen Hauptcharakter, der uns nicht vom ersten Moment an langweilt und dessen Geschichte sich mehr als zäh durch eine graue Spielwelt in Chicago zieht. Stattdessen spielen wir jetzt Marcus Holloway, der zusammen mit der Hackergruppe DedSec im kunterbunten San Francisco für Gerechtigkeit kämpft. Wir haben das Hacker-Game einem Test unterzogen.

Witzige Hackergruppe

Zu Beginn des Spiels kämpfen wir uns durch eine Aufnahmeprüfung, die geschickt in einem Tutorial verpackt wird, damit Marcus bei DedSec aufgenommen wird. Denn das Land wird von der geheimnisvollen Organisation ctOS kontrolliert, die alle Daten der Bürger sammelt und auswertet. Außerdem ist das Silicon Valley korrupt und Konzerne wollen die US-Wahlen beeinflussen. So geht es nicht weiter, DedSec übernimmt.

Die Mitglieder von DedSec bedienen zwar einige Klischees, aber dennoch war ich erstaunt, wie schnell sie mir ans Herz gewachsen ist. Die drei Charaktere, die sich um Protagonist Marcus scharen, sind witzig und bereichern die Missionen durch ihre Dialoge und ihr Wesen. Da gibt es zum Beispiel Wrench, der mit einer Maske herumläuft, die statt seiner Augen mit LED-Lampen Symbole zeigt oder Sitara, die einzige Frau, die zwar nicht hackt, dafür aber für das komplett verrückte Grafikdesign der Gruppe verantwortlich ist. Auch Joey, der noch etwas unbeholfen wirkende schüchterne Typ, ist sehr sympathisch.

 Die Hacker-Truppe um Marcus Holloway ist bunt gemischt. fullscreen
Die Hacker-Truppe um Marcus Holloway ist bunt gemischt. (©Ubisoft 2016)

In ihrem Hauptquartier hat DedSec einen 3D-Drucker, mit dem sie Waffen und Minidrohnen innerhalb von Sekunden drucken können. So bekommen wir gleich am Anfang unseren fahrenden Jumper, mit dem wir uns in Sperrgebiete schleichen können, um unentdeckt ein bisschen zu hacken. Das macht ziemlich viel Spaß. Haben wir irgendwann knapp 67.000 Dollar gesammelt, können wir hier auch einen fliegenden Quadcopter bekommen, mit dem wir unter anderem Gebiete besser auskundschaften.

 Mit einem 3D-Drucker bauen wir uns eigene Drohnen. fullscreen
Mit einem 3D-Drucker bauen wir uns eigene Drohnen. (©Screenshot TURN ON 2016)

Die Stadt lebt, die Grafik enttäuscht

Gleich von Anfang an sind wir mittendrin und können loslegen. Keine ewig lange Einleitung, die ganze Stadt steht uns offen. Das ist in "Watch Dogs 2" das kunterbunte San Francisco. Und diese Stadt ist wunderbar lebendig. An allen Ecken und Enden können wir hübsche Details entdecken. Hier gibt es witzige Einwohner wie einen Typen, der sich auf offener Straße hinter Zweigen versteckt und alle vorbeilaufenden Passanten erschreckt. Einige bleiben stehen und lachen, andere erschrecken sich wirklich. Oder wir finden im Park ein kleines Zelt, das vollgestopft ist mit Gartenzwergen. An vielen Ecken finden wir Straßenmusiker oder sehen Leute, die im Park Yoga machen oder wieder andere, die mit Kreide die Straße bemalen. Hier hat sich Entwickler Ubisoft sehr viel Mühe gegeben und tolle Ideen gehabt.

