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Microsoft Dictate im Test: Wie gut ist die Spracherkennung?

Microsoft Dictate macht die Tastatur leider noch nicht überflüssig.
Microsoft Dictate macht die Tastatur leider noch nicht überflüssig. (©thinkstock/vdovichenkodenis 2017)

Dank der Erweiterung Dictate für Word, PowerPoint und Outlook kannst Du selbst komplexe Texte wie E-Mails und Dokumente freihändig via Spracheingabe schreiben – behauptet Microsoft. Wie sich in unserem Kurztest gezeigt hat, ist das jedoch arg optimistisch.

Texte in 20 Sprachen diktieren und sie in Echtzeit in über 60 Sprachen übersetzen lassen: Das ist mit dem Office-Add-On Dictate angeblich möglich, so Microsoft. Wäre dem so, könnte ein Buchautor einfach sein neuestes Werk via Dictate in Word diktieren und es automatisch in über 60 Sprachen übersetzen lassen. Immerhin setzt Dictate auf "State of the Art"-Spracherkennung und künstliche Intelligenz, die auch im Windows-Sprachassistenten Cortana integriert ist. Also warum nicht?

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Fairerweise muss man sagen, dass die Spracherkennung, wie jene von Cortana, mit der Zeit besser wird. Mit oder ohne umfassendes Training kommen aber schnell Zweifel an den Fähigkeiten von Dictate auf. So schreibt das Add-on "Menschen" immer klein als "menschen", obwohl viele andere Substantive groß geschrieben werden, und auch sonst funktioniert die Groß- und Kleinschreibung unzuverlässig.

 Dictate kann als Add-on in Word eingebunden werden. Hier zusammengefasst einige Beispiele aus einem längeren Test. fullscreen
Dictate kann als Add-on in Word eingebunden werden. Hier zusammengefasst einige Beispiele aus einem längeren Test. (©Screenshot TURN ON / Microsoft 2017)

Außerdem wird in meinem Test "diejenigen" stets als "jähnigen" übersetzt, was es gar nicht gibt. Allzu viel Zeit spart man mit Dictate ohnehin kaum, denn Satzzeichen werden in der deutschen Version noch nicht zu hundert Prozent als solche erkannt. In einigen Fällen schreibt Dictate das Wort "Komma" auch einfach aus.

Für kürzere Sätze brauchbar

Dictate lässt sich mit etwas Übung immerhin für kürzere Sätze nutzen, so hat die Erweiterung Sätze wie "Wie viele Meilen sollst Du gehen?" richtig in Text verwandelt und sie sogar als Frage verstanden. Später am Abend fragte ich das Tool allerdings "Gibt es ein Leben nach Word?", was Dictate, vielleicht um mich aufzumuntern, nicht als Frage wiedergegeben hat.

Während Dictate kürzere und inhaltlich einfache Sätze noch "versteht" oder richtig in Text umwandelt, sieht es bei komplexen Formulierungen und Schachtelsätzen schon etwas anders aus. So habe ich das Tool während meines Tests mit einem philosophischen Essay so richtig gefordert. Aus "beeinträchtigtes Vernunftvermögen" machte das Add-on "beeinträchtigt das Vernunft Vermögen". Das wiederum spricht für ein beeinträchtigtes Vernunftvermögen seitens Dictate.

Eine Seite des Gehirns verlassen

Kein Wunder: Computer sind nicht in der Lage, den Sinn von Begriffen zu verstehen, sondern sie übertragen nur automatisch vorab von Menschen festgelegte Zeichenfolgen nach von Menschen festgelegten Regeln in andere Zeichenfolgen, die ebenfalls menschliche Programmierer in die Software einpflanzen. Dictate ist eine gute Veranschaulichung für alle, die sich davon überzeugen möchten und die allzu große Hoffnungen oder Ängste mit der Künstlichen Intelligenz verbinden.

Könnte Dictate den Sinn von Sprache verstehen, hätte es beispielsweise auch nicht aus dem englischen "the left side of the brain" (die linke Seite des Gehirns") so etwas wie "they left side of the brain" ("sie haben eine Seite des Gehirns verlassen") gemacht. Auch die Übersetzungsleistung konnte mich nicht begeistern, so wurde aus "You know who lives in the cupboard" ("Du weißt, wer im Schrank lebt") auf einmal "du weißt wer lebt in den schrank".

 Viele Übersetzungen von Dictate sind kreativ. fullscreen
Viele Übersetzungen von Dictate sind kreativ. (©Pixabay / 95C 2017)

Fazit: Sprachbarriere

Dictate, auch Du? Wie Cortana, Siri und andere Sprachassistenten enttäuschte mich nun die Sprachdiktat-Erweiterung Dictate, wenn es um das Sprachverständnis geht. Sie erlaubt allenfalls die Umwandlung von kurzen und einfachen Sätzen in das geschriebene Wort, mit allem anderen ist Dictate schnell überfordert. Auch die Übersetzungsleistung hat deutliche Schwächen. Wer allerdings regelmäßig mit Dictate redet, der wird die Leistung verbessern können.

Wie jede KI-Software soll auch das Diktier-Tool von Microsoft im Laufe der Zeit ein besseres Verständnis für die Sprachgewohnheiten seines Nutzers entwickeln. Den tatsächlichen Sinn hinter Worten und Sätzen wird die Software jedoch, nach meinem Dafürhalten, nie verstehen. Herunterladen kannst Du Dir Microsoft Dictate hier, falls Du das kostenlose Add-on selbst einmal ausprobieren möchtest.

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