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Gigapixel-Bilder: So entstehen Fotos mit extremer Auflösung

Gigapixel-Fotos bieten eine noch bessere Qualität.
Gigapixel-Fotos bieten eine noch bessere Qualität. (©Kolor 2015)

Wenn Megapixel nicht genug sind, dann wird’s gigantisch. Ein Foto mit einem oder gar mehreren Gigapixeln Auflösung hält alles bis ins kleinste Detail fest. Wir zeigen Dir, wie die monströsen Bilder entstehen.

Schon mal in ein Foto hineingezoomt und Dich geärgert, dass Du vor lauter Pixeln gar nichts mehr erkennst? Hättest Du die Aufnahme mal in Gigapixeln gemacht. So wär's gegangen:

Was zum Teufel ist ein Gigapixel?

Eigentlich ganz einfach: Ein Gigapixel sind mehr als 1.000 Megapixel. Aber wie soll das gehen? Kameras haben heutzutage doch selten mehr als 50 Megapixel, oder? Richtig. Bei einer Gigapixel-Auflösung werden allerdings Hunderte Schnappschüsse übereinandergelegt und zu einem Riesenfoto zusammengefügt. Das kann dann auch mal mehrere Gigabyte groß sein. Ein Panorama in Gigapixel-Auflösung nennt man auch Multi-Row-Panorama.

Alles dabei? Der Equipmentcheck

Taschepacken fürs Gigapixel-Foto: Zunächst einmal brauchst Du natürlich eine Kamera. Eine digitale Spiegelreflex muss es sein, mit 20 oder mehr Megapixeln auf dem Kleinbildsensor. Auch beim Objektiv hast Du im Prinzip freie Wahl. Je länger dabei die Brennweite, desto höher die Auflösung Deines Bildes am Ende. Was Du noch definitiv brauchst, ist ein Panoramakopf mit Motor für Dein Stativ. Die sind nicht immer ganz billig: Mindestens 300 Euro wandern dafür über die Ladentheke, je nach Modell können sogar mehrere Tausend Euro fällig werden. Ratsam ist er allerdings, da sonst Fehler auftreten können, die Dein ganzes Werk zerstören. Was solltest Du noch einpacken? Zeit! Für eine Aufnahme in Gigapixel-Auflösung brauchst Du locker 30 Minuten und länger.

Einstellungssache: Das richtige Set-Up

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Bereit: Die Kamera sollte vor dem Knipsen richtig konfiguriert werden. (©Canon 2015)

Damit Dein Gigapixel-Panorama gelingt, musst Du Deine Kamera natürlich auch richtig konfigurieren. Zunächst muss eine feste Brennweite eingestellt werden, wenn Du nicht ohnehin ein Objektiv mit Festbrennweite verwendest. 200 Millimeter werden Gigapixel-Anfängern empfohlen. Fokussiert und belichtet wird manuell (nicht vergessen den Autofokus auszuschalten). Auch den Bildstabilisator kannst Du getrost ausschalten – die Kamera prangt schließlich auf einem Stativ. Kleiner Tipp: Obwohl das informationsreiche RAW-Format eigentlich besonders gut für die Gigapixel-Auflösung geeignet wäre, empfiehlt es sich trotzdem darauf zu verzichten. Denn bei mehreren Hundert Fotos kann die Datenmenge so nämlich schnell ins Astronomische wachsen.

Profi-Settings für Rechengenies

Auch wenn die genannten Einstellungen eigentlich genügen: Wer mehr aus seinen Gigapixel-Fotos herausholen möchte, der konfiguriert auch den Rest selbst. Dazu müssen natürlich erst einmal der zu fotografierende Raum und die Entfernungen ausgemessen werden. Für die richtige Schärfentiefe gibt es dann zum Beispiel Online-Tools, mit denen sich die richtigen Settings kalkulieren lassen.

Aufnahme initiieren

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Bei der Gigapixel-Fotografie musst Du nicht selbst hinter der Kamera stehen. (©Nikon 2015)

Wenn Du alles vorbereitet hast, dann kann die Aufnahme beginnen. Diese führst Du dank motorisiertem Stativ natürlich nicht selbst durch. In der Steuerungseinheit kannst Du die Ecken Deines Panoramas kennzeichnen und es dann einfach drauflos knipsen lassen! Achte darauf, dass Du beispielsweise bei Fotos von Gebäuden die besonders hohen noch mit im Bildausschnitt hast. Der motorisierte Kopf kalkuliert für gewöhnlich automatisch, wie viele Bilder in wie vielen Reihen er zu knipsen hat. Möchtest Du hier doch manuell tätig werden, hilft ein Umrechentool. Anschließend kann es dann auch schon losgehen. Nun kannst Du Dich zurücklehnen und Deiner Kamera beim Arbeiten zusehen. In der Nähe solltest Du trotzdem bleiben: Sollte etwas oder jemand durchs Bild laufen, lohnt es sich die Aufnahme kurz zu pausieren. Sonst musst Du im schlimmsten Fall von vorn beginnen.

Hausaufgaben: Handgenähte Bildbearbeitung

Hast Du alle Deine Aufnahmen gemacht, geht es erst einmal nach Hause an den Computer. Aus den Hunderten Fotos, die Deine Kamera nun aufgenommen hat, muss nun ein Gigapixel-Meisterwerk gemacht werden. Dazu gibt es sogenannten "Stitching-Tools", die die einzelnen Schnappschüsse zu einem großen Panorama zusammennähen. Für Aufnahmen in Gigapixel-Auflösung wird PTGui empfohlen. Mit der Align to Grid-Funktion werden Deine Fotos automatisch fein säuberlich aneinandergereiht. Je nach Dynamik Deines Bildes sind gegebenenfalls kleinere Korrekturen nötig. Auf YouTube finden sich auch für PTGui ein paar praktische Tutorials. Solltest Du bereits Photoshop haben, kannst Du auch darauf zurückgreifen. Unter "Automatisieren" findest Du die Option "Photomerge". Eine weitere Alternative ist Kolor.

In Szene gesetzt: So sehen Gigapixel-Aufnahmen aus

Ist Dein Gigapixel-Foto fertig, musst Du es natürlich mit der Welt teilen. Nun lässt sich der Schnappschuss in der Monster-Auflösung natürlich nicht einfach bei Facebook hochladen. Dafür bieten sich Dienste wie Zoomify oder 360Cities an. Und Du dachtest ein Gigapixel sei viel? Wie wäre es mit einer virtuellen Reise durch Dresden oder Paris mit jeweils 26 Gigapixeln, Shanghai mit 272 oder sogar London mit 320? Blut geleckt? Auf der offiziellen Website des Vancouver Gigapixel Project gibt es noch mehr Aufnahmen in Gigapixel-Auflösung.

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