Anders sieht es da bei der Grafik aus. Während mir diese bei den Preview-Präsentationen echt gefallen hat, ist das fertige Produkt eher enttäuschend. Grafisch ist "Watch Dogs 2" kein Überflieger. Die Texturen sind während unseres Tests auf der PS4 oft vermatscht, die Konturen der Charaktere sind voller Treppeneffekte, die Weitsicht ist nebulös und etwas weiter entfernte Objekte haben nahezu keine Texturen. Auch das Schadensmodell ist etwas fragwürdig. Während ganze Bushaltestellen in ordentliche Stücke zerhackt werden, wenn wir dagegen fahren, schaffen wir es auf der anderen Seite nicht, einen kleinen Poller umzunieten. Grafisch nervig ist außerdem, dass sich Marcus immer neu positioniert, wenn wir jemanden ansprechen. Er läuft jedes Mal an einen bestimmten Punkt, um im perfekten Abstand neben der Person zu stehen, statt einfach drauf los zu reden. So müssen wir jedes Mal abwarten, bis der Herr seinen Wegpunkt erreicht hat. Die PC-Version von "Watch Dogs 2" erscheint am 29. November. Vielleicht können wir hier zumindest mit einer verbesserten Grafik rechnen.

 Grafisch hätte "Watch Dogs 2" durchaus noch eine Schippe drauflegen können. fullscreen
Grafisch hätte "Watch Dogs 2" durchaus noch eine Schippe drauflegen können. (©Screenshot TURN ON 2016)

Missionen sind vielseitig

Wir finden in "Watch Dogs 2" eine Hauptkampagne, die von verschiedenen Mini-Storys und Nebenmissionen unterfüttert wird. Welchen Teil wir gerade weiter verfolgen wollen, stellen wir im Smartphone des Protagonisten Marcus Holloway ein. Wie sich Marcus durch die Stadt bewegt, fühlt sich sehr gut an. Mit coolen Parcours-Elementen springt er über Brüstungen oder klettert Mauern hoch. Vorbei sind die Zeiten, bei denen die Charaktere nicht so richtig flüssig vorwärts kamen.

 Bewegungsfreiheit wird in "Watch Dogs 2" großgeschrieben. fullscreen
Bewegungsfreiheit wird in "Watch Dogs 2" großgeschrieben. (©Screenshot TURN ON 2016)

Alle Story-Abschnitte drehen sich um ein zentrales Thema. So kidnappen wir zum Beispiel das sprechende Auto eines Kinofilms (welches sehr stark an K.I.T.T. aus Knight Rider erinnert), bauen das um und lassen es ohne Fahrer durch die Stadt heizen. Auch in anderen Missionen finden wir sehr witzige Anspielungen auf alte Serien oder aktuelle Themen aus den USA. Wir wollen Dich an dieser Stelle aber nicht spoilern.

Bei jeder Aufgabe gibt es immer mehrere Wege, um sie zu lösen. Vor allem unsere beiden Mini-Drohnen können eine gute Hilfe sein. Manchmal sind es aber einfach zu viele Gegner, sodass wir uns richtig den Kopf zerbrechen müssen, wie wir hier ans Ziel kommen. Das stellt uns vor immer neue Herausforderungen. Außerdem sind so Wiederholungen im Gameplay sehr stark minimiert, sodass wir keinesfalls den Spaß verlieren.

Follower als Währung

"Scout X" ist eine App auf Marcus‘ Smartphone, die wir nutzen, um Wahrzeichen zu finden. Das sind zum Beispiel Gebäude, Menschen oder Kunstwerke. Dort angekommen schießen wir Fotos und bekommen neue Follower. In der Story von "Watch Dogs 2" verbreiten wir diese App, um die Rechenleistung der Leute anzuzapfen und ihre Geräte zu einem mächtigen Botnetz zusammenzuschließen – natürlich nur, um für Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen.

 Das Smartphone ist in "Watch Dogs 2" der wichtigste Begleiter. fullscreen
Das Smartphone ist in "Watch Dogs 2" der wichtigste Begleiter. (©Screenshot TURN ON 2016)

Diese Follower nutzen uns aber auch, um weitere Fähigkeiten freizuschalten, denn ab gewissen Marken erhalten wir Forschungspunkte, um uns selbst zu verbessern. So können wir beispielsweise lernen, auch Autos zu hacken und dann jedes beliebige Fahrzeug nach links oder rechts lenken zu lassen oder es vorwärts und rückwärts zu schicken. Auch können wir lernen, wie man Gabelstapler und Hebebühnen hackt, um an höhere Orte zu gelangen oder Kisten aus dem Weg zu räumen. Oder wir schalten die Fähigkeit frei, eine Bande oder sogar die Polizei auf eine Person zu hetzen.

Wenden wir diese Hacks an, "bezahlen" wir mit Energiepunkten. Diese füllen wir wieder auf, indem wir Passanten hacken und unser Botnet aufladen. Wenn wir die Bürger hacken, können wir einigen auch etwas Geld abzapfen, das auf unser Konto überwiesen wird. Eine Fähigkeit sorgt übrigens auch dafür, dass die reichen Einwohner markiert werden, sodass wir wissen, wo sich das Hacken besonders lohnt. Auch können wir deren Telefone klingeln lassen und sie so ablenken oder ihre SMS lesen beziehungsweise Anrufe mithören. Manchmal können wir auch das Smartphone überhitzen lassen, sodass die Person durch einen Stromschlag zusammenbricht. Meistens ruft dann jemand einen Krankenwagen, der ein paar Sekunden später eintrifft. Andere Passante rennen in Panik davon.

 Scharf geschossen wird im Hacker-Game natürlich auch. fullscreen
Scharf geschossen wird im Hacker-Game natürlich auch. (©Screenshot TURN ON 2016)

Um Geld zu machen, kannst Du auch die App Driver SF benutzen, die Dich wie bei Uber zu einem privaten Taxifahrer macht. Du bekommst dann einen Ort, wo Du deinen Kunden abholen sollst und fährst ihn dann zum Ziel. Dabei triffst Du auf ziemlich verrückte Leute wie zum Beispiel einen Mann, der einen Roboter gebaut hat. Leider ist ihm dieser jetzt entwischt und Du musst ihn wieder einfangen.

Nahtloser Multiplayer fehlt bisher

Ubisoft hat in "Watch Dogs 2" einen kooperativen Modus eingebaut, bei dem Du mit Freunden oder anderen Spielern zusammen Missionen starten kannst. Dafür begibst Du Dich an einen bestimmten Punkt und kannst dort die Mission starten. Das macht auch ordentlich Spaß, allerdings fühlt es sich irgendwann ähnlich wie "Assassin's Creed Unity" an. Die Story selbst kann aber nicht zu zweit gespielt werden.

 Der Charakter kann umfangreich individualisiert werden. fullscreen
Der Charakter kann umfangreich individualisiert werden. (©Screenshot TURN ON 2016)

Eigentlich sollte es auch wieder einen nahtlosen Multiplayer-Modus geben, bei dem andere Leute in Deinem Spiel unterwegs sind und Dich hacken können. Wenn das passiert, musst Du den anderen Spieler in Deinem Umkreis finden und neutralisieren. Oder ein anderer Spieler bekommt ein Kopfgeld, dann kannst Du ihn auch versuchen zu fangen. Das Kopfgeld kann auch auf Dich ausgesetzt werden, dann ist Deine Aufgabe das Fliehen. Dieser Modus hat aber wohl für so starke Framerate-Einbrüche gesorgt, dass Ubisoft ihn zum Release aus dem Spiel entfernt hat. Sobald das Problem unter Kontrolle gebracht wurde, soll er wieder verfügbar gemacht werden. Wir haben ihn auf der Gamescom in einer ausführlichen Test-Preview schon ausprobieren können.

Fazit: Macht mehr Spaß als Teil 1!

Ich verbringe echt gerne Zeit im San Francisco aus "Watch Dogs 2" – auch wenn es besser aussehen könnte. Dennoch weiß das Spiel mit seinen Missionen und witzigen Dialogen zu überzeugen. Sich mit den Drohnen durch Gebiete zu schummeln ist außerdem eine spannende Herausforderung für Freunde von Schleichspielen. Alle anderen können auch einfach wie in einem Action-Adventure mit ner Waffe durch die Welt rennen. So ist für jeden was dabei.

Datenblatt

  • Release-Datum
    15.11.2016
  • Genre
    Action-Adventure
  • Plattform
    PS4, Xbox One, Windows
  • Publisher
    Ubisoft
  • Entwickler
    Ubisoft Montreal
  • USK
    tbd

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